Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 1 (1837)
- Issue
- Heft 24 (24.6.1837)
- Date
- 1837-06-24
- Page
- Seite 95 (sequence 3)
- Language
- German
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95 »Edla! schöne Edla!« phantasitte der Alte wehmüthig und sich ihm vertrauungsvoll nähernd, raunte er Alonzo in's Ohr: »Haben sie dem Manne am großen Kreuze geopfert. Dort! dort!« und zeigte lautkreischend auf das Orangenthal vor Granada. Alonzo epblaßte, als die Sonne das abgemagerte arabische Gesicht beleuchtete, in dem tiefe- Runzeln . gefurcht waren und von dem ein langer grauer Bart herabhing, als der Alte die schmalen Lippen öffnete, die blendend weißen Zähne aufeinander biß und sein gellmdes Geschrei zu wiederholten Malen fortsetzte. »Sind Männer mit schwarzem Kleid noch in Granada? find Teufel, Christ, lauter schwarze Teufel, haben's Todtenlied gesungen, Christ!« Hier sing der Alte mit gräßlicher Stimme ein geistliches Lied zu conterfeien an, das Alonzo bis in's innerste Mark seiner Nerven drang. Er wollte sich entfernen und gab dem Alten in Gedanken eine Handvoll Maravedis. Dieser streute sie aus. »Willsäen, Freund, will säm, sollst sehen, sie wachftn, schöner Mais, bin hungrig, Christ. Alonzo wollte ihn hinunterfuhren, aber der Alte riß sich wild los und mit hastiger Eile über die Trümmer und Felsen kletternd und das seine Füße nackten ritzende'Dorngesträuch nicht achtend, schrie er in die Berge hinein: Edla! Edla! Tochter Edla! und verschwand im Dickicht. Alonzo wanderte in sich gekehrt zurück nach Granada, sein Roß hinter sich frei folgen lassend. Des jungen Spaniers Gemüth fing an den Emst des Lebms zu empfindm. 14. Im alten Palaste Alhambra liefen prächtig gekleidete Pagen und Dimer in. geschäftiger'Eile untereinander, noch an diesem Tage wollte das Königliche Paar nach Castilim abreism; der lange Krieg war beendet, das maurische Reich hatte aufgehört und unter dem Scepter Ferdinands standen jetzt die Länder von hem schneeumhülltm. Pyrenäen bis zu der Küste des Mittelmeeres. Isabelle hatte nach neun Jahrm das Kleid abgelegt, das sie nach einem Gelübde bis zum Ende des Krieges nicht wechseln wollte. Sonderbare Träumereien jmer Zeit, in der die mitteralterliche Welt ihre lange Nacht mdete und wenn zwar noch lange sie mit der Schleppe ihres Gewandes die Völker und Reiche bedeckte, doch schon der frische Tag begann, der die alte und die noch der Auferstehung harrmde neue Welt erhellm sollte. Zberim, schönes Jberien, die Kränze des Ruhms werdm dir gereicht, aber du wirfst sie von dir und befleckst sie mit Blut, und der Gmius der Menschheit begräbt sie weinend, einm an dm Säulen des Herkules, den andern jmseits des weitm, weitm Meeres unter dm Theoballis Mexiko's. Run sind die Kränze verlorm, kein Priester kann dich entsühnen, kein Kloster verschließt deine Schande. Denn' in dem Leben des Mmschm und in dem Lebm der Völker gibt es Momente, wo das Glück seine reichlichen Gaben herabschüttet, wohl dem Menschm, Heil der Nation die sie festzuhalten versieht, die Momente gehm vorüber, kein ängstliches Rufen bringt sie zurück. . Auch Abarbanel sollte dem Könige folgm, der höchst zuftiedm mit den Dimstleistungen seines Geheimrathr war und die Einsicht und Thätigkeit desselben in der Ordnung der Finanzm der neuerworbenen Provinzen laut vor dem versammeltm Hofe lobte. Aber es regtm sich auch schon Eifersucht und Neid in den Herzen der Höflinge, besonders der Geistlichen. Einm Juden als Beherrscher der Geldkräfte eines so großm Königreiches zu sehm, und dies mit einer Gewissmhaftigkeit, Aufopfemng und Anspmchslosigkeit, die selten bei dm Beamtm jmer Zeit zu findm war, war mehr, als sie ertragen konnten; dazu kam , daß sie in ihm keinm gewöhnlichm, den Schmutz seiner Seele durch äußere Pracht und Hochmuth bedeckenden Emporkömmling, sondem einm Mann vor sich sahm, der mit Bescheidmheit gründliche Gelehrsamkeit verband und mit dessm Scharfsinn, Weisheit und Erfahrung sich keiner unter ihnm messm konnte, einen Mann endlich, der sich seines Stammes nicht schämte und seinm Adel älter als dm der' stolzesten Granden Kastiliens hielt. Seine Schritte am Hofe umlauettm neidische Spähsucht, die er durch seinm rechtlichen Lebmswandel beschämte, fanatischer Bekehrungseifer, gegm dm er sich durch keinen verwundendm oder treffenden Witz wehtte, gierige Habsucht, die er mir' Gefälligkeitm und Gold abspeisete, beleidigmder Stolz, dem er eine edelmüthige, zurückhaltmde Stellung entgegensetzte. Alles dies mußte aber dem die stillm Frmden der Wissen- - fchaft und häuslicher Zurückgezogenheit liebenden Manne das Lebm am Hofe verbittem und gern würde er, dem Ehrgeize fremd, alle die Herrlichkeiten aufgegcben haben, wenn ihn nicht das Interesse für seine leidende Nation und das stete Bemühen, drohmde Schläge von ihr abzuwendcn, an den Schimmer des Thrones gefesselt hätte. In diesem Bettest kannte er die Macht des Goldes und Einflusses, hierin entwickelte er alle ihm zu Gebote stehende Mittel Pd scheute nicht das Gespinnst der Jntrigue mit noch andem aber dichtem Fädm zu umstrickm. Doch es ist'Zeit, meinm Lesem auchetwas von den frühem Schicksalm-dieses Mannes mitzuthcilen. (Fortsetzung folgt.)