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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1837-07-27 · Heft 41 (27.7.1837) · p. Seite 163

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
1 (1837)
Issue
Heft 41 (27.7.1837)
Date
1837-07-27
Page
Seite 163 (sequence 3)
Language
German
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163 2ndifserentismus Leineswegs dafür sichert, daß bei dem schon aufk-cimenden Mysticismus nicht die leichte Hinneigung der Menschen zur Schwärmerei künftig wiederum die religiöse Seite ergreifen möchte. Die Beispiele der Stimmung des größern Theils, selbst in nicht sehr entfernten Zeiten, können es auch annoch jetzt zweifelhaft machen, wie groß die Zahl derer sei, welche sich selbst von Religionshaß leiten lassen könnten, und wenn auch die Gesetzgebung sich von Borurtheilen nicht beherrschen läßt,, so schont sie solche auch um der allgemeinen Ruhe und Zufriedenheit willen dennoch gern. Indessen ist an der andern Seite das Gewicht der Gründe überwiegender, daß eine vernünftige allgemeiner verbreitete Toleranz den Wunsch, die Mitglieder eines Staats nach Religionsgebräuchen und Meinungen geschieden, und mehr oder minder begünstigt zu sehen, und besonders in den lctztern Jahren selbst durch die Gewährung an Gleichheit größtentheils vertilgt hat, daß die Anhänglichkeit an die väterliche Religion weniger auf bürgerliche Verhältnisse, als aus die äußere Relkgionsübung aufmerksam ist, daß vielmehr noch die Gerechtigkeit gegen alle ruhige, gleiche Lasten tragende, gleichen Gesetzen unterworfene Bürger, eine Gleichheit aller Rechte im Staate, worin Religions-Angelegenheiten keinen Einfluß haben, verlangt, und daß hingegen eine Ungerechtigkeit und Unbilligkeit des herrschenden Theils, welcher die UebrigKn von dem Einfluß in den öffentlichen Angelegenheiten entfernt hält, und sie wohl gar mit auffallenden Einschränkungen und Belästigungen willkührlich belegt, den willigsten Patriotismus lähmt, gerade die zuweilen befürchteten Anmaßungen, welche am sichersten durch gerechte Gleichheit unterdrückt werden, befördert, oder wohl gar, wie es unsre Stadt leider mehrmals erfahren hat — die Wohlhabensten, die dem Staate sonst nach ihrem Interesse am anhänglichsten und nützlichsten Bürger verscheucht, und mindere Theflnahme an allen Gegenständen des freien wohlwollenden Entschlusses veranlaßt: daß endlich das vorzüglichste Augenmerk nicht nur einer bloßen Handelsstadt, sondern vielmehr noch einer sehr gesunkenen Handelsstadt, die Zufriedenheit und Erhaltung, ja selbst die Anlockung wohlhabender Bürger sein muß. Dadurch wird das erforderliche größere Capitalvermögeu vermehrt, das Geschäft insonderhett des ausgebreitetsten Handels, erweitert, die Tragung der Lasten des Staates erleichtert, und der Werth des Grundeigenthums und Mobiliars erhalten, erhöhet. Wie sehr übrigens mit der Gerechtigkeit der Grundsätze, alles Sraatswohl, und mit der Befördrung des Staatsreichthums die Verschiedenheit der Religionssysteme und Meinungen bestehen kann, wenn nur wahre und reine Religiosität die Bürger veredelt, dieses lehrt gesunde Sachkenntniß, und immer allgemeiner die sichere Erfahrung. Und die Richtigkeit des Grundsatzes, daß die einfachste Staatsverfassung die vollkommenste sei, und diese unter ihren Mitgliedern keine bürgerliche Unterschiede zulassen müsse, wird Niemand läugnen. Wmu nun unter solchen Grundsätzen und Ansichten nicht allein in den mehrsten nahen und fernen Reichen eine Gleichheit der Rech te aller Rekigionsbekenuer im Staat große Fortschritte gemacht, sondern auch insonderheit bei uns während der französischen Regierung eine solche Gleichheit in bürgerlichen Verhältnissen mehrere Jahre hindurch dergestalt bereits geherrscht hat, daß jetzt weniger die Frage von neuen Begünstigungen als vom Entziehen des Genusses, vom Vernichten wirftich vorhin erlangter Rechte, z. B. in der Zulassung zum Bürgerrecht, zu Gewerken, zum Immobiliar-Eigenthum entsteht, wenn diese Veränderungen nicht die Folge von vorübergehenden Zeitereignissen, sondern von allgemein angenommenen und auf die Gerechtigkeit und Billigkeit gestützten Grundsätzen sind, so muß sich von selbst die vorhin begründete Ansicht dahin verstärken, daß Gerechtigkeit und Billigkeit es nicht gestatten, unverändert und unbedingt zu den Einschränkungen der vorigen Hamburgischen Verfassung in Rücksicht der sogenannten ftemden Religionsverwandren zurückzukehren. Indessen werden noch immer, einige Einschränkungen bestehen, und erregt das Beispiel aller wohlgeordneten Staaten vorzüglich die Aufmerksamkeit darauf, daß es für das Staatsrecht nothwendig oder doch besser sei, eine Einheit der Religion im Staate durch den Vorzug Einer wenigstens in der Regierungs Verwaltung zu bezeichnen, ohne in dem wesentlichen Genuß der bürgerlichen Freiheit und selbst an der Theilnahme an einzelnen Verwaltungszweigen und an der Stimme bei der Beurtheilung des Staatswohls eine Ausnahme zu gestatten. In unsrer Verfassung insonderheit aber ist der Vorzug der herrschenden Religion des Staats sowohl in die 3 bürgerlichen Collegia Ehrbarer Oberalten und der löblichen Sechsziger und Hundertachtziger, welche aus den Vorstehern der lutherischen Kirchen hervorgehen, als in den Einrichtungen des Senats durch Vertheilung der Patronate, der landherrlichen Kirchen- und Schulaufsicht, der Kirchspielsherren, des Scholarchats verwebt, daher es der desfalls annoch unentbehrlichen Polizeiverfügungen merklich von allen christlichen Religionsverwandten unterscheidet, so hat E. E. Rath die Vorschläge über die ganze Angelegenheit abgesondert von einander vortragen wollen*). (Fortsetzung folgt.) Predigteutw ürfe. 8. ''SVAI moa 'va ausgeführt am 16. Juli 1836. Gebet und Einleitung: Klagelieder 3, 31. 32. — Alles Glück des Einzelnen muß schweigen vor dem allgemeinen Mißgeschick. Text: Kohelech 7, 2. Thema: Die Wirkung des Trauertages auf den Menschen: 1) für die Vergangenheit, denn er erweckt ein erhabenes Bild des Untergegangenen in unserer Erinnerung, aller Flecken und Schwachen ledig — denn die Trauer heiligt den. Betrauerten; 2) für die Gegenwart (üisr.i — Tceta), denn die Trauer erhebt, löst den Rausch der Sinnlichkeit auf, macht demüthig, sucht die Blößen der Seele auf — denn die Trauer heiligt den Trauernden; 3) für die Zukunft (122 — Vtfn), Trauer ist nicht *) Gau; nach dem Trete «-gedruckt, der in dieser Stelle keinen ganz «arm Sin» siebt. d. Rer.

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