Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 1 (1837)
- Issue
- Heft 27 (4.7.1837)
- Date
- 1837-07-04
- Page
- Seite 106 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/3224737-3224738-3224766--00275-3298498- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
106 Sprache allmahlig auf alle Gebers im Bet Haufe irr Anweud.uyg gebracht werde. — Prag, 12* Juni. (Priv<ttmittheilung.) In diesen Tagenüberraschterr die Inspektoren des neuen Tempels den eigentlichen Begründer desselben, Herrn Ludwig Pol lack, mit einem völlig geheim betriebenen, auf dessen Landhause bereiteten Feste. Sie erwarteten ihn daselbst in Mitten einer zahlreichen Versammlung festlich gekleidet, empfingen ihn am Eingänge des Gartens, und überreichten ihm eine Dankaddresse' in Goldschrift. Hierauf geleiteten sie ihn zu einer Kastanienrotunde, die mit Blumengewinden und einem Blu- . menaltare ausgeschmückt war, und wo das Chorpersonale des Tempels eine für diese Gelegenheit eigens komponirte Kantate anstimmte. Hierbei überreichten sie ihm, mit einer feierlichen Rede des Aeltestcn unter ihnen einen kostbaren Pokal von Silber kunstreich gearbeitet, mit Goldverzicrungen. Auf dem äußern Rande befindet sich eine Inschrift: »Dem Begründer des geregelten israelitischen Gottesdienstes in Prag, Herrn Ludwig Pollack, als Merkmal der Anerkennung.« Beim Drucke am Laubwerke des Fußgestells, in welchem eine Harmonika angebracht ist, erklingt die herrlichste, her;erhebendste Melodie der Tempelgesänge: nämlich die des Ein- und Ausgangsgebetes Lckon olom. — Hieraus kann man wohl am Besten auf dm Eindruck schließen, den der neue Tempel hier gemacht. Möge der. Eifer und die Thellnahme' nicht erkalten, dann wird dieser schönm Anstalt noch großer Segen entfließen. Laudon, 9. Juni. Der Herzog von Susfex (Bruder des Königs) wird dem diesjährigen Mahle im jüdischen Hospitale beiwohnen, da er sich so weit wicker gebessert, daß er mit Leichtigkeit wieder liest *). Paris, 11. Juni. Unter den zu den königlichen Festen in Versailles Eingeladenen befinden sich auch Halevy, der zu denselben die Ouvertüre der Iphigenie neu instrumentitt hat, und Meyerbeer, von dessen »Robert der Teufel« zwei Akte gespielt werten, als Mitglieder der Akademie der schönm Künste. Die Maranrren. Novelle aus dem letzten Jahrzehend des fünfzehnten Jahrhunderts. (Fortsetzung.) Don Isaak Abarbanel stammte aus einer der ältesten und berühmtesten Familien der jüdischen Spanier, die in Sevilla ansässig war, fein Vater aber zog nach Portugal und ließ sich in Lissabon nieder, wo Isaak im Jahr 1437 das Licht der Welt erblickte. Sorgfältig erzogen und früh eingeweihet *) Wir erinnern an das vorn Herzog von Suss-er auf die die Einladung zum Inaugurations-Mahle des Sheriffs Salomo» erlassene Schreiben vom 13. Oktober 1335, wo er unter v Anden» bemerkte, daß er-sehr bedauere, wegen seiner Krankheit^ verhindert zu sein, »von diesem' neuen Triumphe der bürgerlichen und religiösen Freiheit Zeuge zu sein.« d. Red. , in die religiösen Alterthümer seiner Nation, war er einer derjenigen, denen die Wissenschaft schon im Lebevsftühlinge immer frische, allen übrigen Sirmengesyß verdrangrrche Reize bietet, und in denen sie -— ihr bester Segen — keine Frühzeittgkeit und Frühreife des Geistes und Körpers, aber die Grundlage und das Blldungsmittel eines festen, seines Strebens bewußten Charakters bildet. Da erwachte das erste Gefühl der Liebe, die in erhabenen Menschen den Stahl sinder, dem sie Funken für .alles Edle und Große, entschlägt,' in nieder», gemeinen Seelen nur vertrocknetes, faules Holz, das sie schnell verzehrt, ohne erwärmende Gluth hervorzurusen. Mit der Liebe aber entwickelte sich der Ehrgeiz — der Welt . zu nützen und die Güter seiner Vater zum Wohle des Staates zu gebrauchen, auch dm Portugiesen und seinem Volke ein erneuettes Beispiel von großartigem Sweben in israelitischer Form zu geben. Abarbanel erwarb sich die Freundschaft Alphons V., wurde dessen Geheimrath und Minister, und umgab sich äußerlich mit all dem Glanze, der der Menge imponirt und die äußere Bedingung und das Attribut der Herrschaft ist. Nie vergaß er aberseiner Abstammung und seine fortgesetzten Studien wurden die Aegide, die ihn vor dem Taumel in den Abgrund des Weltlebens schützte. Aber mit-dem Tode des Königs und der Nachfolge Don Jouan II. begann eine schwere Periode seines Lebens. Das Gift der Verläumdung hatte ihn beim jungen Könige angeschwärzt, er wurde empörender Verbindung mit dem Hause Braganza angcklagt, mußte »ach Kastilien flüchten, verlustig seiner unbeweglichen'Güter, die eingezogen und geplündert wurden, seiner Bücher und Manuscripte, die man verbrannte. Die Einsamkeit, in die er sich jetzt zurückzog, wahrte nicht lauge, seine Verbindungen und sein Ruf brachem ihn in dm Palast Ferdinands und Jsabellms, wo wir ihn nach acht Jahrm beim Beginn dieser Begebenheit" tteffm. Eiligst übergab er seinem Sohne die noch nöthigea Ge-* schäfte in Granada, mit Wärme empfahl er ihm die Soxge für seine unglücklichm Schützlinge, auch für die schöne Dinah, denn nicht ungern sah er jetzt dm Eindruck, dm dies Mädchen auf dm Charakter des flüchtigen Jünglings gemacht hatte, da er die Tugmd Beider kannte. 15, Dinah befand sich in der Familie des ehrmwerthm Arztes A ra ma. Dieser gelehrte Mann hatte sich ehedem gem mir dem R. Nissa und seiner geistreichen Tochter unterhalten, auch sie hötte. ihm gem zu, wenn er von seinm weitm Reism in der Wüste Arabims, - in dm Gefilden am Euphrat und Tigris, in dm Ruinen des altm Hellas erzählte und mit dem eigenm Reize seiner lebhastm Sprache seine Abmteuer.