Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 1 (1837)
- Issue
- Heft 34 (15.7.1837)
- Date
- 1837-07-15
- Page
- Seite 134 (sequence 2)
- Language
- German
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134 nur an sie, vergessen und zurückgelassen wurden alle rauschende Vergnügungen und selbst das Hermuschweiftu in der. herrliche» Umgegend; beide lebte» nur für sie, aber Jehudah hatte seinen ganzen jugendlichen Frohsinn nach dem Hause Arama's gerichtet und sprudelnder brach er in den Stunden, die er dort verweilte, hervor, wozu die geschäftige Thatigkeit und die witzige Unterhaltung Arama's, wenn er gerade gegenwärtig war, noch mehr Anlaß gab. Alonzo aber hatte sich auch bedeutend im Charakter geändett, der Strahl feines Lebens war »ach dem einem Brennpunkte, ferner Liebe, die immer madiger wurde, gerichtet, Schwermuth trat an die Stelle der Heiterkeit, eine Veränderung, die Dinah nicht auffiel, weil sie ihn nie anders gesehen hatte, und die Zehudah nicht bemerkte, weil ihm die Freundschaft seines Alonzo in jeder äußern Gestalt genügte. Aber auch Dinah fühlte ihr Herz lebhafter in der Nähe des Spaniers klopfen und nie empfundene Gefühle entkeimten ihrer Brust. Wiederholte dringende Aufträge seines Vaters hielten Jehudah eines Tages von ftinem Besuche ab , Alonzo begab sich zum ersten Male allein nach der Wohnung Arama's, der ungewöhnlich lange ausblieb. Mit. klopfendem Herzen stand Alonzo und mit sehnsüchtigem Auge sah er nach Dinah hin, die gedankenvoll an der Fensterbrüstung stand und auf die schwarzen Gestalten sah, die in der Dämmerung in die Pforte des gegenüberliegenden Benediktinerklosters schlüpften; ein Seufzer hob ihre Brust, überrascht sah sie den Jüngling hinter sich stehen. »So gedankenvoll, Sennora, und allein?« ftagte Alonzo, langsam sich ihr nähernd und sich neben sie stellend. Sie zeigte auf das Kloster, wo sich so eben ein großer Saal erhellte und wo die frommen Vater, um einen Tisch sitzmd, eine ernstliche Bauchung zrr-chrrlten schienen. Beide sahen schweigend eine Aeitlang hinüber. »Bei allem Unheil, das diese Verbindungm schon der WÄt brachten,« sagte Alonzo, »bewundere ich dennoch den Entschluß, der Welt zu entsagen und von ihr entfernt dem Heiligen allein zu leben. Es giebt Schicksale, die das Seil, das uns an das Irdische festhält, mit einem Male zerschneiden, wohl dem geängsteten Herzen, das dann im Höheren seine^ Ruhe findet.« Dinah schüttelte verneinend den Lockenkopf. »Ich kann Eurer Meinung nicht sein, Sennor, ich halte es für einen fügen Rückzug aus dem prüfenden Sweite der Welt. And selbst der Sünder, er mache in dieser Welt gut, was er ihr Böses gethan.« »Aber wmn alle. Wünsche erstorben, wmn wir das Schönstewas wir besaßen, verloren haben', wenn die Befriedigung des Ehrgeizes uns anekelt, wenn betrogene oder zerrissene Liebe uns den Anhaltpunkt an allen Freuden geraubt« —'— Der Mond trat aus den Wolken über dem grauen Benediktinerkloster hervor und beleuchtete das erblaßte Angesicht Dinah's. Alonzo sah Thränen in dm schönen Augen, er bemerkte das hörbare Klopfen ihres Herzens in dem hoch-" schlagenden Busen, — er ergriff ihre Hand und fühtte sie hastig an seine Lippen. Sie zog sie leise zurück. »Der Schmerz, muß bitter sein, Sennor, Ihr seid so jung, und solltet ihn schon kennen?« Sie sprach dies in einem wehmütigen Tone, mit zitternder Stimme, die bis zu den feinsten Fühlfaden seines Herzens drangen. »Dinah,« ries er feurig im Durchbruche aller feiner Empfindungen, »Dinah, ich kenne ihn nicht, o laß mich ihn nicht kennen und erfahren, kein Kloster würde meinen Gram verschließen, kein Priester meinen Schmer; stillen.« — Bei diesen -Worten zog er sie zu sich, umschlang sie mit seinem Arme und drückte sie an sein stürmisches Herz, und von der Allgewalt der Liebe ergriffen lehnte sie ihr Haupt auf seine Schulter, und die Thränen der Jüdin sielen auf das Ordenskreuz des spanischen Hauptmanns. »Mädchen meiner Seele, Heilige meines Daseins, deine Liebe sei der Stern meines-Lebens, Dinah, geliebte Dinah! Seit dem Abende, wo ich dich zuerst sah, ist keine Minute verflossen, die ich nicht mit dir lebte, Ruhm, Ehre, Tapferkeit, was sonst mich begeisterte, es sind die Wandelsterne, die sich um die Sonne meiner Liebe drehen, o rücke 'sie nicht aus ihren Bahnen, Dinah, geht die Sonne unter —- sie sinken in ihr Nichts zurück. ' Dinah machte sich sanft aus seinen Armen los. »Don. Alonzo, spanischer-Christ!« sagte sie in einem feierlichen Tone, von Schluchzen unterbrochen, das Gesicht abgewendet und mit dm Händen es bedeckend,— »Ihr liebt die Jüdin, die Blüthe meiner Jugend ist durch meine Liebe gebrochen —: für Euch ist's noch Zeit — das Kreuz des Glaubens steht zwischen uns.« ' »Glaube, meine Dinah, Glaubeist Seligkeit, und ein vergiftetes Leben ist keine Seligkeit, und dayn der Glaube ein todtes Wort. 'Laß fahrm, Angebetete, das todtc Wott, mir gehörst du an, der dich zuerst erkannte, der dein schönes Wesen zuerst erfaßte. Was unsere Ahnm vor^Ta'üsmden von Jahren bestimmten, was kalte Menschensatzungcn gabm, was kümmert cs die lebmdige Liebe? cs ist kein Gesetz für unser neues Leben, das geistige und fteiere unserer verschlungenen Seelen,, cs treibt die Blüthen unsers Glückes nicht, es ist der kalte, eisige Grabstein, der die Aschcnkrüge zerttümmerter Glückseligkeit bedeckt. Dinah, die Liebe steht höher als das Gesetz, dmn.sie ist das Lebm selbst, welches das