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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1837-06-30 · Heft 25 (30.6.1837) · p. Seite 98

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
1 (1837)
Issue
Heft 25 (30.6.1837)
Date
1837-06-30
Page
Seite 98 (sequence 2)
Language
German
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nöthig, so wmdet euch an Said Pascha, dem ich die des-, fallsigen Befehle crtheilt habe.« Konstantinopel, 25. Mai. Am 18. d. brach in Chaßkioi, einer von Juden bewohnten Vorstadt, zur Nachtzeit Feuer aus, welches 50 Hauser und 100 Butiken verzehrte. - Kalitische Löntrole. Ueber die Emancipation der Juden, nach der evangelischen Kirchenzeitung (No. 42. und 43.) In N. 10. unserer Zeitung beachteten wir einen Artikel in der eben genannten Kirchenzeitung, »Jüdische Polemik« betitelt; seitdem hat dieselbe ihre Ansichten in einem langen und langweiligen Artikel, »die Emancipation der Judm,« vollständig dargelegt. Da wir cs nun so oft unternehmen, Ansichten zu folgen, welche die Schiedsrichterlichkeit der Vernunft anerkennm, so mögen wir uns auch einmal in die unterirdischen Gänge des Pietismus versenken, und Nachsehen, wie wir aus denselbm zum Lichte kommm können. — Sie geht von dem Vordersätze aus: »Das Judenthum ist, weil es in das Christenthum nicht aufgegangm, eine Ruine der Vorzeit, aus der das Leben verschwunden, und hat sich selbst von der Erfüllung der Verheißung ausgeschlossen.« Mag nun die letzte Hälfte dieses Satzes der evangelischen Zeitung vergeben werden, da sie aus ihrem Standpunkte dies annehmen muß: so ist doch die erste Hälfte eine Lüge, die sich dieser Art Leute erlauben, weil cs so schön und so leicht gesagt ist, weil sie damit Alles gesagt hätten, und weil sie das Judenthum wirklich längst schon zu begraben wünschen. Am liebsten gäbe die evangelische Kirchenzeitung selbst die Grabbegleitung ab : es sollte ein süßes Glockengeläuts sein! Ueber 18 Jahrhunderte steht das Christcnthum auf der Erde — ist ihm das Judmthum von der Seite gewichen? wenn das Judenthum todt ist, warum, hat cs dmn dm furchtbarsten Schlägen gestanden, und nicht Schwerter und nicht Hammer vermochten es in Stücken zu schlagenes in Staub zu zermalmen? wenn das Judenthum todt ist, warum hat es dmn den Sichtungsprozeß der Wissmschast bestanden, die Fackel der Philosophie ertragm, warum hat noch Niemand erwieftn, daß die eigmtliche Lehre des Judmthums falsch fei? Die Zcichm des Todes sind die Unbeweglichkeit und die Verwesung. Nun giebt es zwar in jedem Lebm Schlaf und Wachm, Zustände der Ruhe und Thätkgkeit, und Niemand kann läugnen, daß auch das Christenthmn in den letzten Jahrhundertm vor, der Reformation schlief und ruhete und stagnirte. Aber nur der Unwissende, Beschränkte wird sagen könnm, der Schlaf ist Tod. Das Judmchum hat nie aufgehört, auch nach dem Christmthume, sich fortzübildm, und in den Produkten seiner Thätigkeit sein Lebm zu bekunden. Eine Lebmsstockung, eine Ruhe, ein Schlaf fand allein in der letztm Hälfte des 17tm und der. erstm des 18tm Jahrhunderts statt. Da aber ist cs jugmdlichkrästig erwacht, und mit erftischtm Kräftm hat es in schwellmdem Lebmsstrom sich gesteigert und steigt noch immer; und wisset ihr, wer der nachdrücklichste Zeuge des Lebms des Judmthums ist? — Ihr seid es, indem ihr das Judmchum, und noch mehr das ebm lebende Judmchum bekämpfet! Eines tobten Feindes achtet man nicht und läßt ihn im Staube liegen, wo er von selbst vermodert. Zieht man aber das Schwert, und ficht und wechselt Hiebe: so ist cs wahrlich ein lebendiger Gegner, oder — man wäre ein Don Quixote. — Der zweite Vordersatz ist: »Das Judmchum kennt kein Weiterschreiten in der Weltgeschichte an, die ohne sein Zuthun ihren Weg durch die Jahrhunderte gegangm.« Ihr kmnet das Jüdmthum nicht, warum sprecht ihr über dasselbe ab? Das Judmthum .erkennt das Weiterschreitm der Weltgeschichte gerade auf das Glänzmdste an! Das Judmthum sagt nicht: Das Heil ist gekommen! sondem: Das Heil kommt, wird kommen! Das Judmthum sagt: Einst erkennen die Völker alle Einen einigen Gott! »An diesem'Tage wird der Herr einig sein, und sein Name einig!« Das ist das Ziel, welches das Judmthum für das des Menschengeschlechtes anerkennt, und wohin cs das Mmschmgeschlechr ununterbrochen schreitend glaubt. Zu diesem Behufs hat das Judmthum in die Weltgeschichte eingegriffen, hat dem Menschengeschlechts im Christmthume und Muhamedanismus abmdländisch und morgenländisch einm Impuls gegeben, ohne weiter dm weltlichen Fortgang modeln zu wollen. Zu seiner Zeit wird das 'Judenthum abermalsauftreten und auf das große Ganze srimn Einfluß übm. Des Mmschm Auge aber ist kurzsichtig, und schaut nur, was vor ihm liegt. — Sie fährt fort, das theilnahmlose. Wesen des Judmthums, :« »die Gleichgültigkeit gegen Alles, was nicht zur Gemeinde > Gottes gehört,« in dem Mangel an Bekehrungssucht im ■ Judenthume, dm Mendelssohn geltmd gemacht, zu fin- > den. Auch -hierin zeigt sie ihre Kurzsichtigkeit. Die wahrhafte > Bekehrung ist die Wahrheit. Diese aber wird nicht durch ) spanische Schwerter und. nicht durch Missionäre verbreitet, > , sondem durch sich selbst. Die Mmschen müssm zu ihr heran- > ' reifen. Und so habm die Judm keine Bekehrer, aber die > Wahrheit des Judmthums breitet sich von Tag zu Tag aus, r und hierzu bedarf es keiner Beschneidung.

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