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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1837-07-18 · Heft 35 (18.7.1837) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
1 (1837)
Issue
Heft 35 (18.7.1837)
Date
1837-07-18
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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I. Jahrgang. üif C§ e tu ei e No. 35. Zeitung des Iudenthmns. Ein unparthettsches Organ Kr alles jüdische Interesse. (Mit Königl. Sächsischer allergnädizfrer Conccsswu.) Leipzig, den 18. Juli 1837. Wir können das Publikum benachrichtigen, daß wir so eben bestimmte Verpflichtungen mit rühmlichst bekannten Männern in Paris, Brüssel und London eingegangen, die uns in den Stand setzen werden, die detaillirtestm Nachrichten und Berichte aus dm genannten Weltstädten zu erhalten. Die ZLedactipn. Politik. Zeitungsnachrichten. London, 25. Juni (Privatmittheilung). Am Sonntag, den 11. Juni (Issru-chag Schebuoth) fand hier das gewöhnliche public dinner des jüdischen Hospitiums' bkevob- Zedek unter Vorsitz des Oberrabbiners Di:. Herschel (fetött. Unter den Stewards befanden sich die Herren Dan. O'Connell und Joseph Hume. — Am 24. wurde der durchseine Mildrhätigkeit ausgezeichnete israelitische Kaufmann Moses Montefiore von der Londoner Bürgerschaft aus ihrer Mitte für das nächste Jahr zum Sherif von London und Middlesex erwählt. Es ist dies also der zweite jüdische Sherif, den sich die City in einem Zeitraum von 2 Jahren gegeben, ei» hiulänglic^r Beweis, daß sie mit der ersten Wahl sehr'zufrieden war; und zwar beides sehr religiöse Männer, die sich durchaus nicht geniren, z. B. am Sonnabend zu Fuß in die Sitzung zu kommen. Ueberhaupt sind die englischen Juden eben so weit entfernt, ihre Religionsgebrauche um der äußern Annäherung willm zu verläugnen, als die englischen Christen es sind, dergleichen von ihnen zu erwarten oder zu verlangen. So z. B. halt die mechanies - iastitution in Manchester, eine sehr ausgedehnte Anstalt zur Beförderung allgemeiner Bildung unter den Handwerkern und'Fabrikarbeitern, gegenwärtig keine Sitzung am Sonnabend, weil ihr vor Kurzem erwählter Präsident, der Dr. Franklin, an diesem Tage nicht schreibt. Montefiore hat vor Jahren dem König der Belgier ein schr elegantes Dejeuner in seiner sehr kostbaren Lauberhütte gegeben. Ebenso'sind die bei den jüdischen Stiftungen vorkommenden öffentlichen Mahlzeiten nie anders als kaschar gekocht, und werden unter dem Vorsitze von Rabbinen mit den ebräisthen Gebeten sehr nachdrücklich und mit bedecktem Kopfe von der ganze» Gesellschaft eingeleitet und geschlossen, ohne daß es den zahlreich anwesenden sehr vornehmen Christen (Prinzen, Lords, Parlamentsmitgliedern u. s. w.), die auch zu diesen Anstalten beisteuern, einfallt, dies im Geringsten unbrittisch oder unaufgeklärt zu finden, und allmfalls mit achselzuckender Herablassung zu bemitleiden. Diese Erscheinung wurzelt aber lediglich darin, daß den fteieu Engländern ihre Freiheit nichts Neues, nichts Sauererworbenes, nichts von tausend Argwöhnen Belauettes, sondern der natürliche Zustand ist, den sie Andern eben so wmig mißgönnen, wie ein Gesunder dem andern sein Wohlbefinden. Paris, 22. Juni. Am 20. Juni ward Herr Anspach hier durch eine königliche Ordonnanz zum Substituten des königlichen Procureurs an der Cour - royale des Seine - Departements ernannt. So wurde auch vor einiger Zeit der bei der Polizeidirection, nachher bei dem Handelsministerium angesteltte Israelit, Herr Azevedo, zum maitre des requetes beim Staatsrathe befördert. Volrtlschr Gcmtrale. Durch die ganze Menschheit gehet die Entzweiung in Herr und Knecht. In allen Phasen, in allm Formen, in dmm die Menschheit bis jetzt gestanden, ging der große Riß mitten hindurch, mitten durch Herzen und Gefühle, durch Forderungen und Genüsse, mit einem Wotte, mitten durch das ganze arme irdische Leben,'der Riß, der die herrschende Parthei von der benachtheiligsten Patthei trennt. Es ist dies also eines von den Grundübeln, die der Mensch mitgebcacht aus dem Schooße der Natur. Es liegt also in der Natur des Menschen, daß er den andern sich unterchan machm, daß er den andern für sich arbeiten lasse, ihn aber nicht seiner Vottheile theilhaftig machen will; es liegt in der Natur des Menschen, daß er unverdient, schon durch die Geburt, Vorrang, Ehre und Stellung habm, aber seine» Nachbar davon zurückhatten will, — in der einen Hand wagt er die Gaben der Erde und hebt sie jubelnd in die Höhe, mit der andern stößt er seinen Hintermann höhnisch zurück, und schilt ihn begchrlich, daß er seinen Theil davon zu haben wünscht. Und da stecken denn Viele die Pfoten in dm Riß, und sirengm ihre Kräfte an, ihn noch weiter zu machm, sie ar-

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