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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1837-07-08 · Heft 30 (8.7.1837) · p. Seite 119

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
1 (1837)
Issue
Heft 30 (8.7.1837)
Date
1837-07-08
Page
Seite 119 (sequence 3)
Language
German
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119 sondern dieser ist nur Attribut der israelitischen Nation. Wir werden noch später sehen, wie die genaue Berührung der Israel. Religion mit der israel. Nation zwar der israel. Theologie eine verschiedene Formirung von christlicher Theologie gibt, allein ihrer wissenschaftlichen Begründung gar keinen Einttag thut. 3) Auch die israel. Religion ist mit der Moral innig verwebt, Glaube und Tugend unzerttennlich vereint, doch erkennt sie des Menschm Leben nur in'seiner That und reflectirt auf diese ohne Rücksicht auf Glaubensform *). Bettachten wir nun speziell diejenigen Wissenschaften, welche ins Bereich der jüdischen Theologie gehören, so haben wir eine vierfache Abtheilung vor uns: 1) die exegetische Theologie, d. i. der Inbegriff j aller derjenigen Kenntnisse, die zur Verständnis der heij ligen Schrift führen. , 2) die dogmatische Theologie, d'. i. Inbegriff der Kenntj nisse, welche zur systematischen Auffaffung der Religionsj lehren anleiten. 3) die historische Theologie, jüdische Kirchmgeschichte, die Schicksale der jüd. Kirche (Synagoge) brttachtend. j 4) die praktische Theologie, Rabbinalwissenschaft, handelnd über die Aeußerlichkeit des jüd. Religionswesens und die besondern Befugnisse der Geistlichkeit. Mit der exegetischen Theologie geht die .Philologie zusammen und unterstützt sie als Hülfswissenschast; dasselbe gilt für die dogmatische Theologie von der Philoso- -phie, für die historische von der Geschichte. Dieselben Wissenschaften, sowie die ganze theoretische Theologie müssen die praktische Theologie beleuchten und führen. A. Exegetische Theologie. Sie beschäftigt sich mit der richtigen Beurtheilung,. Erklärung und Auslegung der heiligen Schriften. Sie ist für die israel. Theologie von großer Ausdehnung und von vorzüglicher Wichtigkeit. Sie stützt sich zunächst auf die Philo-' logie der hebräischen und chaldäifchm Sprache, weiter auf die der semitischen Sprachen überhaupt, endlich auf die Philologie der alten Sprachen und aller Sprachen im weitesten Umfang. Sie erfordert daher zu ihrem Studium diese allgemeinen Sprachkenntnisse. Sie setzt aber auch femere historische und Realkenntnisse zum Verstehen der in der heil. Schrift hierauf bezüglich«: Momente voraus. Die theologische Exegese findet daher sowohl in grammatischer, als in historischer und realwissenschaftlicher Hinsicht, als endlich auch im praktischen Bezug statt, wmn sie von der Dogmatik unterstützt, die Anwendung einer Schriftstelle zur cheologischen Theorie übernimmt. Wir unterscheiden daher 1) philosophische Exegese,! 2) theologische Exegese im engern Sinne.! Beide Theile sind von den jüd. Theologen cultivirt worden. . ' Anfangs war die Erklärung der heil. Schriften bloß Sache . des mündlichen (lraditiven) Unterrichts, diese Abtheilung! wurde insbesondere die mündliche Lehre (s^r'n) genannt, sie j wurde endlich schriftlich niedergelegt im Talmud und weiter! ausgesponnen von den rabbinischen Exegeten. Da sich! letztere, obgleich in vieler Beziehung ihren eigenen Weg gehend,! auf den Talmud stützten, so entstand aus dieser Verbindung j eine talmudisch-rabbinische Exegese. Diese gab sich aber nie für unumstößlich aus, wie viele wahnen, sie schloß nie die fernere freie Beurtheilung der heil. Schrift aus, sie schloß sich nie ab, sondern so wie sie selbst eine Entwicklung in der Zeit war, so hemmte sie dieselbe keincswegcs; ihre Exegesen sind nur »Stützen« (rra'rsn NronsK). Viele stellten sogar *) .Sie vindicirt sich daher die Seligkeit nicht allein, denn sie sagt wohl, selig sind die da glauben, aber nicht, nur die an mich glauben. Sie steckt nur das Gebiet des Glaubens enger ab, um die Seugreitsfähigkeit desto weiter auszudehnen. Eine wichtige Eigmschast zur wissenschaftlichen Begründung l die einfache Erklärung der heil. Schrift als obersten Grundsatz auf. So Kaschi: loras ■na »sr» inpan s-rr. — Nur da, wo die talmudische Exegese Realien betrifft, die in der Denkungsart, den Sitten, Gebräuchen der Nation schon langst Begründung gesunden hätten, wurde sie allgemeinanerkannte, feststehende, dogmatische Exegese; wie sehr aber auch diese der Kritik unterworfen war, beweisen die Schriften des Maimoniden, dessen Exegese ebenfalls wiederum bestritten und nur theilweise nationalen und kirchlichen Eingang fand. Kurz, so unumgänglich nothwendig dem jüdischen Theologen die Kennmiß der talmudischrabbinischen Exegese ist, so sehr sie ihn zur Versiandniß der heil. Schrift eine unentbehrliche Unterstützung reicht, in welcher Hinsicht sie auch in der christlichen Theologie Würdigung fand, so bindet sie ihm keinesweges die Hände, sie hindert nicht, mit fteiem Geiste an die Schriftauslegung zu gehen, wie dies schon die Menge der in neuerer Zeit erschienenen Commmtare (arneo) von neuern Schriftgelehrten beweist; ja, es mangelt der jüdischen Kirche noch an einer allgemein eingeführten Uebersetzung der Bibel, wie dies bei der deutsch-evangelischen Kirche mit der lutherischen Uebersetzung der Fall ist, eben weil es Lebensgesetz der Synagoge ist, sich nicht abzuschließen, sondem der freien Forschung Spielraum zu lassen und sie der Kmnmiß der heil. Schrift in der Originalsprache eine so weite Ausdehnung als möglich zu geben beabsichtigte, daher Uebersetzungm der Bücher in ftüherer Zeit nur für fremde Völker

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