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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1837-07-18 · Heft 35 (18.7.1837) · p. Seite 140

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
1 (1837)
Issue
Heft 35 (18.7.1837)
Date
1837-07-18
Page
Seite 140 (sequence 4)
Language
German
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140 Gelehrte und ausgezeichnete Staatsdimer gefunden. Da, wo sie zurückgeblieben sind, wo sie tückisch, eigmsinnig und habsüchtig. gewordm sind, warm großmtheils die Regierungm selbst daran schuld. Ich gehe noch weiter und finde die Ansicht, die ich vorhin getadelt habe, auch unpatriotisch, zunächst deswegm, weil dadurch der Ruhm unsers Vaterlands verdunkelt wird. Gewiß' ist bisher in Sachsm für die Juden sehr wenig geschehm; ich erinnere nur noch an dm Leibzoll, dm sie noch vor wmigm Jahren entrichten mußten. Das Zuwenig ist aber ebm so tadelnswerth, als das Zuviel. Ich halte aber auch diese Ansicht für unpatriotisch, weil sie dm weism und menschenfreundlichen Entwürfen unserer landesväterlichen Regierung mkgegmtritt. Es ist, wie das hohe Decret beweist, und jeder Unbefangme sich davon üb«H engen muß, nicht die Rede von kühnm Versuchm und Nmerungm, sondem nur von dem, was die Bildung der Zeit, die Weisheit, die Gerechtigkeit, die Humanität fordert. Endlich muß ich auch jme Ansichtm und Wünsche tadeln, weil ich glaube, daß sie mit der sittlichen Ordnung der Dinge im offmbarm Widerspruche stehen, namentlich in Beziehung auf eine Bemerkung: die Judm standm noch nicht auf dem hohm Standpunkte der Sittlichkeit und Religiosität, um für die bürgerliche Freiheit empfänglich zu sei». Wmn man aber der Meinung ist, der Mensch müsse erst innerlich frei und ed.el fein, ehe man chm die äußere Freiheit des Rechts gewährm könne; so heißt das etwa so viel, als Niemanden in dm Strom führm, ehe er mit Sicherheit zu schwimmm vermöge. Es ist gerade umgekehrt, aus der äußern Freiheit bildet sich die innere. Ein Volk, welches immer unter Mißhandlung, Schmach und Druck gelebt hat, muß eigmsinnig, störrig und an die gemeinstm Interessen des Lebms gebundm bleibm; es kann sich in ihm keine edlere Kraft, kein höheres. Talent ftei und' vhllstandig ausbilden. Wenn wir also bis dahin die Sache aussetzm wollm, bis sich die Israeliten in Wort und That zur christlichm Idealität erhobm habm werdm; so wäre das ebm so viel, als sie bis auf die jüdischm Weihnachten vertagm zu wollen. Aus diesm Ansichten fühle ich mich veranlaßt, dm Wunsch auszusprechm, daß auf sämmtliche Petitionen, insofern sie. eine Hemmung oder Vemichtung der weism landesväterlichm Absicht der hohm Regierung bezweckm, nicht eingegangm werde.« (Fortsetzung folgt.) .Correspondenzen, Auszüge, Repliken. (Aus Wien.) Ich berichte Ihnen heute über Las jüdisch, Schulwesen in Ungarn, mit Borbehalt einer spätem,, uoc> Liefern Darstellung. Obwohl die größeren Städte im östreichischm Kaiserstaate, wie Wien, Pest, Presburg *), mit dem schönsten Beispiele vorangingen, so will doch in den kleineren Städten Ungarns der Same der Cultur und Jugendbilduug noch nichtaufgehen und Früchte tragen. Za, wir machten sogar die traurige Erfahrung, daß an manchen Orten, wo ourch den regen Eifer einiger hellsehenden, mit dem Zeitz eiste vertrauten Männer schon eine gute, wohlorganisirte Schule zu Stande gekommen war, sie nach einigm Cursen, bekämpft von den Gladiatoren der Orthodoxie, wieder in ihr voriges Nichts oder Chaos zusammenfinken mußte. Der Grund hiervon liegt am wenigsten in Ermangelung der zu solchen Anstalten erforderlichen Mittel, als in der unbiegsamen, hartnäckigen Orthodoxie der unwissenden Eltern, im arroganten,. grundlosen und für jedes Zeitgemäße unempfänglichen Egoismus mancher Rabbinen, welche alten Jargon mit unerschütterlicher Halsstarrigkeit festhaltm und jedem zeitgemäßm Einschritt zur Raffinirung des Unterrichts mit Dullen und Bannflüchen entgegentreten, und als Verletzung der heiligen' Religion verketzern **), wie endlich in der — dem Judeuthume schon so oft und vielfach verderblich gewesenen Zwiettacht und Uneinigkeit der Gemeinde-Mitglieder unter einander, daß, ausblos persönlichem Standpunkte und persönlicher Neigung oder Abneigung, die doch bei einer so wichtigen und heiligen Sache, wie das Wohl der kommenden Generation ist, nicht berücksichtigt werden sollte, der Eine lobt, was der Andere tadelt, der Eine heilig spricht, was der Andere verketzert. Wahrlich, das Judenthum ist alt genug, und an bittern Erfahrungen reich genug, um endlich die gewaltsam verbundenen Augen von ihrer Binde zu befteien, und diesem kindischen, auf sich selbst nur verheerend zurückwirkendru Zwiespatt zu entsagen! Rur Einttacht und friedlich festes Aneinanderhalten kann den Keim des. Edeln und Guten unter Israel zu herrlichem Gedeihen bringen, und Cultur, Geifiesentwickelüng und Volksthum begründen! Mag dann auch immerhin von Außen keine Hülfe und Unterstützung geboten werden, so besitzt Israel noch immer Hülfsmittel in sich. (Aus Frankfurt an der Oder.) Wir besitzen seit einiger Zeit in der Person des Herrn Samuel Holdheim einen Rabbiner, der im schönsten Sinne des Wortes seine Stelle ganz ausfüllt und von dem heiligsten Eifer durchdrungen ist. Seine Vorträge, deren schon mehrere veröffentlicht worden, bezwecken die praktische Verbesserungunserer Verhältnisse eben so sehr, wie die Hebung des religiösen Geistes. Allerdings ist seine Stellung sehr wichtig; an der Grenze Deutschlands und Poleris müssen seine Worte, wie sein Beispiel von tiefer Einwirkung arss das Letztere sein, und wird in dieser Beziehung seinem Stteben doppelter Segen entsprießen. Unsere Gemeindeschule liegt noch immer im Argen — die Ursachen mag ich jetzt noch nicht berühren. Vergebens drang Herr Rabbiner Holdheim auf die Anstellung eines Religionslehrers für dieselbe. Da übernahm er seit Peffach den Unterricht selbst, und hat ihn mit 36 Schülers, schon jetzt mit dem besten-Erfolge, eingeleitet. Wenn Männer seines Amtes und seiner Kenntnipe sich so mit heiligem Eifer dem Bessern hingeben, muß die Wirkung nach innen wie nach äüßen herrlich sein, und 'wünsche ich nur, daß dem Braven eine volle Anerkennung dafür werde. *) Wir erinnern hier an die treffliche K. hebräisch-deutsche Prtmar- Hauptschule in Presburg, der im Jahre 1834 ei» christlicher Theolog, »ach dem Besuche derselbe«, eine herrliche Schrift „Winke und wohlmeinende Rachschläge ftir israelitische Schulen" widmete, von der eine Neoenfton im Israel. Pred. and Schul-Magazin, Jahrg.1. S.rc».. gegeben ist. —) Daß «ur von man che» Rabbinen die Rede sein kann, beweist das Beispiel des trefflich«» Chorim zu Arad, der nach so hartenKämpftv im Wesentlichen durchgedrungen ist. d. Red. l Redakteur: vr. L. Philippsou. — Verlag von Baumgartners Buchhandlung. — Druck von W. Haack.

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