Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1837-07-29 · Heft 43 (29.7.1837) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
1 (1837)
Issue
Heft 43 (29.7.1837)
Date
1837-07-29
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
85% known words query
IRI
…/3224737-3224738-3224782--00354-3298605
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

I. Jahrgang. ALLgeMsiKL No. 43. Zeitung -es Zudenthnms. Ein unpartheiisches Organ für alles jüdische Interesse. (Mit König!. Sächsischer allergnädigster Concession.) Leipzig, den 29. Juli 1837. Belletristik. Die Marannen. Novelle aus dem letzten Zahrzehend des fünfzehnten Jahrhundert«.* (Fortsetzung.) 19. Bei den schimmernden Serpmtinsteinbrüchm unweit Granada liegt ein altes Gebäude. Die Maurm hatten hier in der Zeit ihres Ruhmes ein Hospitium angelegt, worin sie mit der den Anhängern des arabischen Propheten eigenthümllchen Barmherzigkeit heimathlose Pilger, Greise, deren Familien ausgestorben waren, verpflegten, und alte Jmans vom frühen Morgen bis zum späten Abend dm Koran lesm mußten. Seit dem Einzuge der Spanier wußte Niemand, wozu das Gebäude gebraucht wurde, die Armm und Priester warm vertriebm, erprobte Krieger umstandm dasselbe und bewachtm den Eingang, die Maürm wähnten, man habe dort die Schätze der Alhambra aufgehäuft, weil in der Alhambra selbst die Geister ihrer Könige die Christm ängstigten. Man wußte/daß unter diesen Gebäudm weite Räume sich befändm, die zu dm Steinbrüchen führtm, und aus diesm durch dm Hammer arbeitender Sklavm mtstandm waren. In diesm untem Höhlm waren die Gräber der im Hospiz Verstorbenm angebracht, und die Schauer des Todes empfand der, der in die Gewölbe hinab stieg und so ebm erst dir warme Luft des Lebms unter dm Orangen eingeathmet hatte. Eiseme Gitter theiltm jetzt die ungebrauchten Gewölbe in kleine Behältnisse ab, Kettm warm in die glanzenden Serpentinwande eingeschlagm, und unglückliche Gefangme seufzten unter ihrer Last. Es war Mittemacht. Die Gitterthürm eröffneten sich, Laimbrüder erschimen mit Fackeln und führtm einen Greis herauf, dessm Augen von dem plötzlichm Lichtschein' geblendet wurdm und der wankmdm Schrittes dm Botm folgte. Das graue Haar seines Hauptes war. feucht und verworrm, auf dem leidmdm Gesichte starttm Thränm, Frostschauer von Furcht und Kälte schüttelte die Glieder, und von diesem Anblick des Elmds stach die festliche und morgmlandische Kleidung ab, die der Schmutz des Kerkers besudelt hatte. Es war Arama, der jüdische Arzt. Man führte ihn über mehrere Treppen, seine Füße versagtm ihm den Dienst, seine Begleiter lehntm es unwillig ab, wenn ec sich an sie haltm oder auf sie stützm wollte, und schienm seine Berühmng zu fürchtm. Sie kamen in einen geräumigen. Saal, der von schwarzm Fackeln erleuchtet wurde, um einm großm Tisch saßm Männer in der Kleidung der Franziskaner, mit emstm Gesichtem; an dem Ende des Tisches saß der Meister der Versammlung, mit großm Augen auf Papiere schauend, beim Eintritt des Gefangmm leicht aufsehend, aber gleich wieder seine vorige Stellung einnehmend und weiter lesmd. In dem Saale hingen Bilder der Apostel und Heiligen, ein großes Mutter- -gottesbild dem Eingang gegmüber, die Wände warm außerdem mit Schreinen voller Papiere besetzt, auf dem Tische aber ein großes Crucifix von vergoldetem Holze aufgestellt. Der Gefangme stand zwischm seinen Führem eine lange halbe Stunde, kein Geräusch unterbrach die Stille, nur er selbst lispelte leise, ohne daß es Jemand hörte: »Gelobt seist du, Gott, daß du mich zum Jsraelitm geschaffen!« Plötzlich wmdete sich der Inquisitor zu ihm, und ftagte ihn nach Namm und Alter. Arama rüstete sich zur Antwort, und ein nmes Fmer schim die erstarrten Glieder des Altm zu beleben. »Ich heiße Rabbi David Arama, Sohn des in Gott mtschlafmm Rabbi Abraham Arama, Sohnes des Joseph, Sohnes des David, Sohnes des Obadja Arama aus Fez. Die Zeit meiner Wallfahtt auf Erdm ist siebmzig Jahre, wmig und böse ist die Zeit meines Lebms, und langet nicht an die Zeit meiner Väter in ihrer Wallfahrt.« Beftagt um sein früheres Lebm antwottete er: »Ich war zwölf Jahr alt, da verlor ich meinen Vater durch chm Tod. Mich erzog darauf der ehrwürdige, jetzt in Gott mtschlafme Rabbi Michael Sacuth, und unterrichtete wich im Glaubm meiner Väter und in dm Lehrm unserer Weisen. Die Kunst des Arztes lemte ich vom wackem Abmhamet, Arzt in Ma-. laga. Ich war 20 Jahr alt, da begab ich mich auf Reism, und habe der Länder und Völker viele gesehm. Ich dmchzog

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.