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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1837-06-15 · Heft 20 (15.6.1837) · p. Seite 80

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
1 (1837)
Issue
Heft 20 (15.6.1837)
Date
1837-06-15
Page
Seite 80 (sequence 4)
Language
German
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80 Seines Lebens?ur;e Dauer J Hat durch Lugend er geweiht. Ihn geleiten seine Thaten Tröstend in die Ewigkeit. ' ' Darum zählen wir jetzt Abends: »Wieder ist ein Tag dahin!« Zähl', o Israel, die Tage, - Zähle sie mit heil'gem Sinn! / Kassel. Salomon Leviseur. Literatur. Der Prediger I. Wolfsohn in Sondershausen (der > übrigens von dort nach Breslau abgeht), gibt zw ö lf Predigten | einzeln heraus, von denen die erste bereits erschienen ist (5 Gr.).; Dies ist eine Neujahrsprcdigt, wo in der Einleitung über ' die Bedeutsamkeit de§ Tages, und dann nach dem Tcrte Ps. 122, j 6—10. über die Wünsche und Segnungen, die das Neujahrsfest enthält,, 1) über zeitliches Wohl, indem man das Beste des I Vaterlandes sucht, 2) ewiges Heil im Frieden, gesprochen ist. Es sind zwar nicht tiefe, aber besonders herzliche Worte in prunkloscr, fließender Sprache. Urbcr Emancipation der Jsraeltiten. Worte der Wahrheit, Aufklärung und Liebe zu allen Bekennern der Christusreligion und des mosaischen Gesetzes, gesprochen von einem Unpartheischen. Leipzig, bei Julius Wunder. 1837. S. 33. gr. 8. (6 Gr.). sMit dem Motto: »Das Rad der, Zeit rollt unaufhaltsam vorwärts, wer in seine Speichen eingreift, um cs zu hemmen, den wird es zermalmen.« — »Allen Biedermännern Deutschlands, allen vorurthcilsfteien Kämpfern für Menschenrecht und Menschenwohl xrus Hochachtung, Liebe, Verehrung gewidmet.) Worre eines für Mcnschenwohl, .für das unveräußerliche Liecht des Menschen begeisterten Herzens, das sich bisweilen von seinen Gefühlen forrreißen läßt.-Es ist wahr, keine Empfindung ist wohl besondererer Art, als wenn der Mensch die einfache Wahrheit klar vor seinem Geiste stehen und dennoch die Mehrzahl der Menschen dieses einfache Ding nicht begreifen oder nicht begreifen wollen, und so unterdrücken und mit Füßen treten sicht; wenn er, was das Heil und Frommen der Menschheit ist, von der gellenden Parthei verschmähet und niedergeworfen sieht, obgleich es ihm dünkt, daß, wenn ein Kind die Hand des Verstandes zum ersten Male ausstreckt, cs jenes sogleich fassen muß. »Man wird uns vorwcrfen,« sagt der Verfasser, nachdem er sich zu Gunsten der alttestarnentarischcn Glaubensgenossen erklärt, »daß wir' nichts Neues Vorbringen. Wir geben es zu; es bringen ja aber auch die Gegner unserer Meinung nichts Neues, sondern verbleiben in ihrer Starrsucht, und kleben fest an veralteten Borurtheilen, an unheilbringender Intoleranz, und suchen durch falschgcdeutete Bibclstellen, gleich den Theologen des vorigen Jahrhunderts und der ganzen damaligen Göttinger Schule, das Volk der Christenliebe zu entfremden und rs erstarren zu machen in schnöder Ichsucht, in traurigem Festhalten verschollener Zeiten.« Der Verfasser betrachtet' die Emancipationsfrage von einem vierfachen .Gesichtspunkte: 1) Vom menschheitlichen. Die Würde des Menschen muß den Juden cmancg>iren'. so spricht die »Stimme der reinen Vernunft, die freilich im Gedränge des Mystizismus, Obscuranrismus und des mittelalterlichen Zunftwesens.« Er lehnt sich dagegen auf, daß man den Fehler eines Einzelnen der ganzen Nation aufbürdct, in einem Juden die ganze Judcnsschaft sieht. »Mit heiliger Thorhcit ist man bemüht, Material herbei zu tragen, um dich zu zwingen, dem Glauben deiner Vorfahren äußerer Verhältnisse wisien untreu zu werden.« 2) Dom politisch-bürgerlichen. Mit Feuereifer vrrurtheilt der Verfasser die, welche dem Juden eine Unwürdigkeit vermöge mangelhafter Sittlichkeit vorwerfen; welche ihn für schädlich ausgebcn, ' da er doch nicht emancipirt bei weitem schädlicher ist, und nichr aufhören kann, schädlich zu sein. Ueber die Furcht, von den Juden sich überflügelt zu sehen, spricht sich der Vcrf. sehr offenherzig folgendermaßen aus: »Wo sind denn die Erwerbsquellen, so fragen wir nochmals, worin die Christen überflügelt wären! Wie ist es auch möglich-, hier an eine Ueberflügelung zu denken, da ja blos der Schacher oder der Groshandel ihnen erlaubt ist! Wir leben in einer Handelsstadt (Leipzig); rsir haben viel mir Israeliten zu thun; wagen aber kühn zu behaupten, daß keines der am Platze bestehenden jüdischen Handelshäuser die christlichen verdrängt hat; wir wissen genau, daß keines derselben durch Verschleuderung (Absatz in Masse mit geringem Profit) seiner Waaren oder durch Unredlichkeit sich größere Wirkungskreise verschafft hat. Wir kennen aber im. Gegenrheile die gerühmte Redlichkeit der christlichen. Kaufleute, die im Verlauf von zehn Jahren drciodcr viermal so unglücklich waren, bei jedem ihrer Falliments Lausende" zu gewinnen, während ihre armen Gläubiger ftoh wären, ein Drittheil ihrer Forderung zu erlangen. Wir kennen auch die Beispiele der Chrisicnliede, wo ein Freund, ein Christ dem andern helfen konnte, aber ihn falliren ließ, ja sein Falliment beförderte, damit er sich auf den Trümmern des versunkenen freundschaftlichen Hauses einen Palast baue; wir kennen Beispiele, daß jüdische Kaufleute christlichen Handelshäusern, die durch Unglück dem Falliment nahe waren,, unrer die Arme griffen und; ihnen ohne Zinsen das Geld vorschossen.« (Schluß folgt.) Anzeiger« In demselben werden' Annoncen aller Art gegen i Gr. Gebühren für die gespaltene Zeile aus Petit - Schrift öder deren Raum ausgenommen. Die Vcrlagshandlung. (Erziehungsanstalt für künftige Kaufmannslchrlinge.) Der Unterzeichnete leitet seit 1828 eine Erziehungsanstalt für Knaben von 10—13 Jahren, welche sich dem Kauftnannsfiande widmen wollen. Diese Anstalt setzt die Elementarbildung in Realien und in der Muttersprache voraus, und gewährt dann, neben zweckmäßiger Fortführung dieser, sorgsamen Unterricht in: Schönschreiben und Zeichnen, deutschem.Styl, Arithmetik, Geographie und Geschichte mit steter Berücksichtigungder Handelsgeographie und Handelsgeschichte, und in naturwissenschaftlich begründeter Maaren- und Provuctenkunde. Besonders gründlichen Unterricht gewährt sie außerdem in den-neuern Sprachen, welche nach der schnell fördernden Hamilton'schen Methode gelehrt werden. Auf die physische und moralische Pflege der Zöglinge wird mit größter Sorgfalt gesehen. Der Religionsunterricht wird vom Unterzeichneten selbst nach rein rhcistischen Grundsätzen »rtheilt, und^war so, daß unter diesen vernünftigen Ansichten die konfessionellen Unterschiede der Zöglinge wohl berücksichttgt werden, aber versöhnlich neben einander stehen. In dieser Anstalt, welche nicht über zwölf Zöglinge aufnimmt, damit die Individualitäten mehr beachtet werden, können, wie es bereits schon der Fall war, auch Israeliten ausgenommen werden. Der Eintritt der Zöglinge findet der Cursc wegen Ostern und Michaelis Statt, und der Plätze wegen sieht man es gern, wenn die Anmeldung ein halbes Jahr vorher geschieht. Das in halbjährigen Raten praenumerando zu bezahlende Pcnsionshonorgr beträgt aufs Jahr 300 Fl. Rhn. — Näheres wird auf Anftage durch den Unterzeichneten selbst oder auq durch Herrn Dortor Feust oder Henle Gebrüder in Fürth mitgethcilt. Erlangen, 1. Juni 1837. Dr. I. Leutbecher. Redakteur: vr. L. Philippsou. — Verlag von Baumgartners Buchhandlung. — Druck von W. Haack.

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