Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 2 (1838)
- Issue
- Heft 59 (17.5.1838)
- Date
- 1838-05-17
- Page
- Seite 239 (sequence 3)
- Language
- German
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239 Vrurv m jener Gegend ba$ Geld war) ausgegeben. Es glaube ja Niemand, daß ich im Mindesten übertreibe; denn die Sache ist hier manniglich bekannt und ich habe eher zu wenig als zu viel gesagt." Und der gute Meisel hat sonst Ln der Wett keine Rolle gespielt, und hätte dieser jüdische Geschichtschreiber (ein seltnes Phänomen zu jener Zeit) nicht gerade damals gelebt, sein Name wäre wahrscheinlich nur durch die Meiselschule der Nachwelt erhalten woroen, ohne daß man mehr von ihm wüßte. Eine solche Freigebigkeit galt freilich auch damals für eine außerordentliche, aber in geringerem Grade war sie in früheren Zeiten gewöhnlich. — Diese Zeiten sind nicht mehr! Unsern Reichen stehen die Genüsse und die Eitelkeit der Welt offen, und sie jagen ihnen wacker nach, ihre Schätze verschaffen ihnen Einfluß und Ansehen und sie wollen dieselben vermehren und immer höher steigen. Wollen wir ihnen das verargen? Keineswegs! wenn sie nur ihre zurückgebliebenen untenstehenden Brüder eines freundlichen Blickes würdigten, ihnen eine hilfreiche Hand herabzulangen sich entschließen könnten. Wir begreifen wohl, sie gehören nicht uns allein an, sie gehören zuerst und vorzugsweise sich und dann der Menschheit an. Sie mögen die Wett genießen nach ihrer Weise, wenn sie nicht im Wohtthun den schönsten Genuß finden, sie sollen mit ihren Schätzen dem Staate, der Menschheit dienen, aber sie sollten ihrer Stamm- und Glaubensgenossen nicht vergessen! — Ohne auf die Rechte des Blutes und der Glaubensverwandtschaft (die wir allerdings bei religiösen Angelegenheiten geltend machen dürften) ein besonderes Gewicht legen zu wollen, haben wir noch einen doppelten Anspruch! auf ihre besondere Hilfe. Erstens sind wir die Hilssbedücftigern. Abgesehen davon, daß uns in den meisten deutschen Staaten so manche Nahrungszweige versagt, manche Erwerbsquellen verstopft sind, daß wir hie und da noch besondere Abgaben und Schutzgelder zu entrichten haben, sind unsere Gemeinden ganz arm, wenn auch einzelne Mitglieder wohlhabend (die dafür auch recht herhalten müssen); wir haben keinen Schul-, keinen Kirchenfond, Armenstiftungen nur sehr wenige (unsere gedrückten Vater mußten froh sein, wenn sie sich mit der Gegenwart abfinden konnten, und die Zukunft in Gottes Namen ihren Nachkommen überlassen); ein großer Theit unserer neueren gottesdienstlichen Humanitats- und Lehranstalten hangt in der Schwebe, hat ein ungesichertes precares Dasein. O was gibt es da zu unterstützen, zu begründen, zu befestigen, zu erweitern! Wo könntet Ihr euch wohlfeiler die Unsterblichkeit erkaufen. Ihr Reichen? wo euren gottesfürchtkgen und menschenfreundlichen Sinn leichter und schöner an den Tag legen? — Zweitens sollten sie uns doch wot vergüten, was ihr Name und ihr Glanz uns schaden. Sie werden beneidet, und wir Armen müssen es entgelten, wir klagen unsere Noth, unsere Bedrangniß, und — man wirst sie uns vor, weist uns an sie, als dürsten wir in jeder Verlegenheit nur immer unsere Zuflucht zu ihnen nehmen. Denn, wie gesagt, die Welt meint noch immer, die Judenheit könne nicht arm sein, so lange es reiche Juden gibt.— Wohlan! die jüdisch-theologische Facultat möge sie enttäuschen und eines Andern belehren. Sie soll sehen, daß die reichen Juden nicht die edelsten sind, daß sie für uns wenigstens nicht mehr thun als andere Reiche auch für die Ihrigen thun, daß — um es mit einem Worte zu sagen — das dringendste und heiligste Bedürfniß Israels ihr Herz nicht rühren, sie zu keiner verhaltnißmaßigen Spende bewegen kann. Denn bei wem werden sie wol Glauben finden, wenn sie sich's wollten beigehen lassen, dieses gewiß höchst zweckmäßige und fromme Unternehmen zu verunglimpfen und verdächtig zu machen? — Sie sott aber auch sehen, wie reich Israels Mittelstand in allen deutschen Gauen an Männern ist, die für das Gute und Schöne Herz und j Sinn haben und auf dem heiligen Doppelaltar der Reli-! gion und der Wissenschaft, trotz der mannigfaltigen Lasten! und Beschränkungen, mit Freuden ihr Opfer bringen. Auf! meine Theuern! es ist Zeit, etwas zu thun für den Herrn,! für die Erhaltung seiner Lehre! (Ps. 110, 126) etwas! Großes und Durchgreifendes! ein Werk für die Ewigkeit! Svornet einander an, ermuntert Euch gegenseitig durch Beispiele israelitischen Edelmuthes, israelitischer Großherzigkeit! Unser moralisches Wohl, die Sorge für unser Seelenheil und das unserer Nachkommen ist da mit unsern zeitlichen Interessen auf's Innigste verbunden. Es soll unsere Ehre vor der Welt hergestellt, unser reines und aufrichtiges Streben ihr dargelegt, und der ungerechte Neid von uns abgewalzt werden. Könnet Ihr zweifeln, daß eine solche faktische Rechtfertigung unserer bürgerlichen Gleichstellung förderlicher sein muß, als die gelehrtesten Abhandlungen und die rührendsten Petitionen? — Doch vielleicht thun wir unsern Reichen Unrecht, vielleicht wollten sie warten, bis die öffentliche Meinung sich erklärt, um daraus auf die Zweckmäßigkeit und Dringlichkeit der Sache zu schließen und dann desto mehr zu leisten, vielleicht wollen sie uns noch mit einem glänzenden Anerbieten überraschen und der Sache den Ausschlag geben. Auch die Stammfürsten Israels (nach Sr'fre und Bamidbacrab-