Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 1 (1837)
- Issue
- Heft 38 (22.7.1837)
- Date
- 1837-07-22
- Page
- Seite 151 (sequence 3)
- Language
- German
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151 Arama aber küßte die Pergamentrolle an der Thürpfoste, und ohne wieder zurückzusehen, war er schnell zur Thür hinaus. Mönche und Soldaten folgten ihm und nahmen ihnin ihre Mitte. Dinah lag betend auf den Knieen, die Kinder neben ihr weinend und schluchzend. Der erste Abend des Osterfestes war vorüber. Die Ketten raffeln, armes Volk! Und es erstand in Israel kein Prophet mehr, dem Mose gleich. 18. Schreckliche Nacht für die unglückliche Dinah, schrecklicher noch als die, in der ihr der Tod den Vater enttiß. Der war heimgegangen in die Gefilde des Friedms, und hatte die Erde als freier Mann verlassen, — sie stand damals allein, aber die Barmherzigkeit ihrer Nation ließ Hülfe und Rettung 'erwarten. Aber heute hatte man den väterlichen Freund vor ihren Augen in ein finsteres Gericht geführt, von wannen selten Jemand zurückkehtte, vom friedlichen Festmahl, aus den Armen der lieblichen Enkel, deren Schicksal ihr mit Bleischwere auf dem Herzen lag. Und ihr eigenes Innere! es war verändert, die Macht des väterlichen Glaubens war erschüttert durch das Wort eines Mannes, der zu dem Volke gehörte, welches das Unheil über ihre Nation herabschüttete, — die Gewalt der ersten Liebe bewegte den Sttom. ihres Lebens, der bis jetzt ruhig und lieblich nur vom Zephirhauche häuslichen Friedens bewegt worden war. Und doch war es das Bild dieses Mannes, das in dieser Nacht mir dem Heiligenschein der Erlösung ihrer geängsteten- Seele zustrahlte, von dem sie Rath, Trost und Rettung des unschuldigen Arama ermattete. Sie ttat auf den Söller, durch die finstere Nacht sah sie auf die Sttaßen, deren Stille nur durch das Plätschern der Wellen des Darco und dm Ruf der Wachm unterbrochm wurde. Gegmüber lag das Kloster, dunkel und emst, wie das Grab.- Nun bricht der Morgen an, die Königin des Tages erhebt sich von dm Alpuxares, auf die schneebedecktm Häupter der Sierra Nevada fallm die ersten Sttahlen. Wie lange weilst du, Freund meiner Seele, Stem der Hoffnung? Und als das Gewühl immer lebhafter wurde, als sie sich noch immer allein befindet, das zagende Gemüth von Entschluß zu Entschluß schwanktt, als die ausgeschickte Dumna keine Kunde vom Vater bringet, und in dem Vorsale die des Arztes harrenden Leidmdm vergebms abgewiesm werden, als die erwachtm Kinder weinmd nach dem Großvater ftagm und ob ihn der schwarze Teufel vom Kloster noch nicht wiedergebracht hätte, da faßte sie die Kleinm an die Hand und. richttte das thränmvolle Auge nach obm. Doch dott nahet sich eines Freundes Gestalt, e& ist Jehudah Abarbanel, der mit hastigem Schritt durch die Straßen eilet und geisterbleich in's Zimmer tritt. »Wo ist Arama, Dinah?« ist die erste Frage. Dinah wirst sich weinend um seinen Hals, sie erzählt ihm das Geschehme, sie feuert ihn zur unverzüglichm Hülfe an, sie fleht um das Aufbietm aller seiner Geisteskräfte, um den biedern Arama zu retten. Jehudah steht starr wie am Bodm geheftet, seine Augen rollen wild, sein Gesicht glüht von edlem Zorn, er ballt die Faust und knirscht mit dm Zähnen, — so hatte den sanstm Jüngling noch Niemand gesehm. »Ha! ich ahne etwas Fürchterliches!« ruft er, »Arama gestern Abend abgeführt, Alonzo heute Nacht von Kerkerdienem ausgesucht und verschwunden! Rache über Euch, schwarze Mönchsbrut!« Dinah schrie laut auf, der Wahnsinn schien mit seinm schwarzen Schattm sich über sie zu werfen, sie rang die Hände und rief: »Alonzo, mein Alonzo! ein wildes Thier hat meinen Alonzo zerrissm!« Jehudah hielt sie bebend zurück, er umfaßte sie mit seinm Armm. »Dinah, meine Dinah, Dein Alonzo?« und mit Wehmuth zum Himmel blickend sprach er: »Fahl? hin, Glück meines Lebms, Freudm meiner Jugmd! Jehudah Abarbanel, du stehst am Scheidewege, zurück kannst du nicht, wohlan! so willst du vorwärts schreiten. Mein Vater, ich bin Mann geworden!« Er hatte Dinah auf einen Sessel gesetzt, auf dessm Lehne sie ihrm schönm Kopf lehnte, mit verschlungenm -Armen stand er vor ihr und sah bitter lächelnd auf das Mädchen herab. Und in diesem Augenblicke ttat der Mönch, von Soldatm gefolgt, wieder ein, und forderte die Schlüssel vom Schrein, in welchem Arama's Ersparnisse lagen. Jehudah's Brust tobte vor Rachegefühl, dessen er mit aller Anstrengung Meister zu werdm suchte. Als aber der Mönch gegm die Bittm und Anftagen Dinah's taub blieb, als er mit schadenftoher Miene sich im Zimmer umsah und auf seiner Forderung behartte, ttat ihm Jehudah näher: »Wtt bis^du, Mönch? wer hat dich hierher gesendet?« »Wer ich bin, Knabe, das mögm dir die sagen,« erwiedette der Mönch kalt und gelassm auf die Soldatm zeigmd. »Hüte dich dm Dien« der Kirche zu beschimpfm, du würdest die Blitze des Donners auf dich httablockm, der über deinem Haupte, . Jude, schwebt. Jehudah Abarbanel, wir kennm dich! Euer stolzes Geschlecht wähnt, auf die Geldkastm pochmd, die Kirche verkaufen zu können, die Hände sollm Euch gelahmt werden.« Die Soldaten nahmm dm Mönch in ihre Mitte, Dinah übergab die Schlüssel, der Schrein des Arztes wurde geplündett. Hohnlachmd verließm sie das Haus. (Fortsetzung folgt.)