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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1837-07-15 · Heft 34 (15.7.1837) · p. Seite 136

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
1 (1837)
Issue
Heft 34 (15.7.1837)
Date
1837-07-15
Page
Seite 136 (sequence 4)
Language
German
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186 eociren lassen. Sie wurde am Namenstage des Kaisers mit dem ersten feierlichen Gottesdienste eröffnet; eine große Gesellschaft von Adeligen, Gelehrten und andern Personen der gebildeten Stände, unter ihnen.der Landeschef.und Commandirende, wohnten dieser Feierlichkeit der, welche durch ihren morgenländischen Character und pittoreske Unordnung ein sehr anziehendes Bild darstellte. Das Costüm ist theils so kleidsam, theils paßt es zu der orientalischen Physiognomie viel besser als unsere Kleidung, und wir begreifen nicht, warum die Zuden nicht vonunsrer französ. Mode zu demselben zurückkehren. Auch der Gesang ist vortrefflich und dem in vielen christlichen Kirchen vorzuziehen. Zur Abhaltung der Einführungsrede war Dr. Sachs aus Berlin hierher verschrieben worden, dessen Borttag schön und rein ist; auch enthielt die Rede über den Tert aus Davids Psalmen: »Sende dein Licht und deine Wahrheit, daß sie mich leiten und bringen zu deinem heiligen Berge uud zu deiner Wohnung!« viele schöne Stellen, wenn es ihr gleich an Einheit fehlte, und der Redner mitunter in' heftige Polemik gegen diejenigen ausbrach, welche sich der Einführung des neuen Gottesdienstes widersetzt hatten. Ein paar uralte Rabbiner, welche demselben wahrscheinlich nur ungern beiwohnten, saßen still und in sich gekehrt an der linken Seite in ihrem Betstühle, und das Kopfschütteln des Einen, eines ehrwürdigen Greises mit einem Patriarchenantlitz und Silberbart — war schier bei allen ähnlichen Stellen anzuschen. An der Seite der beiden Alten saß der Borbetcr, ein von Gesundheit strotzender junger Mensch, gleichsam neben der alten die neue Zeit repräsentirend. (Victor Lenz.) Der Hett Victor Lenz würde sich sehr verrechnet haben, wenn er mit seinem Aufsätze in den Blättern für liter. Unterhaltung »Emancipation der Presse,« eine lebhafte Opposition unsrerseits hätte Hervorrufen wollen. Es gibt nur einen Grad von Intoleranz, den zu bekämpfen wir uns berufen fühlen, es ist die Intoleranz, die aus einseitiger Auffassung, aus Vorurtheilen, von denen man noch nicht frei geworden» entspringt. Der aber, welche ihre Quelle in einem blinden Hasse hat, kann einzig und allein die Verachtung entgegengestellt werden.- Herr Victor Lenz bricht die Gelegenheit immer vom Zaune, wo er über die Juden das Anathema aussprechcn kann — warum sollte nicht auch eine »Allgemeine Zeitung des Judenthums« ihm ein Dorn im Auge sein'! Herr Victor Lenz hat gewiß, da Nichts ohne Ursache ist, seine gewine Ursache, die Juden zu hassen, und alle Bestrebungen derselben zu verdammen! — Das er nicht hochherzig genug ist, den Wetth der Vettheidiger eines beschränkten und ausgeschlossenen Theilcs dtt Menschheit zu fassen, den Werth von Männern, die sich und ihre Kräfte der Veredlung ihrer Stamm- und Glaubensgenossen gewidmet, die alle Aussichten, eine glänzende Karriere zu machen, von sich gewiesen, um in bedrängten Verhältnissen an dem Schicksale einer benachtheiligten Glaubensparthei The:! zu nehmen, zu schätzen, nun, alle Menschen können nicht Hochherzig sein, und-alle Richtungen mögen vertreten sein. Daß er ihnen aber das Wort mißgönnt, daß er sie unterdrücken will, daß er als prächtigstes Mittel, das Maul mit Gras und Sand zu stopfen und zu knebeln, anräth, das macht ihm doch wohl Ehre'.? —Unsere Leser sollen aber wissen, was er will.'Er meint allerdings, das Uebel läge in der bisherigen Beschränkung der Juden, man soll sie emancipiren, aber »das reellste Mittel sei doch die Intoleranz, und man soll alle ohne Ausnahmen zwingen, dem Judaismus zu entsagen und zu einer christlichen und heidnischen Confession überzutreten« — schön gesagt, delin da hat Hett Victor Lenz ganz gezeigt, was er meint, und solche Nudttäten lassen gleich die pestilentialische Leichenblässe schauen— »oder mit Sack und Pack, d. h. blos mit Sack und Pack, das Land zu verlassen« — da haben es doch die Spanier noch besser gemacht; sie haben den Juden erlaubt ihr Hab' und Gut mitzunehmen oder zu veräußern. Man soll die »Judenschulen, Judenkirchen und Judenzünfte (?) schließen.« Kurz, man soll die Juden todtschlagen. Das sind die Ansichten des Hettn Victor Lenz. Derselbe hat auch einmal Scribe's Cameraderieen gelesen. Das Wort hat ihm ge- I fallen, und seitdem hat er sich auch eine Cameradie erttäumt, eine jüdische, die er überall wiederfindet. Er sollte eine Belohnung bekommen, denn er hat eine neue Pulvttverschwörung, und zwar der Juden, entdeckt. Er denunciitt sie überall — Gott sei Dank! man sieht und findet sie nirgends. Nachdem er sie in der Synagoge, in der Literatur, an der Börse, auf dem Markte, im Gewerbe, in den Cabinetten, kurz überall gefunden, will er sie auch in der allgemeinen Zeitung des Judenthums finden. Nun, da könnte sie Jeder auch finden, er braucht sie ja nur zu lesen. Und wir wünschen, -es solle sie jeder lesen, denn dazu ist sie da. Er findet darin »die strengste Absonderung,« und sicht mit blöden Augen nicht, daß ihr Endzweck eben eine immer vollständigere Annäherung ist, die nur das religiöse Charakteristische lassen, alle sittlichen und nationalen Absonderungen, wenn noch dergleichen irgend vorhanden, verwischen und hinwegräumen will. Genug. Man sieht, dtt Hett will uns die Emancipation für unser» Glauben verkaufen. Ist denn nicht der Jude überall sogleich emancipitt, sobqld er dem jüdischen Glauben' entsagt? — Was des Herrn Victor Lenz verworrene Ideen über Emancipation dtt Presse betrifft, wo er keine Preßfreiheit, sondern eine Censur, die aber von den Schriftstellern selbst geübt wttden soll (???), verlangt, so gehören sie hier nicht her, man sieht, das ist blos eine Zugabe und Einkleidung der Berdammniß der Juden. Victor Lenz will gern die Rolle eines Cato spielen, und überall sein Judaeos delendos censeo anbringen. Mag er, sitzt er doch in keinem römischen Senate. Anzeiger. 3u demselben werden Annoncea aller Art gegen Er. Gebühren f&r die gespaltene Zeile ans Petit- Schrift oder deren Raum auigrnomme». Die Verlagshandlung. So eben ist erschienen und durch alle Buchhandlungen zu beziehen, sowie in allen guten Leihbibliotheken vottäthig: Ben-Lee» Ist eine Emancipation der Inden-denkbar? Biographische Skizze aus dem Tagebuch eines Poeten, F. Th. Wangenheim, Berfasstt des Dr. Francia, des Juden im neunzehnten Jahrhundert, des Mönchs rc. 8. brosch. Preis 1 Thlr. Der rühmlichst bekannte Berfasstt mehrerer mit großem Beifall aufgenommenen historischen Romane hat in diesem Werkchen gerade diejenigen Ideen ausgesprochen,- welche man bei allen Discussionen über die Emancipation der Juden vermieden hat. Er hat kein leeres Raisonnement geliefett, sondern mit'der Frage das Nachdenken über eine intellecttelle Einigung zwischen Christen und Juden geweckt. Dieses Nachdenken wird sicherlich gute Früchte ttagen, und ist das Werkchen daher jedem Gebildeten um so eher zu empfehlen, da es lediglich nur allein Facta enthält. Anstellungsgesuch. Ein Lehrtt, der seit einer Reihe von Jahren in ein« und derselben angesehenen Gemeinde als Lehrer, Predigtt und Borbettt füngirt hat und noch fungirt, und, seine Befähigung zu diese» Aemtern schon mehrtte Male öffentlich erwiesen, wünscht eine andere Stelle. Desfallsige Antwvtt über Namen und Wohnort des Lehrtts ertheitt die Redactt'on dieser Zeitung. Redacteur: vr. L. Philippson. — Verlag von Baumgartners Buchhandlung. — Druck von W. Haaök.

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