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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1837-07-22 · Heft 38 (22.7.1837) · p. Seite 150

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
1 (1837)
Issue
Heft 38 (22.7.1837)
Date
1837-07-22
Page
Seite 150 (sequence 2)
Language
German
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150 wähnen sollen; darum hatte er den Schmuck und einen silbemen Güttel aus dem Schreine hervorgesucht. Joseph saß auf Dinah's Knie, sie erklärte ihm die zierlich gemalten Bilder im Buche, — hier dm brennenden Dombusch, dort dm Untergang Pharao's; Sara aber schlummette wie ein schuldloser.Engel im Divan. Feiere, armes Volk, dein Fest der Freiheit, Re du am Nilus errängest. Dünket euch Könige, bedauerungswürdige Sklavm! Jahrtausende rolltm in den. Sttom der Zeitm, und ihr'habt das Gut schon längst verlorm, um das ihr heute Dankespsalmm singet. Hört ihr nicht das Raffeln der neuen Kettm, die euem wunden Gliedem angelegt werden sollm. Horcht, die Feuer knistem schon zum Opferlamme! »Es ist doch ein erhabmer Gedanke, meine Dinah,« be- > merkte jetzt Arama, »und besonders für mich, der ich die Welt gesehm, —. der Gedanke: heute sitzm wir, Israels Kinder, vom Ufer des Euphrat an, ja vielleicht in.Indiens reichem Lande, wohin die zehn Stämme verttieben wordm, bis zum Tejo, und dankm einem Gotte und feiern ein Fest, und Alle auf dieselbe Weise mit heiligen Gebräuchen.« ' »Aber auch mit denselben frommen Gesinnungen, wie Ihr, guter Vater?« Arama zuckte die Achseln. »Vielleicht nicht alle, meine Dinah, aber doch viele noch inbrünstiger. Ach, das heutige Fest war oft schon ein Thränenfest, wir an demselbenbei dieser häuslichen Farmlienfteude, der schauderhaftesten Verbrechm beschuldigt, die keines Israeliten Gedankm fassen, viel weniger seine Hände verübm können. An diesem Tage der Befteiung erschien der Tod schon oft als libertsäor, aber nicht auf dem ruhigen Bette, auf dem prasselnden Scheiterhaufen, von der Hand des Henkers oder führte durch das rothe Meer eines schrecklichen Blutbades zum Lande der Verheißung.« Jetzt unterhielt er Dinah mit der Erzählung ftüherer Schicksale, da rauschte es plötzlich im Dorsale, die Thür öffnete sich langsam und herein ttaten spanische Soldaten, an ihrer Spitze drei Geistliche. Arama stand auf, bebend wie Espenlaub, sein Gesicht wurde todtenbleich; Dinah blickte wie erstarrt auf die Gruppe. »Jude Arama, Ihr folget mir!« rief der eine der Geistlichen, der Mönch vom vorigen Abend, — »im Namen der heiligm Inquisition!« »Ich bitte, liebe Leute, ein Jrtthum, gewiß ein Jrtthum,« stammelte der Alte, — »ich bin der wohlbekannte Atzt Rabbi David Arama, seit 20 Jahren hier die Kunst ausübend, — Juden, Christen, Mohamedanern helfend, — ein gewaltiger Jrtthum, liebe Leute! Was will die heilige Inquisition von mir? ich bin ein Jude, ja ich bin ein Jude,.— ein Jude, liebe Leute — ich feiere das Passah — hier sind die Opferkuchen, das ist meine Pflegetochter, das sind meine Kinder! wir sind alle Juden, nicht getauft, wir sind keine Marannos, wir können keine angenommene Religion überschritten haben: Ein großer Jrtthum, liebe Leute!« Die Mönche erhobenen teuflisches Gelächter. »Im Namen der 'heiligen Inquisition, zögert nicht, Eure Schuld wird Euch an einem andern Otte genannt werden, jetzt endet Eure heidnischen Gebräuche und folget!« Dinah ttat vor, mit aller ihr angebomm Würde ttat sie vor die Mönche. »Würdige Pattes, störet nicht den Ftteden des'Frommen, nicht die Ruhe des Greises. Er ist unschuldig jedes Verbrechens, wie die Sonne so rein sein Wandel, vom frühen Morgen bis zum späten Abend erfüllt er das Werk des Tages.« »Wir haben über "seine Schuld und Unschuld nicht zu richten, schönes Mädchen!« meinte der Eine, »wir gehorchen den Obem.«. Die kleine Sara war erwacht und schrie laut auf beim Anblick der ftemden'Gesichter. Joseph klammette sich um die Kniee des alten Vaters. »Ich lasse Euch nicht mit jenen Männern gehen,« rief er laut, »das ist der häßliche Mönch 'vom Kloster da drüben, der Teufel, der die Kinder einholt, wenn sie nicht gehorchen.« Dem Mönche mochte der Ehrentitel nicht gefallen. »Judenbrut!« grinste er. Dinah aber warf sich ihm zu Füßen. »Nehmer mich zur Gefangenen, liebe Leute, die.Verantwortung tteffe mein Haupt. Er ist der Großvater verwaiseter Kinder. Bei allem Heiligen, ich will für ihn stehen!« Arama ttat jetzt gefaßter hervor. »Dinah, du bleibest, die Kinder erheischen deine Pflege, nimm sie und bewahre sie, die köstlichen Kleinode meines Lebens. Ich gehe, der Hett bei mir, nichts fürchte ich! cs ist ein schwerer Gang, Dinah, doch „er fühtt mein Recht wie ein Licht hervor." — Nur noch eine kurze Zeit) ich folge gleich!« Er ttat zum Tische, sprach den Segensspruch und ttank den Wein, er brach das Brot und theilte seinen Kindern davon mit, und sich gegen Morgen wendend und sich verneigmd bettte er: »Der Hem hüte dein Kommm und deinen Ausgang!« Darauf legte er seine Hand auf Dinah und Sara mit den Wotten: »Der Herr segne euch und bchüte euch, und schenke euch Ftteden,« und auf Joseph: »Der Engel, der mich aus allem Hebel erlöset, segne den Knabm, daß meiner Vater Name mit ihm genannt werde!« Der Mönch'stand bei diesen Wotten wie' versteinert da, ein krampfhaftes Zucken aller seiner Gesichtsmuskeln vertteth dm innem Affect, den die hebräischen Worte btt ihm erregten.

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