Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 1 (1837)
- Issue
- Heft 34 (15.7.1837)
- Date
- 1837-07-15
- Page
- Seite 135 (sequence 3)
- Language
- German
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135 Gesetz durchdringen soll, sie ist der Abglanz, sie ist das Wesen der Gottheit, die Alles umfaßt. O, wenn du selbst mit eisernem Dolche einer starren Wirklichkeit mich aus süßen Träumen wecktest — das Erwachen wäre der Tod. Währmd dieser Worte hatte sich ihr Gesicht zu ihm hingewendet, es glich dem der Statuen, welche die großen Künstler des Altetthums von ihren erhabenen Gottheiten hinterlassen haben und in denen der lebendige Ausdruck des Geistes auf die todte Masse hingezaubett ist. In' dem Auge aber glänzte die höchste Zärtlichkeit, auf der Stirn thronte der Adel der Gesinnung, der Mund lächelte wehmüthig und doch zum Entzücken süß, in allen Zügen verrieth sich eine -liebevolle Austnerksamkeit, noch nie gehörte Töne zu vernehmen, Töne aus einer andem Welt, die die Seele forttissen zum Höchsten und doch wieder zum Geliebten zogen. Der ganze Zauber der Gestalt hatte etwas Äetherifches. »Alonzo! Alonzo!« rief sie aus der geängsteten Brust und stürzte in die Arme des Geliebten, aber dieser Ruf klang mehr wie eine Warnungssiimme als wie die Stimme der Ergebung. Drüben im 'Kloster ettönte das benedicta alma mater im harmonischen Chor, über den Zinnen glanzte der Abendstern. In demselben Augenblicke hotte man das verwinte Geschrei mehrerer Stimmen vor der Hausthür, diese fiel krachend zu, daß das alte Gebäude erschütterte und in dem Zimmer ein Gemälde von der Wand fiel — es war das Gemälde Nissa's, Dinah's Vater. Sie ttß sich aus den Armen Alonzo's, sie stürzte auf das Bild und fiel erschöpft mit ihm auf den Divan. Jetzt ttat keuchend Arama ein, hinter ihm die Duenna mit Licht. »Aluba med intha deassja podagris!«*) rief er wüthcnd aus, »seit die verfluchten Spanier in Granada sind, hat alle Ordnung aufgehört!« — Jetzt bemerkte er den königlichen Hauptmann und schien verlegen über den Ausruf »Ah, sieh da unfern Freund Don Alonzo — verzeihet dem Ausbruche meines Unmuthes. Gegen den neuen Pöbel, den Ihr in die Stadt gezogen und der Hunger und Durst mit maurischem und jüdischem Blute stillen möchte, verhielt sich unser voriger arabischer — Gott verzeih' mir die Sünde! — wie Mischnah zur Gamara. Jener erklärt uns erst, was dieser gemeint. Mein Gott! Es sind nun 39 Jahre her, daß ich in Constantinopel die Türken und Seldschuken eincücken sah, da wurden doch wenigstens Männer wie ich, die das Heil bei sich fuhren, geschont. Ich will da einen achtzigjährigen, vornehmen kranken Mauren besuchen, dem man vor vierzehn Tagen Wasser auf den Kopf gegossen, und der immer sehr refpectabel sich gegen mich aufführte, *) Verflucht die Provinz, deren Meister das Podagra hat! \ kommt mir der Dimer eines' kastilischm Markest mrgegea und befiehlt ttotzig, ich solle dm Augmblick zu seinem Herrn kommm, er läge schon seit einer Stunde im Fieber. Ich verttöste ihn bis zu meiner Zurückkunft vom sterbendm Mauren zu watten, der Kerl wird wüthmd, ein junger spanischer Doctor, der vielleicht erst vor 14 Tagen den Schlußstein zu seiner'Weisheit in Sevilla legte und deren zu unserm Leidwesen jetzt Schaaren nach Granada kommm, bietet sich dem Dimer an. Unterdeß hat sich ein Haufe Volks versammelt und verfolgt mich mit Steinwürfen und Schimpftedm bis zum Hause.« Noch .immer hötte man das Toben vor dem Hause, das sich erst nach und nach verlor. Erst' dann gewann der bestürzte Arama seine volle Besinnung wieder. Dinah nähett« sich ihm fteundlich, er beruhigte sie, doch die Eindrücke der letztm Stunde hattm ein Zittern aller ihrer Glieder erregt, sie stand blaß und einer Ohnmacht nahe neben dem Altm, ihre Hand auf seine Schulter stützend. Alonzo sah erschrocken auf sie hin, und auf sie z'ueilend rief er: »Ihr seid krank, Smnora, Arama helft!« Dieser stürzte aus dem Zimmer, kam schnell mit einem feinm krystallnm Fläsihchen voll kostbarm Oels, steckte es Alonzo in die Hand, eilte wieder hinaus, und mehrere Pulver zu reiben beginnmd, während Dinah, Alonzo's Unterstützung abwehrmd, sich in einen Sessel niederließ, machte er seinem Herzen Luft. »Arme Dinah, holde Tochter, ich bin gleich bei der Hand — die verfl— das unsinnige Volk! verdirbt mir meinen schönen Abmd, den ich heute so ttaulich mit meiner Dinah zubringm wollte. Doch es wird vorübergehen — es soll mir zur Warnung dimm! Don Alonzo, Ihr seid ein guter Christ oder vielmehr ein guter Mensch, aber ich versichere Euch, es geht Eurem Spanien noch wie Sodom und Gomorrha. Großer Gott! wir sollm gute Bürger sein und sie lassm uns keine bürgerliche Freude, wir sollen Eure Könige wie Kinder liebm und sie sind uns hatte Stiefväter, wir sollm uns brüderlich anschließcn und Ihr hetzt uns wie das Wild des Waldes, und wollet Liebe erntm, wo Ihr Haß säet. Mah nomar, mah nedabehr?*) Liebe Dinah, diesen Trank nimm und cs wird dir besser werden.« (Fortsetzung folgt.) Correspondenzen, Auszüge, Repliken. (Die Einweih'ung der neuen Synagoge in Prag, aus dem Morgenblart.) Die Judcngemeinde hat auch hier nach dem Beispiel Wiens eine Synagoge für den gereinigten Gottesdienst erbauen und sehr geschmackvoll im gothischcn Style de- *) Was sollen wir sagen, was sollen wir sprechen'(