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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1837-07-22 · Heft 38 (22.7.1837) · p. Seite 152

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
1 (1837)
Issue
Heft 38 (22.7.1837)
Date
1837-07-22
Page
Seite 152 (sequence 4)
Language
German
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153 Sftetatnt« [& u n fL] Unter den neuerdings berühmt gewordenen israelitischen Virtuosen bemerken wir den Pianisten Rosenhain und den Violinisten Eliasson, welche in den großen Eoncerten im Opernhanse zu London Lorbeeren pflücken, ferner die Brüder Jacob und Joseph Franco Mend es (ein Name von gutem Klange aus dem alten Meassef!), jener Schellist, dieser Violinist der köm'gl. Kapelle in Amsterdam, welche beide von der niederländischen musikalischen Gesellschaft Preise erhielten. (Dem Verfasser des Buches »Göthe und seine Widersacher« möchten wir nachgerade arrratherr, zu den von 'ihm genannten drei ausschließlichen Feldern des Strebens der jetzigen Juden, nämlich: Börse, polnische Schenke und Trödelmarkt*)', doch mindestens noch eines hinzuzufügen: das Orchester 1 Magd eburg. Gegenwärtig ist hier eine kleine Aahl Gobelin-Tableaur aufgestellt, die, ein Geschenk Ludwig XVI. an den Papst Pius VI., früher jährlich in der Peterskirche ausgestellt, im französischen Revoluttonskriege in Privathände kamen, und auch in Leipzig und Berlin zu /ehen waren. Ihre Aahl ist sechs, ihr Werth unschätzbar. Sie behandeln folgende alttestamenrarische Gegenstände: Susanne vor den Richtern, Joseph gibt sich seinen Brüdern zu erkennen, Jakob vor Laban und seinen Töchtern, Salamo's Urtheil, Esther vor Ahasverus, Tobias erhält sein Gesicht wieder. Die vorzüglichsten sind: Susanne (25 Fig.), Joseph (12 Figuren), und Salomo (18 Figuren). Die Frische der Farben, das rege Leben in den Figuren, der seelcnvolle Ausdruck in den Gesichtern zeichnen diese Tableaur aus, und erheben sie zu einem Kunstrange, der, abgesehen von der Schwierigkeit des Materials, sie mit Oelgemälden erster Kläffe wetteifern läßt. — Wohin der Besitzer sich auch von hier aus wendet, wir machen im Voraus darauf aufmerksam, den Genuß ihres Anblicks nicht zu versäumen. Unter den neueren Malern' der holländischen Schule wird ein junger Israelit, I. Teireira de Mattos aus Amsterdam, ausgezeichnet. Correspondenzen, Auszüge, Repliken. (Aus Breslau.) Ich gebe mir die Ehre, Sie, Herr Redacreur, um die Insertion folgenden Artikels zu ersuchen, den wir in diesen Tagen.in der Schlesischen Aeitung (R. 145.) lasen: »Frankfurt am Main, vom 17. Juni. — Es ist in Deutschland fast allgemein die Sage verbreitet, daß Mendizabal jüdischen Glaubens oder doch jüdischen Ursprungs sei. Genauere Nachforschungen, welche in der letzten Seit deshalb von hier aus über Paris angestellt worden sind, haben die Grundlosigkeit dieser Annahme erwiesen, und zugleich daxgethan, das das Anekdötchen die Erfindung eines Pariser Witzboldes war, der den (anfangs bekanntlich fast abgöttisch verehrten) Erretter Spaniens zu einem aus Ju.da's Stamm entsprossenen Messias der *) Je krasser wiche Bebauvwugen fmt>, desto wAkonmmer, denn dann schlagen fie sich selbst. d. R. Spanier erhob. Daß karllstisch gesinnte Blätter alsbald den Scherz zum Ernst machten, und alle mögliche Consequenzen daran knüpften, war ganz in der Ordnung. So hat Spanien einen jüdischen Premierminister erhalten, obgleich die Juden seit mehr als drei Jahrhunderten (1492) gesetzlich und faetifch von Spanien ausgeschlossen sind.« (Das Erdbeben in Syrien.) Eine ausführliche Beschreibung dieses furchtbaren Naturereignisses hat ein Augenzeuge, Herr E. S. Calmaa in Beirut, vor Kurzem iu Form eines Briefes gegeben, dev in London erschienen ist, und dem wir folgende Details entlehnen. (Oreat Earthquake in Syria. In a Letter from E. 8. Calman. Das Erdbeben scheint in südöstlicher Richtung von Beirut, in den Distrikten Safat und Tabaria gewesen zu sein. Sein Gang war so unregelmäßig, daß von Ortschaften, die nur eine Schußweite aus einander lagen, die eine gänzlich zerstört wurde, während die andere unberührt blieb. An der Nordseite Tabarios sprudelten zahlreiche heiße O.uellen während des Erdbebens hervor, und Ströme heißen Mineralwassers schwellten den See gewaltig an. Jenseits des Jordan, im Distrikt Baschan-, drangen Feuersäulen aus dem Boden und erstiegen eine solche Höhe, daß Leute, die fie aus einer gewissen Entfernung nrederfallen sahen, der Meinung waren, das Feuer komme vom Himmel. Von der jüdischen Bevölkerung der Stadt Safat haben etwa vier Fünftheile — gegen 4000 Individuen — das Leben cingebüßr, und es war wenig Hoffnung vorhanden, daß nur ein Drittheil der Verwundeten (ungefähr 300) wieder genesen würde. Daß so außerordentlich viele Luden bei diesem Erdbeben umgekommen sind, mißt man ihren zweistöckigen Häusern bei, die ihnen jede Flucht unmöglich machten. Auch wurde eine große Anzahl Juden, die sich zum Abendgebet in der Synagoge versammelt hatten, von'dem einstürzenden Gebäude erschlagen, ohne daß ein Einziger sein Leben retten konnte. Die Scenrn des Elends, welche der Verfasser uns vorführr, find schaudererregend:' »Eine ganze Familie wurde ausgegraben, nachdem sie 9 Tage, und ein einzelnes Individuum, nachdem es 11 Tage verschüttet gewesen. Diese Unglücklichen öffneten ihre Augen nur, um nur noch einen Blick auf die verödete Stadt, oder aus ihre wenigen überlebenden Angehörigen zu werfen, und schlössen fie dann für immer. Rabbi C h a j i m, ein jüdischer Arzt in Tabaria, der beinahe zum Krüppel geworden, erzählte, wie entsetzlich in den beiden ersten Tagen sein Instand gewesen. Sein Weib und seine Kinder lagen dicht vor ihm todt unter den Ruinen, und er selbst war dis an. die Arme in Schutt und Steinen vergraben. In dieser Lage blieb er'volle 48 Stunden.« — »Eine reiche jüdische Familie, die in dem nieder» Stadttheil wohnte, war bei. dem Einsturz ihres Hauses ganz erschlagen worden, bis auf ein junges Frauenzimmer, das während des Erdbebens in einem als Garderobe dienenden Gemache des Erdgeschosses sich befand. Dieses Gemach blieb unversehrt. Rach 24tägiger -Arbeit war der Schutt weggeräumt, und man fand beim Eintttteu die Leiche des Mädchens in Sterbekleidern, die sie während der Zeit ihrer Einschließung, an aller Rettung verzweifelnd, für sich gefertigt haben mußte. Sie hatte sich mit heiligen Schriften aller Art umgeben, und eine große Oellampe brannte zu ihren Häupten.« Die größte Erplosion des Erdbebens hat, wie cs scheint, am 1. Januar stattgefunden, aber den ganzen Monat hindurch dauerten die Erdstöße fort. Fast alle Bewohner der benachbatten Gegenden verließen aus Furcht ihre Wohnungen, und' suchten in Felsenhöhlen vor dem Verderben Schutz. Antworten. 12) S. in Wien wird um baldige Ausführung seines Berichtes ersucht. Mit dem Poetischen kann es nur langsam gehen. 13) C. in Paris war sehr willkommen, und wird bald Antwort erhallen. 14) W?s in Markt breit Wunsch wirb erfüllt. 15) M. in Gutentag, werde schwerlich Zeit haben. 16) Herrn S. in Röbel meinen verbindlichsten Dank für seine Bemühung. Redaeteur: vr. «. Philippson. — Verlag von Baumgartners Buchhandlung. — Druck von W. Haack.

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