Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 1 (1837)
- Issue
- Heft 24 (24.6.1837)
- Date
- 1837-06-24
- Page
- Seite 94 (sequence 2)
- Language
- German
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94 rischer Hinsicht,« das anstatt 8 zu 12 Banden anwächst, I wird die jüdische Bevölkerung des ganzen Kaiserstaates auf | 1,495,364 Seelen angegeben, wovon auf das Königreich Polen 414,813 (in Warschau allein 33,934) kommen. Da die Bevölkerung des Letztem überhaupt auf 4,022,335 gezahlt wird, so ist das VerhälMiß circa 9:1. Belletristik. Die Marannen. Novelle aus dem letzten Jahrzehend des fünfzehnten Jahrhunderts. (Fortsetzung.) . .13. Mit anbrechendem Tage hatte auch Don Alonzo sein Lager verlassen und bestieg sein Roß. Seit dem gestrigen Abend preßten sein Herz nie empfundene Gefühle, zum ersten Male war die Heiterkeit, die ihn bis dahin selbst auf dm emstm Schritten' des Lebms begleitet hatte, von ihm gewichm, aber dennoch hatte diese Schwermuth. etwas Süßes für ihn, so daß sie sein ganzes Jnnre mit forttiß und er sie mit keiner freudigen Aufwallung verdrängen möchte. In Gedankm vertieft, achtete er nicht der Schönheit des Morgens, nicht der blühmdm Orangen-, Cittonm- und Granathaine, mit Weinreben und Oelbäumen durchwachsen und. vom holdseligm Dufte ihrer farblos bescheidenm Blüthm durchweht. Sein Pferd ttug ihn zu dm Ruinm der alten Stadt Zlliberis, von der romantisch der Weg ins wilde Felsgebirge fuhrt, der Schmelz kleiner Bergwiesm. aber das Auge erquickt. An dm Ruinm stieg er vom Pferde, welches eran ein Gebüsch duftmdm Bentiscus band. Wild liegm Fels- und Mauerklumpm hier wie durcheinander geschüttelt, ^lus netzförmigem Gemäuer wachsen Blummsträuße und an die Felssteine scheinm Blumengewinde befestigt. Die morschen Denkmäler gefallmer Mmschlicher Größe mit ihrm Aussichtm auf die ewig sich verjüngmde und vorzüglich in diesm Gegmdm unvertilgbare Natur erzeugm in uns jmes Gefühl der Winzigkeit unsers Thun und Treibms, unsers Mühens und Wirkens gegm die schaffende Kraft ihrer geheiligtm Werkstatt; nur dann, wmn das Gemüth.nach innm gekehtt ist, vermögm sie einm unvergleichlichm Zauber unserer Einbildung mitzutheilen. Alonzo gedachte, auf dm Trümmem ausmhmd, noch einmal des lieblichm Wesens, er fühlte sein Herz glühmd bei diesem Gedankm, und war es auch nicht der Besitz des Mädchms, der seine Wünsche erregte, ihr Lebm mit allm Kränzen der Frmde zu schmückm, mit seiner Hand ihr alle Annehmlichkeiten, wenn auch stille, aber ihr gerade willkommene-zu reichen', das war es, was seine Einbildung beschäftigte. Aus der mgm Beschränkung ein solches Wefm in ein heiteres Dasein zu fuhren, ihm nie empfundene Seligkeit zu bereitm, dem hellm Geiste dm Bom des Wissens und der Kunst zü öffnen, dem klarem Auge die schöne Natur zu zeigm, seinem tiefm Herzm die Göttlichkeit mmschlicher Tugmd, mmschlicher Freundschaft und Liebe zu offmbarm und es eine ungewohnte Welt schm, erkennm und empfindm zu lassen — die Verschönerung eines andem Wesens durch unser eigmes bestes Selbst — das sind Wünsche, die nur der edlm Brust entkeimen könnm, die auch der Stempel wahrm Geistesreichthums und ächter Liebe sind. Jetzt erst empfand er das Drückwde der Armuth; warm ihm sonst Glücksgüter gleichgültig, jetzt wärm sie ihm wünschmswetth gewesm. Zwar hatte ja der Frmnd derm in Mmge, und nie hatte Alonzo angestandm, bei dm Bedürfnissen eines jugmdlichen und ftischm Lebms, seines Freundes Gut als das Seinige anzusehm, indem er'es als eine Versündigung an der über die gewöhnlichm Rücksichtm erhabenen Freundschaft hielt, die klejnlichm Geist und Körper vergistmdm Sorgm aus falschem Stolze allein zu tragen; auch war Jehuda zu edel, um nur im Entfemtestm anders zuchmken, er hätte in seiner Lebmsansicht ebm so gut von Freundes Gut Gebrauch gemacht, wmn es ihm nöthig ge-' wefm wäre. Aber für eine Versündigung an der Wahrheit hielt es Alonzo, mit fremden Gute sich dm Schein des Wohlthaters zu geben,- wo ein freigebiger Mann wie Abarbanel zu helfen bereit war. Aber, wenn auch nicht mit äußem Gütem — so spannen sich die Gedankm in ihm weiter aus — mit der Kraft des Geistes kannst du ihr nutzen, mit treuer Wacht die zarte Pflanze beschirmen, das war Ritterpflicht in einer Zeit, wo die Gefahr jedm Schritt des Israeliten belauette. Alonzo fühlte sich erhabm in dem Gedankm, ein Schutzgeist ihrer Tugmd zu werden und jede Kränkung - abzuwchrm,—das war seiner würdig dazu fühlte er sich allein fähig , und berufen. In Gedankm vertieft, störte ihn ein Geräusch in seiner Nähe. Er forschte nach und sah einm altm Mauren im Gesträuche einer Oelbaumstaude, der chn ängstlich anblickte. »Habt keine Furcht, Alter, wie hat Euch der frühe Morgm schon unter die Trümmer geführt?« Der Alte sah ihn wild an. »Trümmer, Trümmer, Christ, bist ein Narr, ist gar schönes Haus, wohnt meine Edla dott, wohnt Boabdelin dort, wohnt Mahomet dort, wohnt Allah dott, wohnt Alles dott auf Trümmem, Christ!« Bei diesm ©orten klopfte er wüthend auf die Bmst und zerriß die weitm Aermel seines Oberkleides. Alonzo sah schaudemd, daß .er einm Wahnsinnigm vor sich habe. ' »Wer ist Edla?« ftagte er theilnehmmd. -