Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 1 (1837)
- Issue
- Heft 35 (18.7.1837)
- Date
- 1837-07-18
- Page
- Seite 138 (sequence 2)
- Language
- German
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138 beiten rastlos, denn beim Arbeiten kommt es ihnen vor, als ob der -Riß zur Spalte werde, und die getrennten Theile immer naher rückten, und sie schreien aus vollem Halse: Nehmet ,euch wahr, eme Finger werden zerquetscht! Und du nun, Genius der Mmschheit, ist es wahr, was den Angstschweiß auf die ©trat derer, die da arbeiten, den großm Riß im - Menschengeschlechte zu vergrößern, treibt? Nahem sich die getrennten Theile, und haben' wie Aussicht auf ihre Vereinigung? Pax vobis in patientia! Friede in der Geduld! Zn tausmd Jahren rückt die Vtzelt ein Stembild fort, und aus dem Sternbilde des gehörnten Widders ist sie schon längst. Und siehst du? Andere stehen hinter der Menschheit, und treiben sie an, sich zu nähem und zu vereinigen. Der Eine schmeichelt, der Andere drängt, der Dritte schwingt die Geißel. Es sind ihrer zwar wmiger, als jener-, dafür aber sind es mächtige Menschen, Menschen mit Geistern, die, wenn sie sich erhebm, wie der olympische Zeus, den Boden des Himmels einstoßm, und tief hineinfahren in den Himmel; jme aber sind Pygmäen, deren hundert auf Einen gehen. — Tröstet dich aber dies auch nicht, so - wisse, die Mmschheit geht ihrm Weg ungehindert fort, ihr Ziel aber ist nicht, sich an den schmutzigen Boden niederzuwerfen und in dm Koch des Eigmnutzes zu begrabm, — denn auch der Schmutz ist Natur, und mit der Natur könnt ihr euch gar nicht vertheidigen. Die Natur hat Molche und Schierling geschaffen, aber der Mmsch hat nicht die Pflicht, sie sich zu Zeigen zu machen. Die Verhandlungm der zweitm sächsischen Kammer sind vollendet. Sie sind bei weitem günstiger ausgefallm, als es nach dm Berichten in dm Zeitungen scheint. Der untm folgmde Bericht giebt gmaum Ausschluß. Diesmal haben doch die Männer, die hinter der Mmschheit stehm und an- , treiben, geholfen. Denn da selbst die Deputation der zweitm Kammer die Annahme der von der erstm ammdictm Befchränkungm anempfahl, so müssen wir dm günstigen Erfolg nur der großartigm Anstrmgung eines v. Thielau und v. Maier zuschreibm, und müssm der Kammer höchst dankbar sein, daß sie sich so schön von diesm bestimmm ließ. Es war ein harter Kampf, aber der .Veteran freut sich seiner Narben. In dm nächsten Blättem ein Mehreres, hier nur im Voraus die Worte unsers Berichterstatters: »Man kann die Berathung gewissermaßm als Gegensatz der Verhandlung der Istm Kammer ansehm, wie dort nur die Schattmseite des Judmthums berührt worden war, so feierte bei dieser Discussion die israelitische Religion und Moral ihrm schönsten Triumph; kein Gegner wagte sich zu erhebm!« — und seine Schlußworte: »So schloß eine Verhandlung, die, wenn auch nicht materiell, doch moralisch dm Judm in ganz Deutschland bedeutenden Nutzen verschaffm wird. Ueber die religiösen und bürgerlichen Verhältnisse der israelitischen Gemeinde Dresde«. Zweiter Artikel. (Die neuesten Verhandlungen in der Isten und 2ten Kammer der sächs. Srändeversammlung.) Vermittelst König!. Decrets vom 25. Febr. 1837 gelangte zur erstm Kammer ein Gesetzentwurf, einige Modificationen in den bürgerlichen Verhältnissen der hierländischen Juden enthaltend-, in 8 Paragraphen. — Die hohe Staatsregierung ' hatte, nachdem sie im Decrete vom 13. Nov. 1836 erklärt hatte, »noch nicht die gehörigen Unterlagm zu habm, um bestimmm zu könnm, ob und welche veränderte Gesetzgebung in dieser Beziehung angemessm sei,« dmnoch in Folge der von der israelit. Gemeinde bei Sr. Majestät unmittelbar eingereichtm Vorstellung und des, von der 1. Kammer in der Sitzung vom 16. Jan. d. I., erfolgtm Arttrags (s. Zeit. d. Judeathums Nr. 4.) zur Vorlegung des neugedachten Gesetzentwurfs sich entschlossen. Die Kürze, der Zeit, welche auf dessm Entwerfung verwmdet werdm konnte, verhindette aber allerdings ihn auf einer breiterm, dem Anttage der vorigm Ständeversammlung und dem Zwecke einer Erhebung und Veredelung der Judm mehr entsprechmdm Basis rühm zu laffm; demzufolge mußtm auch die beigefügtm Motive im Sinne eines Prinzips, das eigentlich nicht die Emancipation (über derm Angemessmheit ja die Prüfung noch nicht bemdigt war) sondem blos einige Erweiterungm im Gewerbsbettiebe beabsichtigte, ausfallen. — Von der Humanität des hohm Staatsministerii, besonders der bei diesem Gegmstande thätigm Hewm von Lindenau und Nostiz-Jänkendorf ist man überzeugt, durch jme Motive die Judm und das Judmthum nicht gerade im nachtheiligm Lichte haben, darstellm zu wollm, um so wmiger kann dies der Fall sein, da doch der Entwurf (bereits mehrerer»«! in diesm Blättem erwähnt) im Grunde — fast ganz im Widerspruch mit dm Motiven — die Judm zu allen bürgerlichm Gewerbm (mit Ausnahme der Apotheken und Schankwitthschaft) zuläßt; nichtsdestoweniger hatte diese Motivirung die Folge, die Gegner aller und jeder Verbesserung der Judm noch kühner zu machm, ja ihrm Diatribm und Traktätchm sogar- Eingang bei einem Thelle der früher so liberal gesinntm 1. Kammer zu verschaffm. Die 1. Deputation der 1. Kammer (Mitglieder: Se. Köngl, Hoh. Prinz Johann, v. Cärlowitz, Domherr Di-. Günther, Bürgermeister Wehner und Bürgermeister