Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 1 (1837)
- Issue
- Heft 43 (29.7.1837)
- Date
- 1837-07-29
- Page
- Seite 171 (sequence 3)
- Language
- German
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171 Engelsleitrr an den Pforten des himmlischen Paradieses sah > — Ihr fürchtet ihn, wie ich, das reine Feuer-feiner Liebe durchdringt Eure Brust wie die meinkge, Ihr könnet, Ihr wollet den stebenzigjährigen Mann nicht länger in der Hölle des unterirdischen Gewölbes lassen. Bon den Tiefen der Unterwelt schreie ich zu Gott empor — Ihr nennt Euch seine Priester, so seid die Boten seiner Gnade, seid die Engel seiner Liebe, zieht mich aus der Gruft, daß ich nicht sterbe, gebt den Vater den Kindern wieder, lasset mich mein Passah am Lichte der Sonne feiern, ich will Euch preisen in der Mitte des Volkes und der Gemeinde.« Arama schien erschöpft, er fah mit thranmden Augen die Mönche an, seine Brust athmete rasch und ängstlich, die Furcht der Erwartung lag in seinen Zügen. »Du willst deinen Ankläger wissen,« schallte es ihm entgegen, »dein Ankläger ist ein Christ, der dein Haus besuchte, der das Elend der Jungfrau mit eigenen Augen sah, dem sse die Noch, die du verbrecherisch über sie verhängtest, im Drange ihres Herzens nach der heiligm Taufe offenbarte, es ist der königliche Hauptmann — Ferdinands Alonzo!« Arama stand wie vom Donner gerührt. »Ferdinands — Alonzo l« — stammelte er, »wie ist mir denn? jetzt wird's - Tag in meiner Seele. Ehrwürdige Pattes! der Hauptmann hat mich und Euch schrecklich betrogen. Schlimme, schlimme Zeiten, wo die Jugend das Alter berückt! Was will der Ferdinando Alonzo von mir? ich habe ihm fteundfchaftlich mein Haus geöffnet. Kann sein, daß in der Wärme des Gesprächs manche Ergießung meines Httzens vorkam, die ich Andern verhehlt haben würde. Aber womit er gegen mich vor Euch anklagend erschien, das ist unwahr, falsch, falscher noch, als die Schlange des Edens. Alonzo! dein Auge war so rein und tteu, dein Blick so edel und stolz, dein Wesen so einnehmend — hat die Leidenschaft dein Gehirn verbrannt, dein Herz verkohlt, daß du den alten Freund zu verderben ttachtest. Mir versagt die Zunge die Kraft der Rede, das Auge hat keine Thränen mehr, womit ich Euch rühren könnte, abtt führt Alonzo hierher, ich. will, ihn sehen, er wird seinen Jrtthum bekennen.« »Glaubst du, frecher Lügntt, den Jüngling durch die Künste deiner Vttstellung in seiner Aussage wankend, zu machen? So wisse denn,, deine Ruchlosigkeit, dein Haß - gegen die Christenwelt ist noch anderwärts erwiesen. Du hast einem kranken Christen Hülfe versaget, und sie lieber einem ketzerischen Mauren zugewmdet, du hast, als man dich zum krankm Prior rief, Schimpfivotte ausgestoßen. Hier ist der Zeuge.« Dtt Inquisitor zog eine Glocke, die durch die weitm Räume schallte, — ein Mönch trat herein, Gonzago Campanton, genannt Pattt Hieronymus von Sevilla, der bekannte Bencdictiner. Arama taumelte rückwärts auf die Laienbrüder. Dtt Inquisitor winkte, und zwei Mönche erhoben sich von ihren Sitzen, stellten sich vor den Juden, der eine mit dem Crucifix, der andere mit dem Brevier, zwischen beiden verlas ein Pattt die Anklage, Arama schrie aus allen Kräften: »Nein! nein! nein!« Gonzago berühtte das Kreuz und beschwor die Wahrheit seiner Aussage, daß, als tt den Arama zum Prior holte, er in hebräischtt Sprache die Christen unruhige Bösewichttt genannt habe. Die Aussage Alonzo's wurde von zwei andern Namens der Versammlung, vor der es der Hauptmann heute bekannt haben sollte, vttlesen. Abermals winkte dtt Inquisitor, und drei Laienbrüder ttaten httein mit den Werkzeugen der Folttt, die man vor Armara ausbreitete. Er wurde noch einmal aufgefordett, Geständnisse zu machen oder durch sofortige Annahme des Christenthums sich die Freiheit mit einer leichten Bußsirafe zu verschaffen. »Den Glauben meiner Väter, ich kann ihn nicht abschwören, ich bin zu alt in ihm geworden, mein grautt Kopf kann das Neue nicht begreifen — soll ich durch falsches BekmnMiß die Rache des Höchsten auf mich laden, soll ich, ein elmder Maranno, die Gottheit in dieftr ehcenwerthen Versammlung belügen, soll mein erster Schritt in Eure Kirche eine Täuschung sein, eine Hintergehung dieser Kirche. Nein, Arama ist kein Bösewicht,' der alte Arama kein Lästerer, der alte Arama liebt Jude und Christ und Maure, aber tt bleibt tteu seinem Gotte, wie er tteu der Menschheit blieb.« Die Folter wurde vorbereitet. »Dtt du dem Schwachen mächtige Kräfte verleihest,« bettte dtt Ergriffene, »dm Gefallenen tthebest, den Gefesselten befteiest, sende deine Hülfe vom Heiligthume und vttlaß mich nicht in dieftr Stunde'« - Die altm, zitternden Glieder wurden auf dtt Folttt ausgespannt, die Finger, die bis dahin nur die klopfende- Adtt des Kranken gefühlt, in Schrauben gesetzt, sein lautes Jammern, seinm Hülferuf: Adonai, adonai, rachem nah! *) gab das Echo des Gewölbes zurück, ein krampfhaftes Zuckm schim dm Tod zu verkünden, dtt Inquisitor winkte und man löste die Folterbande. Arama wurde aufgerichtet, tt fiel dm Laienbrüdern in die Arme, seine- Lippen lispeltm: Gelobt seist du, - Httr, der du mich nicht zum Sklaven geschaffen! So fühtte man ihn fort, und er lag ohnmächtig auf hartem Sttohlagtt. Der Tag bricht an, kein Sttahl dtt Sonne trifft seinm . finstem Kerker, fern hört man das Arbeitm maurischtt Sklavm in den Steinbrüchen. Die Lust ist so blau und rein am! spanischen Himmel, wie am Tage der Schöpfung übtt Edm,! als das allmächtige Werde das Licht erschuf. Nur das Dichj *) Herr, Herr, erbarme dich!