Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 1 (1837)
- Issue
- Heft 24 (24.6.1837)
- Date
- 1837-06-24
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 88% known words query
- IRI
…/3224737-3224738-3224763--00259-3298479- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
i. Z°hrg-»g. ÄkkGKMet«e No. 24. Zeitung des Zudeuthums. ' Ein unpartheiisches Organ für alles jüdische Interesse. (Mit König!. Sachlicher aller gnädigster Coaeesston.) Leipzig, den 24. Juni 1837. Politik. Zeitungsnachrichten. Hamburg, 30. Mai. Daß sich hier eine beispiellose Mannichfaltigkeit in der Gestaltung des israelitischen Gottesdienstes, und das, beiläufig gesagt, in der lobenswerthesten Eintracht, beisammen findet, davon haben in diesen Tagen die verschiedenen Trauerceremonieen (Hesped) wegen des G:dbebens in Tiberias und Safod wieder ein fiappantes Beispiel gegeben. Es fanden nämlich nach den über Amsterdam eingegrngenen. Berichten an 4000 Juden, worunter 19 Rabbiner, den Tod, und viele wurden verstümmelt, eine verhältnißmaßige Zahl Familien wurde hülflos. — Wir haben hier drei Trauerfeiern gehabt, nämlich zuerst in Altona, —- bekanntlich mischt sich bei solchen Gelegenheiten das Publikum beider Städte, — wo der Herr Oberrabbiner Ettling er, dann hier in der Hauptsynagoge, wo der Herr Ehacham Bernays, und zuletzt in der hiesigen portugiesischen Synagoge, wo der Herr Chasan Cassuto zweckmäßige derttsche Reden hielten, von denen man die erste mythischepisch, die zweite didaktisch, und die dritte lyrisch nennen könEte. Die abweichende Anordnung des portugiesischen Ceremoniels hat vielen Beifall gesunden, und bestand bei ganz schwarz behangcnem Lokal aus dem Pisman Kol Jelalah (9 Ab Scbacharith), der deutschen Rede, und darauf der gewöhnlichen Haschkabah, sodann einer Mosaik aus der Haftorah Ka«b8n»u, in Response» und zuletzt dem Pisman Nach&mu (9 Ab, Mincbah); Alles in den schönen alten Melodiken, die dieser Gemeinde eigm sind, choralmäßig gesungen. Der neue Tempel hatte keine Veranlassung, eine besondere Feierlichkeit zu begehen, da seine Mitglieder bekanntlich nicht aüfgehört haben, zur Gesammtgemeinde zu gehören, und mithin in der Hauptsynagoge hinlänglich repräsentier waren. Die theils bei dem Hesped, theils durch Subscription geschaffte Collekte in Hamburg betrug etwa 2000 Mark, die in Altona etwa die Halste, welche nun über Holland nach Syrien remittirt werden. (Privatnütthellung.*)) - Gibraltar, 10.Mai. Die Collekte für die Verunglückten in Syrien, welche bei dem Trauergottesdierrste am 15. Februar gesammelt wurde", belauft sich auf 1000 spanische Piaster. Nach den neuesten Berichten darüber sind im Ganzm 6585 Personen dabei um ihr Leben gekommen, *) Wir machen noch einmal darauf aufmerksam, daß alle mit (Privatmittheüung) unterschriebenen Artikel von nnserm Blatte ausgehen. d. Red. wovon zwei Drittel Juden warm. In Jerusalem hatte man nur leichte Erschütterungen gespürt. Was ein eigmes Trauergefühl erregt, ist der Umstand, daß die zerstörte Stadt Safed sehr viele stunde Judm beherbergte, die hierher kommen, um ihre Tage in dem Lande ihrer Väter zu verbringen, und ihre Gebeine in dieser geweiheten Erde rühm zu lassm. Die meisim derselbm sind gewöhnlich aus Rußland. Ihr Ende ist hereingebrochen, ehe sie es dachtm, und der geweihete Bodm hat sie selbst begrabm, ohne Mmschmhülfe. (Privatmittheilung.) Paris, 6. Juni. Meyerbeer, der bald nach Berlin reism wird, will, wie man sagt, von dem Erttage seiner Opem ein Hospital in seiner Vaterstadt gründm. Wie groß dieser sein muß, kann man daraus abnehmm, daß die sechs letztm Aufführungm der Hugmottm 60,000 Fr. der Oper einbrachtm. Da er bekanntlich selbst ein großes Vermögm besitzt, so würde diese Stiftung eine schöne Perle in seinem Künstlerkranze sein. ' Frankfurt a. M., 3. Juni. Aller Augm sind jetzt mehr als je auf das Haus Rothschild gerichtet. Dasselbe hat seinm bedmtmdm Güterbesitz in dem Gebiete der steien Stadt Frankfurt durch dm Ankauf der Günthersburg mit der Beil'schm Dampstnahlmühle vermehtt, und unterhandelt es so ebm um einm großm Gütercomplep in der Wttterau. Warum dies bemerkmswerch ist? Weil dieses Haus unfehlbar sich jetzt an die Spitze einer Richtung stellt, die das europäische GÄdsystem völlig umgestalte» wird: die Vernichtung des PapiÄ>andels, die Zuwendung der Capitalim zur Industrie und zum Landbesitz. Was wird mau nun sagen, wenn diese große Umwandlung durch Juden geschieht, und Europa eine so große Wohlthat gerade von einer Seite erhält, von der man es am wmigstm erwartete, und der immer mit so großem Hohne gerade in dieser Beziehung begegnet wurde? In Frankreich hat man dies schon anerkannt, well man da leichter nme Richtungm wittett, und überhaupt schneller anerkennt. (Privatmitthellung.) Brüssel, 29. Mai. Dem bekanntm Virtuosm Gusik o w ist sein Holz - Sttohinstrummt von einem dmtschen Sprachlehrer, Rosenstein, der sich unter dem Borwande, ihm als Dolmetscher Dienste zu leistm, an ihn gedrängt hatte, gestohlm und nach Amerika entführtworden. Diese 1 Entführung verursacht dem Künstler virlm Kummer; in neuester Zeit jedoch sucht er die tteulose Geliebte zu vergessm und sich eine nme selbst zu verfertigen. Rußland. JnBulgarin's neuestem Werke: ^Rußland in geschichtlicher, statistischer, geographischer und litera-