Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 1 (1837)
- Issue
- Heft 30 (8.7.1837)
- Date
- 1837-07-08
- Page
- Seite 120 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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(die Uebersetzung der LXX), uud später nur für die der Ursprache Unkundigen (deren freilich jetzt die meisten desVolkes find) gegeben wurden. Daher stehen dem israel. Exegeken die Forschungen aller Nationen offen, ja, er kann mit gutem Gewissen sie da bevorzugen, wo sie es verdienen. (Fortsetzung folgt.) Correspondenzen, Auszüge, Repliken. (Aus Berlin). Die von Zhrem vielgelesenen Blatte mitgetheiltenBestrebungen so vieler in- und ausländischer jüdischer Gemeinde- Corporationen, einen zeitgemäßen verbesserten Gottesdienst einzuführen, und die so erfreulichen Berichte aus denjenigen Städten, wo dieses auf eine so großartige. Alles befriedigende. Weise geschehen ist, wie z. B. in Prag u. a. O., haben in den Herzen der meisten unserer Gemeinde-Mitglieder, Wünsche für Aehaliches angeregt, Wünsche die seit vielen Jahren gehegt wurden, und von denen nur zu wünschen wäre, daß die Zeit nicht mehr fern sei, wo sie in Erfüllung gehen möchten. — Doch dürften dies, bei den bestehenden Verhältnissen, für längere Zeit -noch pia desideria bleiben, obschon in jeder andern Beziehung, die hiesige jüdische Gemeinde, sowohl in Aufklärung und religiöser Bildung, als in Förderung und Verbreitung alles wahrhaft Guten und Nützlichen, keiner ändern in Deutschland den Vorrang überlassen möchte. . . Wie groß übrigens die Begeisterung für einen.der heutigen Zeit angemessenen, und das religiöse Gefühl wahrhaft in Anspruch nehmenden und erbauenden Gottesdienst ip hiesiger Gemeinde ist, geht.aus dem Anklang hervor, den der in der jüdischen Gemeinde- Schule an Sonnabenden und Festtagen, für die Knaben derselben, eingerichtete Gottesdienst allgemein findet. Obgleich der beschränkte Raum (der Hörsaal) nur ftr die Schüler der Anstalt berechnet ist, und außerdem nur die Vorsteher, Lehrer und wenige Angehörige derselben allda Platz finden, so ist der Andrang an diesen Tagen doch so außerordentlich groß, daß die Besuchenden es vorziehen, auf Treppe und Vorsaal sich aufzustellen, als ohne den Eintritt erlangt zu haben, sich zu entfernen. Und in der That giebt es wohl so leicht nichts Geist- und Herzerhebenderes, als die religiösen Gesänge dieser Knaben, und die Att, wie hier die Gebete und Psalmen von frischen jugendlichen, musikalisch gebildeten Stimmen melodisch und rein gesungen, vorgettagen werden, so wie überhaupt die äußere schmucklose, doch würdige Haltung des ganzen Gottesdienstes wohl geeignet ist, fromme und religiöse Empfindungen in jedem Besuchenden zu.erwecken. Die Erbauungs-Reden werken abwechselnd gehalten, von dem so verdienstvollen Direktor der Anstatt Herrn Baruch Auerbach, der beiläufig, das Verdienst hat, diesen Gottesdienst eingerichttt zu haben, und seinem würdigen Bruder, dem als Kanzettedner rühmljchst bekannten Herrn vr. I. Auerbach, der gleichzeitig den Religionsunterricht an gedachter Anstalt leidet. Wenn die Botträge des Elfteren, für das Fassungsvermögen der Schüler hauptsächlich berechnet, wohl geeignet sind, diese jugendlichen Gemüther für alles Gute und Edle zu entzünden und einen Fond von Tugend und Moralität in ihre Herzen zu pflanzen, so sind es die Reden des.Letzteren, die durch ihre Gediegenheit, durch ihren Gedanken-Reichthum und durch die Fülle ihres Gehaltes nie verfehlen, alle Anwesende zu begeistern, zu erbauen und wahrhaft zu veredeln. Die Bestrebungen dieser Männer um die sittliche und religiöse Erziehung in unserer Gemeinde werden stets eine dankende Anerhevmnng in derselben finden, so wre sie bis jetzt eine ehrende bei allen Glaubensverwandten des In - und Auslandes gefunden habe». Wenn der Gottesdienst in unserer Gemeinde einst einer allgemeinen Veredlung und Verbesserung theilhastig werden wird, so find jene . Männer es, die, wenigstens in unserer Mitte, den Impuls hierzu gegeben haben. I. I. (Abba Glosk Leczeka.) Zwar sind Adalb ert v. Chamisso's Schriften bekannt genug, dennoch aber, da folgendes Gedicht weniger gekannt scheint, uud zu lebhaft an eine glücklich längst überstandene Zeit, an die Zeit, wo das Licht noch kaum mit der Rächt rang, und es zweifelhaft war, was die Oberhand gewinnen würde, crinnett, theilen wir es hier mit. Abba Glosk Leczeka. Es schallen gut im Liede der Purpur und das Schwerdt, Doch hüllt sichoft in Lumpen, der auch ist preisenswerth'; Ich führ' euch, einen Juden und Bettler heute vor. Den Abba Glosk Leczeka, verschließt ihm nicht das Ohr. Er hartte vor der Thür von Moses Mendelssohn Gelassen und geduldig vor Sonnenaufgang schon; Wie hoch in Himmelsräumeu zu steigen sie begann. Trat erst aus seiner Wohnung der weitberühmte Mann. Ihn grüßt der ftemde Bettler in polnisch jüd'scher Tracht, Sein Gruß den Schriftgelehtten dem andern kenntlich macht. Er aber geht vorüber: »An Zeit es mir gebricht!« — Der Fremde weicht zurücke, doch von der Schwelle nicht. Und Mittag ward's und Abend, und als zur Rächt es ging. Die Stadt in ihren Sttaßen die Schatten schon empfing. Kam heim zu feinem Heerde der weitberühmte Mann, Da grüßt ihn noch der Bettter, wie Morgens er gethan. Er sucht in seiner Börse nach einem Silberstück, Ihm hätt der ftemde Bettler die milde Hand zurück: Das nicht von dir begehr' ich, nur dein lebend'ges Wott, Mich führt der Durst nach Wahrheit allein an diesen Ort. — »Du scheinst der kleinen Gabe bedürftig mir zu sein.« — Du hältst mich für unwürdig der größer»! — »Tritt herein! Suchst redlich du . die Wahrheit, die vielen so verhaßt. So sei dem Gleichgesinnten ein liebgehegter Gast.« Beim, wogenden Gespräche, beim häuslich ttauten Mahl, Beim Becher edlen Weines, dem flüss'gem Sonnenstrahl, Erblüht dem ftemden Bettler die Rede wunderbar. Ein Gläub'ger und ein Denker, wie nie noch einer war. Er hat des Wottes Fessel gesprengt mit Geistes-Kraft, Er hängt am Guten, Wahren so recht mit Leidenschaft, Er sprühet Lichtgedanken so machtvoll vor sich hin. So eignen Reiz verleiht ihm sein heitter, ftoher Sinn. Und ob des seltnen Mannes verwundert und erfreut. Der seine Neigung fesselt und Ehrfurcht ihm gebeut. Fragt Mendelssohn ihn traulich: »Wie haben Schul' und Wett So seltsam dich erzogen und deinen Geist erhellt?« Drauf er: Du lenkst vom Lichte die Blicke niederwättS, Zu forschen nach dem Menschen und schauen ihm ins Herz; Ich zeige mich dem Freunde, und meinen Weg und Ziel, Und melde, wie die Binde mir von den Augen fiel. Mein Forschen und mein Trachten, das bin. ich selbst und ganz; Minuten so wie diese sind meines Lebens Glanz; Ich ttage sechzig Jahre noch frisch und wohlgemuth. Roch schmilzt den Schnee des Alters des Herzens inn're Glurh. (Fortsetzung folgt.) Kedatteur: vr. L Philippfon. — Verlag von Barnttgärtners Buchhandlung. — Druck von 88. Haaek.