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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1838-05-17 · Heft 59 (17.5.1838) · p. Seite 238

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
2 (1838)
Issue
Heft 59 (17.5.1838)
Date
1838-05-17
Page
Seite 238 (sequence 2)
Language
German
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258 kommt, was wir von der allverbreiteten Theilnahme doch wot erwarten dürfen. Es werden auch weniger Wohlhabende, ja Unbemittelte sich zu Opfern verstehen müssen? — Wo könnten sie aber gottgefälligere Opfer bringen? und wo sind wir mehr berechtigt, sie von ihnen zu verlangen, als zum Besten einer Anstalt, wo für ihre heiligsten Angelegenheiten gesorgt werden soll? — Von ihnen gewählte Abgeordnete, Männer, vertraut mit den Verhältnissen und Bedürfnissen Israels und für dessen religiös-sittliche Erhebung glühend, werden die Sache leiten, die Statuten entwerfen und mit Umsicht und Klugheit die ersten Anordnungen und Einrichtungen treffen, im wahren Interesse ihrer Committenten den Gesammtstandpunkt, die Wünsche und Bedürfnisse Aller stets im Auge behaltend, und jede Einseitigkeit sorgfältig meidend. Dürften wir dies auch erwarten, wenn die Anstalt von wenigen Reichen gegründet würde? Würden sie nicht ihre Ansichten und Meinungen geltend machen und derselben aufdrücken wollen? und müßten wir uns nicht die Bedingungen gefallen lassen, die es ihnen beliebte zu diktiren? Das ist der erste von der Sache selbst hergenommene Grund, warum es besser sei, wenn die jüdisch-theologische Facultat nicht der Großmuth weniger Reichen, sondern den Anstrengungen der Gesammtheit ihre Entstehung verdankt. — Das ist es aber nicht allein, was wir gemeint haben. Die Art und Weise, wie diese hochwichtige und heilige Anstatt, deren dringende Nothwendigkeit kein Mensch in Abrede stellen kann, ins Leben gerufen wird, soll der christlichen Welt die Augen öffnen, ihr zeigen, daß wir ihren Neid nicht verdienen, und somit das mächtigste Hinderniß der Emancipan'on aus dem Wege räumen helfen. Wenn es ausgemacht ist, und durch die neuesten Erfahrungen sich immer bestätigt hat, daß der Neid es ist, der uns am meisten schadet, so laßt es sich eben so wenig laugnen, daß die Reichen, d. h. die Reichsten es sind, die ihn erregen und unterhalten. Man beneidet uns um — ihretwillen, ihnen schadet der Neid nichts (ihr Reichthum schützt sie hinlänglich), aber — uns. — Wie man so gern Alles bei den Juden für stätkg hält und von dm augenfälligsten Veränderungen keine Notiz nehmen will, glaubt man auch in dieser Beziehung die Verhältnisse des Mittelalters noch immer vorwaltend. Damals waren es allerdings einzelne Reiche, welche ganze Gemeinden (oft Bettlerschaaren) schützten, Synagogen erbauten, Schulen (rMvLHHO ^rQ) errichteten, Hunderte von Armen verpflegten, an ihrem Tische speisten. Hatten sonst unsere Vorfahren so viele grausame Verfolgungen auszuhalten vermocht? Hätte unter den Hartbedrückten, von allen Seiten Beschrankten noch ein reges geistiges Leben, eine wissenschaftliche Thätigkeit, die eine so erstaunliche (obwot einseitige) theologische Literatur erzeugt hat, sich entwickeln können? Aber wer Etwas hatte, behielt es nicht für sich, sondern theilte im buchstäblichen Sinne mit seinen Brüdern, gab es mit Freuden her für die-Erhaltung des väterlichen Gesetzes, zur Unterstützung der Lehrer, zur Ehre Gottes. Die Reichen betrachteten sich nicht als Besitzer, sondern als Verwalter ihres Vermögens; Luxus hatte ihnen nur Verderben gebracht; vom großen Welttone wußten sie nichts; Stolz war ihnen fremd, denn vor den Vornehmen mußten die Edlen sich tief beugen und alle Juden waren ihnen ebenbürtig, ihre Brüder: aber darin setzten sie ihre Ehre und ihr Glück, Vertreter und Beschützer der Ihrigen, Wohlthätcr der Armen, Vater der Waisen, Gönner der Gelehrten, Stützen der Religion zu sein. Das war der Gewinn des Reichthums, er öffnete die Pforten des Himmels. Ausnahmen waren sehr selten. Wer mit der Geschichte des Mittelalters nur einigermaßen bekannt ist, wird keine Belege verlangen, und wir wollen auch blos Ein Beispiel ,aus der spätem Zeit anführen. Der einzige Mordechai Weiset, der in | Prag gegen das Ende des 16. Jahrhunderts gelebt, hat daselbst auf seine Kosten zwei große Synagogen (die Hochschule und die Meiselschule, welche letztere bis jetzt die schönste und reichste daselbst ist) und ein Armenspital bauen, eimGemeinde-Dadanstalt und ein Reinigungsbad Herstellen und die ganze Judenstadt mit Steinen pflastern lassen. Das Alles hat Ein Mann für seine Gemeinde gethan, dessen Schätze doch wahrlich auch nicht unerschöpflich waren. Derselbe hat jährlich 2 arme Mädchen nach dem Loose ausgestattet, vor jedem Festtage einen gemästeten Ochsen nebst Mehl und Schmalz im Verhältniß unter die Armen vertheilt, die meisten derselben (in der prager Gemeinde) gar oft gleichförmig gekleidet, viele Gesetzrollen mit kostbarem und kunstvollem Schmuck von Silber und Gold theils der prager Gemeinde, theils nach Polen, (Heils nach Jerusalem geschenkt, nicht zu gedenken seiner splendiden Unterstützung der Gelehrten und deren Schüler und der häufigen Spenden und Darlehen an Dürftige. Sein Zeitgenosse David Gans, aus dessen Werk (Zemach David 1. Theil am Ende) wir diese Details entlehnt, schließt seinen Bericht mit den Worten: „Weisel hat, um einen allgemeinen Begriff von seiner Wohlthätigkeit zu geben, seit z.wei Jahren (er schrieb 1592) in den Bau der oben erwähnten Synagoge (Meiselschule), so wie ein Almosen und Darlehen an die Armen unserer Gemeinde und der Aussteuer für die Töchter seiner Brüder über 20,000 Thaler (wir müssen aber wissen, wie da-

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