Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 1 (1837)
- Issue
- Heft 20 (15.6.1837)
- Date
- 1837-06-15
- Page
- Seite 79 (sequence 3)
- Language
- German
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79 der Wissenschaft gehörte, eine kritische Philosophie eindrang,! die geeigneter war als die frühere mathematische in's Gebier I der Glaubenslehre einzutreten, die jüdische Theologie wieder I zum ersten Male' seit des Maimoniden Zeiten sich-vom! Exoterischen berühren lassen, und hierzu gab nicht ein Ein- I zelner, wie Mendelssohn, nicht Gesammtheiten, wie die ge- \ bildeten Gemeinden mit ihrem veredeltem Gottesdienste, sonj dern der mächtige Geiff der Zeit Anlaß, der, mildernd das äußere Geschick des Juden, ihn rasch auch in den allgemeinen Bildungskreis hineinzog und ihn das Leben lieben lehrte. Da hörte nun die Poesie auf. Aber man fürchtete sich anfangs mit der Fackel.der kritischen Philosophie an das alte Gebäude zu treten, es könnte Feuer fangen und zur Asche sinken, man fürchtete sich, die jüdische Theologie von dem Geiste des »Alles zermalmenden Kant,« wie sich Mendelssohn ausdrückte, anwehen zu lassen. Und wirklich bekam das Gebäude derbe Stöße, alle altmodische Dach- und Fensterverzierungen und Verunstaltungen fielen zusammen, kein Wunder, da dazumal alles Menschliche und Wissenschaftliche erschüttert wurde, und selbst die christliche Theologie von der encyklopadisch-französischen und kritisch-deutschen Influenz viel zu leiden hatte. Wirklich wurde die israelitische Glaubenslehre von Vielen zum bloßen Deismus gestempelt, und sie suchten ihr allen historischen Boden, und — was noch mehr ist — mit.ihm das Gemüth der Bekenner zu rauben. (Fortsetzung folgt.) Predigtentwürfe. 4. D'imp Einleitung: Der Begriff der Heiligkeit. Thema: Üeber das Verhältniß des Mmschen zu Gott. Text: 3 Mos. 19, 2. Der Mensch soll heilig sein, weil Gott heilig ist,, also vorausgesetzt: * 1) das Sein (die Natur an und für sich) des Menschen ein göttliches, der Mensch in seiner Anlage das Ebenbild Gottes, sl Mos. 1, 26. 27.]’, 2) das Streben des Menschen (das irdische Leben) nach Gott, Nacheiferung Gottes, Vervollkommnung sdas in der Schrift häufige vcnna -pin]; 3) die Zukunft des Mmschen (das jenseitige Lebm) eine echige Vergöttlichung — göttliche Heiligkeit. Belletristik. Das Fest der Gesetzgebung.* Betend zählen wir jetzt Abends: »Wieder ist ein Tag dahin I« — Zählen Tage, zählen Wochen — Was ist wohl des Zählens Sinn l Sehnsucht ist es, heil'ge Sehnsucht Nach der Tage größtem Tag, Wo durch Nacht des Heidenthumes Mild das Licht des Glaubens brach : Wo der Ew'ge, wie ein Vater, Sanft und mild das Volk ermahnt. Daß es wandle auf den Pfaden, Die er liebreich ihm gebahnt; Wo nicht blos das Heil des Volkes, Das den heil'gen Berg umstand. Sondern auch der ganzen Menschheit Unvergänglich Heil entstand. Birkenzweige, grün vnd saftig. Holt euch aus dem jungen Hain, Daß der Frühling in den Tempel, In die Häuser ziehe ein. Mahnend an des Glaubens Frühling, Der am Sinai begann. Der Jahrtausende schon blühte. Nimmermehr verblühen kann. Nehmt des Lenzes erste Blumen, Windet duft'ge Kronen d'raus. Und das Haupt der heil'gen Thora Schmückt damit im Gotteshaus. Nehmt euch Immergrün darunter: Ewig grünet, was sie lehrt. Wie der Heil'ge, der sie sandte, Unverwelklich, unversehrt. Laßt das Veilchen auch nicht fehlen: Lieblich mahnt's an Glauben euch. Spricht durch seine zarte Bläue: »Glaube führt in's Himmelreich!« — Liebe predigt unsre Thora; Darum flechtet Rosen drein — Seht, sie spricht durch Duft und Farbe: »Liebe hält von Sünden rein!« , Laßt auch Myrthen d'runtcr prangen: Hoffnung lehtt das heil'ge Wort — »Wenn der Erdenleib verwelket, »Lebt der Geist unsterblich forr’< — Selig, .wer der Erdentage Flücht'ge Elle wohl ermißt, ~ Weise prüfend sie zu zählen Keinen Abend je vergißt.