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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1837-07-08 · Heft 31 (8.7.1837) · p. Seite 122

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
1 (1837)
Issue
Heft 31 (8.7.1837)
Date
1837-07-08
Page
Seite 122 (sequence 2)
Language
German
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123 dennoch aber war diese häusliche Strebsamkeit und die Güte, mit der sie der alte Arzt behandelt^ lindemder Balsam für ihren Schmerz. Was ist schöner und wo z«gt sich der Mensch dem ewigen Urbilde aller Größe, der Vorsehung, ähnlicher, als wenn" er-Bildner junger Seelen wird und hier uneigennützig eine Saat streuet, für deren Aufkommen der Vater im Himmel sorgen muß, derm Früchte aber andere genießen; oder was ist ehrwürdiger, als dem müden Alter Trost und Erquickung zu reichen und dem. von den heißen Sandsteppen des 'Lebens ermüdetm Fuße des Greises das sanfte Polster kindlicher THeilnähme umerzulegen. Glückliche Dinah, die du die eine Hand dem aufblühenden, die andere dem welkm Menschen reichest l Auch würde ich meinen Lesern "die'Wahrheit verhehlen, wenn ich nicht bemerkte, daß die durch Arama's bescheidmen Wohlstand und Abarbanel's Freigebigkeit bereitete größere Bequemlichkeit 4m Hause des Arztes ihr zusagte, ihrem Körper die völlige Entwickelung, ihrem Geiste fteie Beweglichkeit verschaffte. Sind doch einmal diese kleinen Bedürfnisse, die wir uns schaffm und mit dm wir uns umgebm, höchst nothwendige Erheiterungsunb Erftischungsmittel für dm gebildetm Geist. Freum wir uns daher mit unserer Schönm über die großm blinkmdm Glasscheibm, an die sich oben gemalte anschließm, die ein buntes Licht auf dm musivisch ausgelegtm Fußbodm werfm, durch die man aus gewölbten Bogmfmstem aufdie belebteste Straße Granada's hinabsah, über dm zierlichm Divan in demselbm maurischen Geschmacke, den jetzt unsere . Mode hervorsucht, über die im Zimmer hängenden Gemälde aus der GefchichreJoseph's und dm Schrein aus Sorbenholz, in welchem die Andenkm der weiten Reise Ammans geordnet und zierlich geschriebme und gedruckte Bücher liegen, mdlich über die erfrischende Kühle, die der Altan auf dem Plattdache des Hauses' am Abmde .darbietet, wo das blaue Segeltuch des Himmels mit glanzenden Stemm durchwirkt sich über die Sitzmdm wölbt und Mehr als das ftohe Gewühl auf dm Straßm das Auge auf sich zieht. — Doch es ist Zeit dm Fadm der Geschichte wieder au^unehmen. . Alonzo wollte an dem Tage, wo wir ihn von dm Trümmern von Jlliberis heimkehrmd'verließm, seinem Vorsatze getreu, sich in die Wohnung Dinah's begeben, als ihn der Befehl seines Hauptmanns zum Dienste im Palastesthleunigst beorderte. Einm peürlichm ^ag und eine lange Nacht brachte er dort zu und erst am andem Tage war es ihm vergönm, seine Sehnsucht zu befriedigen und ohne erst dm Freund auftusuchm, begab er sich-nach Dmah's Wohnung. Wie erstaunte dr, als man 4hm dort sagte, daß, nachdem gestem ein alter Hm: die junge Jüdin besucht hätte, sie heute früh die'Wohnung geräumt, wohin wußte man nicht, — er stand an der Schwelle des leerm Gemaches und mit unstattm Blick. sah er das Zimmer an, in welchem si e gewohnt und geweint hatte, mit Hast griff er nach einem in der Ecke liegmdm, wahrscheinlich verlomm Papiere, auf welchem ihm unverstehliche hebräische Schrift stand, froh eine Gelegmheit zu einem nmm Besuche zu habm. Er eilte zum Frmnde, den er nicht zu Haufe ttaf. Sein unruhig pochendes. Herz trieb ihn durch alle Sttaßm Granada's und immer wieder zur Wohnung Jehuda's zurück, er zürnte zum erstm Male dem Freunde, und vergaß — wie es bei dergleichen Gelegmheitm so oft zu gefchehm pflegt — das Nächste, zu seiner eigmm Wohnung Mrück zu kehren, wo ihn seit mehreren Stundm Jehudah von der Wacht erwartete. Endlich ttafm sie beide zusammen. »Beim Himmels Alonzo, wmn Seine Majestät der König Ferdinand so lange schläft, 'wie du bei ihm wachest, würde es schlecht um Aragonim steheru Seit,zwei. Stunde» crwatte ich dich vergebms 4u deiner Behausung, und saß wie auf Kohlen.« »Und wmn du so lange wattetest, wie ich hier nach dir herumgelauftn bin, so würde der Kohleusitz dir schlecht brkommm sein und ich hätte einm gepöckeltm Freund, anstatt ich jetzt dm blühmdm küsse.« Sie umarmtm sich. Bald hatte Jchudah dem aufmecksamm Freunde von der Veränderung «zählt,. die sein Vater in höchst eigener Person mit ihrem Schützlinge getroffm, von dem Interesse, welches sie bei demselbm erregte und von der Aussicht, sie späterhin in dem eigmm Hause zu fthm., Die Unbefangenheit des Erzählers ließ nicht ahnen, daß ein lebhafteres Gefühl bei ihm Wurzel gefaßt hätte und'in der That war Jehuda'-s Gemüth fast zu kindlich, als daß sein Interesse jetzt schon als. wirkliche Liebe anzufthen gewesm wäre. Alonzo wurde dürchdes Freundes Erzählung freudig gestimmt, war cs—dmn so egoistisch ist selbst der edelste Mensch— die Sicherheit, die er von Jehudah's Seite für -feine eigmm Empsindungm fand? — Beide standen im Gespräche brgriffm, ehe sie sich dessm versahm, vor der Thür des altm Aroma und so eben erinnerte sich Alonzo des gefundmm Papiercs. Beide Frmnde ttaten, durch eine alte Dueuna. gemeldet, in das Zimmer ein, wo Dinah dem kleinM Joseph, ihn mit ihrm Schwanmarmm umfassmd, ein arabisches Mährchm erzählte. Als sie die Jünglinge begrüßt hafte, vertröstete sie dm klemm Bittmdm mit der Weitererzählung bis zum Abmde. . »D erzähle weiter, liebe Schwester,« — den» diesen Namen hatte ihr Jehudah schon am gestrigen Tage in aufwallmder gemüthlicher Laune und rascher Bettrautheit gegebm, sie nicht ungern angmommm, — »ich höre die Kinder-

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