Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 1 (1837)
- Issue
- Heft 43 (29.7.1837)
- Date
- 1837-07-29
- Page
- Seite 170 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/3224737-3224738-3224782--00355-3298606- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
170 Frankreich und Italien, ich schiffte mich ein in Trani und fuhr nach Griechenland, ich durchreisete Syrien und das gelobte Land meiner Vater, ich betete auf den Trümmern des Tempels und habe die Stadt Gottes gesehen, die einst die Königin war unter den Städten, jetzt aber wüste und leer, ich besuchte die Wässer Babylons und trauerte unter den Weiden, wo vor Alters unsere Väter die Harfm hinhingen, ich sah das reiche Bagdad, meine Sohlen brannten von dem Sande der Wüste, wo ich. das Grab des 'Propheten Ezechiel besuchte, und mit Tausmdm meiner Glaubensgenossen die Laubhütten in der Wüste ausschlug und das Andenken glorreicher Tage meiner Ahnen feierte. Dreißig Lampen brmnen Tag und Nacht bei jenem Grabe, zweihundert Wächter bewachen die heilige Stätte, und empfangen die Gabm der gläubigen Pilger, die sie zur Unterhaltung der Synagoge, zur Aussteuer der Waisen und zum Unterhalt armer Schüler anwmden. Auch das reiche Susa mit dem Grabe Daniels war mir nicht zu fern. Ich wendete mich von den Städten des Morgens wieder nach Abend. .Ich kam nach Byzanz, der auf sieben Bergen gebauten Stadt, als der stolze Moslem den griechischen Kaiser stürzte, und in die undankbare Tochter Roms mit wilden Horden einrückte, von seinen Vezieren und Leibwachen begleitet, und die Fahne seines Propheten auf die Spitze der Aja Sofia pflanzte; ich sah die Köpfe der Griechen unter dm arabischm Pferden rollen, und mit Entsetzen erinnert sich mein alter Kopf der Greuel, die die morgmländische Christmheit bettaf. Da floh ich nach Aegyptm, dem Lande meiner Kunst, wo die Pharaonen liegm kalt und .starr in ihrm hohm Gräbern. Auch trieb des Wissens Durst mich nach dm Reichm, die die Söhne Zsmarls im Nordm Aftika's gestiftet, ich reiste nach Fez, dem Geburtsotte meines Ahnm, und nach dreizehn Wanderjahren kchtte ich nach Granada zurück, wo ich seit acht und dreißig Jahrm die göttliche Kunst des Arztes geübt habe. Würdige Väter! Kein Laster hat meinm Wandel befleckt, jeder Tag brachte seine Mühen,, feine Arbeit und seine Sorgm. Ich habe Weib und Kinder in die Gruft gelegt, und habe in Ehrm das Ziel des Lebensalters erlangt, was darüber kommt, ist Gottes Geschenk.« Diese Wotte, so rührmd sie Arama vortrug, machtm keinm Eindruck auf die Versammlung, wie Machte der Finsterniß sahen sie mit stierm Augen auf ihn. »David Arama,« sprach jetzt der Inquisitor in dürchdringmdem Tone, »J3för stehet vor der heiligm Inquisition, die die Frevel gegm den Glauben der Christm und die katholssche Kirche aus der dunkeln Nacht zur Helle des Tages fordert. Sprecht die Wahrheit auf die Frage, die ich Euch vorlege, die Sttafe würde Euch sonst doppelt tteffen, und Ihr würdet mit der fürchterlichm Rache des weltlichm Richters der ewigm Verdammniß, der Ihr heimgefallen, zugeführt werden. Wer ist die Jungfrau,, die in Eurem Hause als Eure Tochter lebet?« Arama sagte die Wahrheit, ec erzählte Dinah's Herkunft, wer .sie ihm anvettraut und wie sie seinem Alter eine Stütze zu werden versprach. Der Franziskaner erhob sich jetzt von seinem Sitze, schritt schnell auf den Alten los und rief ihm fürchterlich zu: »David Arama! Ihr seid angeklagt, jene Jungftau, die in dm Schooß der alleinseligmachenden Kirche einkehren und die Sündm Eures verruchten Ketzeclebens ablegen wollte, vom chrisilichm Glaubm durch steche Ueberredung und.Drohung zurückgehalten zu haben, angeklagt, daß Ihr ihr dm christlichen Glaubm als Gräuel geschildert und ihr Gemüth durch strafbare Reden gequält habt. Ihr habt ihr das Buch der Evangelisten aus den Händen geschlagm und das Bild des Gekreuzigtm auf Eurem Herde verbrannt. Was habt Ihr zu Eurer Verantwortung?« Arama stand jetzt ruhig und gefaßt, er sah im Kreise der Mönche umher und ttat einige Schritte vor: »Ehrwürdige Väter! Was Ihr mir da saget und vorhattet, es sind nie. gehötte Töne für mein altes Ohr. Wer so die Welt gesehen wie ich, der.verabscheuet die Schändung anderen Glaubms, und wenn sein Herz Tücke gmug besäße, er wäre klug, sie zu vrrbergm. Dinah ist eine rechtgläubige Jüdin, nie ist es ihr auch im Entfemtesten in dm Sinn, gekommm, dm Glaubm, den ihr der Vater auf die Tafeln ihres Herzens geschriebm, zu verlaugnen. Nie — ich schwöre es bei dem Gotte des Himmels und der Erde, bei dem, der war,-ist und sein wird, bei dem mächtigen Zebaoth! — nie 'gab sie mir Gelegenheit, ihr dm Glauben der Christm zu verleiden, nie zeigte sie mir die Absicht, sich Euch.zuzuwendm,' nie habe ich die angeschuldigtm Schandthaten an Euem Hciligthümern verübt. Fern sei es von mir, solches zu thun, fern von mir, dem Manne des Berufes, die Religion derer, von dmm ich Hunderte dm Armen des Todes entrissm, deren letzte Smfzer ich hörte,.deren Todesangst ich linderte, derm Sterbm ich ehrte, denm ich selbst dm Priester zuführte, auf solche Weise zu verachten. Fragt in Granada nach Arama, wo ist der Mann, der solch 'eine Sünde auf sein Haupt ladet, mir dergleichen vorzuwerfen? wo ist der Ankläger, der mich hierbei bettoffen? — Ehrwürdige Pattes! Ihr wolltet mich j prüfen, Ihr habt mich von meinm liebm Enkeln, vom Tisch« des Passah's, von dm Kranken, die ich verpflegte^ gerufm — I Ihr wollet Gerechtigkeit, denn Ihr seid die Dimer Eures Glaubms, wie ich der des meinigen. Aber der Gott, der j Abraham erschien, den Isaak fürchtete, dm Jacob auf der