Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 1 (1837)
- Issue
- Heft 44 (1.8.1837)
- Date
- 1837-08-01
- Page
- Seite 174 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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174 angestelltm Herrn D. G. Demuth ward der bisherige Organist am allgemeinen Krankenhause, Herr Johann Friedrich Schink, zum Organisten am israelitischen neuen Tempel erwählt. London, 18. Juli. (Privatmitth.) Der im Gebiete der egyptischm Antiquilätmforschung bekannte Israelit vr. Löwe wird am 1. August über Frankreich und Italien nach Kairo und Oberegypten abreisen. Er tritt seine Reise mit einem freudigen Hochgefühle an, das Land der Wunder zu betreten, dem er schon vorher so vielen Fleiß und Eifer gewidmet hatte. Stockholm,.11. Juli. (Privatmitth.) Besonders auf Betrieb unsers Rabbiners-Seligmann, eines wahre Frömmigkeit mit erleuchtetem Sinne innig verbindenden Mannes, - hat die hiesige Gemeinde ihre alte Synagoge größtentheils abbrechen lassen, und ist mit dem Neubau in edlem Style und bedeutmd vergrößertem Umfange beschäftigt. Unser Rabbiner, der ein bedeutendes Rednettalent besitzt, welches er während seiner-hiesigen Amtsführung ungemein entwickelt hat, läßt allmälige Reformen eintteten, mit denen Jedermann zuftieden ist, und gegen welche nur die auch für. religiöse Erhebung keinen Sinn habmdm Jndiffermtisten, deren Zahl - aber hier sehr unbedeutend ist in der Masse, gleichgültig sind. — In unfern politischen Verhältnissen bleibt Alles auf dem statu quo. Norwegen ist immer noch der einzige Staat, der keine jüdischen Ansiedler duldet, und selbst gegen jüdische Schiffbrüchige auf eine schauderhafte Weise verfährt, die ein anderes Mal hier zur Sprache kommen soll.' The olo g Le. 31 fr c e n zu einer Eucyclopadie und Methodologie jüdischen Theologie Dr. Uri. (Fortsetzung.) Der Gesammtinhalt unsrer heil. Schrift, hat (abgesehen von ihrem historischen) theils einm theoretischen, theils einen praktischen Theil. Jmer enthält die Lchren des Glaubens, dieser die Pflichtm, welche das Judenthum seinm Bekenner» auferlegt. So entstand Glaube (N2i»vr) und Frömmigkeit (nrPöri). Die Lehre von dem, was zum Praktischen gehött, ist die Moral. Sie muß ihre Elemente aus in der Bibel zerstreuten Aussprüchm sammeln, theils auch, daß irgend ein Grundsatz wirklich Eigenchum des Volkes und der jüdischen Theologie geworden ist, mit Beweisen, (dictum probans) aus den traditiven Schriften und den spatem Rabbinern, die am meisten auf die Synagoge eingewirkt habm, belegen. Die Echik hat nun folgmde Haupttheile: 1) einm allgemeinen, propädeutischen Theil, in welchem sie die Prinzipien, von welchm die Moral und das Sittliche ausgehm, untersucht, folglich in welchem Sinne dem Mmschm eine moralische Natur zukomme, durch welche er sich so wesentlich von andem untergeordneten Geschöpftn unterscheidet. Femer handelt dieser - allgemeine Theil von dem Entstehen und dem Fortgang der Sittlichkeit im Mmschm. 2) Die besondere Ethik und specielle Pflichtmlehre giebt die Pflichtm, welche das Judmthum in allen Verhältnissm des Lebms lehrt,, systematisch geordnet an, theilt diese Pflichtm insbesondere in Pflichtm gegm Gott, Pflichten.gegm uns selbst, Pflichtm gegen dm Nebenmmschen, Pflichtm gegm die uns untergeordneten Geschöpfe der Natur ein. 3) Der dritte Theil der Ethik ist die Afcethik oder die ascethische Moral d. i. die Lehre von dm Mitteln, durch welche der Bekmtter des Judenthums zu einem moralischm, tugmdhaftm und seinm Pflichtm als Mensch und Mitglied der jüdischm Nation genügenden Lebm gelangt. Einzelne Theile der Ethik habm ihre nicht, geringen Schwierigkeiten, und gerade dadurch unterscheidet^ sich die der jüd. Theologie von der andrer Glaubensgenossen, daß sie in ihrem dogmatischm Theile bei weitem-weniger Schwierigkeitm zu beseitigen hat, als in ihrem ethischm, indem dieser der genauestm Beachtung wetth gefunden wurde, und da bei der Stiftung der Religion zugleich Stiftung eines Staates und eines Volkes statt fand, es der'Kritik bedurfte und zum Theil noch bedarf, um die verschiedmm Elemmtt hier zu sondem', dem allgemein und immer Gültigm seinm Wetth vor dem Localen, Temporellen zu gebm, doch zum Glück findet sich diese Schwierigkeit mehr in dem ascethischm Theile vor, die gmerelle und spezielle Echik erfreuet sich einer edlm Einfachhüt. Sie stellt als höchstes Princip aller Sittlichkeit die Nachahmung der Heiligkeit Gottes auf: Heilig sollt ihr sein, denn ich der Hm bin auch heilig; sie unternimmt nicht die schwierige Lösung des pchysologischm Geheimnisses der mmschkichm Freiheit, sondern verweiset den Mmschm auf sein eigmes Bewußtsein. Man hat der jüd. Moral vielfache Vorwürfe gemacht, man hat sie für ungenügmd gehalten, ja mit einigm Stellm späterer verwefttm Schristm ihre Beschränktheit erweiftn wollm, man hat, da der Druck und das Schicksal der jüd. Nation ihrem Lebm dm Charakter der Sclavmi mittheilte, dieser aus ihrer eigmm Sittmlehre hergeleitet — allein man untersuche und prüfe, ob derselben ein Element zum tugmdhaftm Lebm mangelt und ob nicht ihr summum bonum: Heiligkeit der Gesinnungen