Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 1 (1837)
- Issue
- Heft 19 (13.6.1837)
- Date
- 1837-06-13
- Page
- Seite 74 (sequence 2)
- Language
- German
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74 kräftige Unterstützung der Schulanstalt und Herstellung eines anständigen Bethauses hinzuwirken, und der -Alles wirkenden Vorsehung vertrauend, die Hoffnung auf eine glücklichere Zukunft nicht schwinden zu lassen, wenn auch noch so manche Vorurtheile zu bekämpfen wären; vielmehr die guten Absichrcn des Regenten dankbar anzuerkennen, der das Wohl aller Unterthanen stets vor Augen hat. Sein Gebet für den König und die Königin, mit welchem er die Predigt schloß, ergriff die Herzen aller Anwesenden. Dann folgte wieder die Ablesung zweier Psalmen und das Schlußgebet Alenu. (Leipz. Zeit.) Belletristik. Die Marannen. Novelle aus dem letzten Jahrzehend des fünfzehnten Jahrhunderts. * (Fortsetzung.) 11. Don Isaak Abarbanel benutzte die Abendstunden zu seiner Lieblingsbeschäftigung. —> Aufgeschlagen war vor ihm das Buch der Bücher, das Buch der Verheißung, der Trost der gläubigen Seelen, das nun seit Jahrtausenden den von dem niedcrn Dorngcstrüpp des Lebens verwundeten Seelen Ruhe und Begeisterung verschafft hat. Wie Keiner vor ihm war er geistig in den Inhalt gedrungen, und, das nutzlose Gezänk um den Buchstaben verachtend, war es der alte Lebensgeist, der ihn aus den heiligen Schriften seiner Atter anwehete und seinem Gemüthe eine Weihe crtheilte, die ihn fähig machte, den niedern mönchischen Bestrebungen und'Kabalen an Ferdinands Hofe mit der Macht intellektueller und religiöser' Ucbcrlcgung entgegen zu treten. Das beste Mittel, den Kampf, den niedere Seelen um eitle Glücksgüter eingehen, zu bestehen und dem Köder, mit dem sie die Edleren zu umstricken suchen, auszuweichen, ist, den Preis ihres Sttebens gering zu halten, des Verlustes jeden Augenblick ■ gewärtig zu sein und sein besseres Selbst höher als Alles, was der Mensch gewöhnlich schätzt, anzufchlagcn. So wird unser höheres Leben Mittel und Zweck zugleich. — Das Buch der Könige war heute Gegenstand von Abarbanels Forschung,' denn er liebte es, sich in die Zeiten des Ruhmes und der Selbstständigkeit seiner Nation zu versetzen, den Ursachen ihres Falles und ihrer Erhaltung nachzuspähcn, und da er seinen Stammbaum bis zur königlichen Familie David's zurückführte, so war ihm die Chronik der alten Könige Juda's auch zugleich eine Familienchronik. Jehudah trat ein. Er erzählte, dem Vater von seinem Besuche bei der jungen Verlassenen. Mit allem Feuer seines Geistes schilderte er ihre Gestalt, ihre Schönheit, ihre Tugend, das Gebildete ihres Geistes, das Unglück ihrer Lage, — mit glühender Beredsamkeit verlangte er außerordentliche Hülfe für sie und die Aufnahme in's väterliche Haus. »Und wie steht es mit dm andern Norhleidmdm, mein Sohn?« ftagte Abarbanel. ' Iehudah erröthete und schwieg. Das reizende Mädchen hatte ihn alles Andere vergessm gemacht. Er fühlte den Vorwurf, der in des Vaters unverwandtem Blicke aufihn lag, obgleich dieser nach etwas-ganz Anderem in dem Gesichte seines Sohnes forschte. Es gehörte auch wahrlich ein weniger großer Scharfsinn dazu,-als ihn der Geheimrath besaß, um einzusehen, daß der Eindruck des. Besuches ein größerer gewesen, als ihn bloßes Mitleid erregte. Abarbanel war nicht ftei vom Stolze, der der Charakter der spanischen Juden war und in ihrm Nachkommen noch jetzt ist, und mit dem sir nammtlich auf ihre Glaubmsgmossm in Frankreich und Deutschland herabsahen. Freilich hatten diese auch gewissermaßen die Verachtung verdient; durch die ewige Kette von Unglücksfällm, die ihre großen, und durch die Neckereien,' die ihre kleinm Feinde über sie verhängten, waren sie in körpcrlichm und geistigen Verfall gerathen, und es war an ihnen das Wort der Schrift erfüllt worden: »Den Uebergebliebcnen werde ich Feigheit ins Herz legm in dem Lande ihrer Feinde, die Stimme eines rauschmdm Blattes wird sie verfolgen, sie werden fliehen, wie wenn das Schwert drohet, und fallen, da sie Niemand verfolget.« So, in beständiger ftrrchtsamcr Auflegung, der Mittel eines edeln Aufkommens beraubt, schnöden Wucher mit Geistlichen und Großen tteibcnd, ent-, behrttn auch ihre geistigen Bestrebungen der höheren, gediegenem und wissenschaftlichem Richtung, wie cs bei den'spanischm Juden der Fall war. — Abarbanel sah die Lebhaftigkeit, welche eine deutsche Jüdin in seinem Sohne erregt hatte, mit Mißbehagm; er machte ihm keinen Vorwurf der Vcrsäumniß der übergebenen Aufträge, aber er hörte aufmerksam des Jünglings Redm zu und sein Entschluß war gefaßt. »Da dein Schützling, für dm du dich wärmer als sonst verwendest, vorerst vor drückmdem Mangel bewahrt ist, so überlasse mir das Weitere.« So verabschiedete er dm b»- "ttoffmen Sohn. 12. Auf dm Sttaßm Granada's war es schon lebhaft, hinausgezogm zur Waffmübung war mit klingmdem Spiele die Mannschaft, — die Frühmette war bemdigt, die Mauren, jetzt neue Christen, saßen in ihrm Lädm und erwarteten die Käufer, Bettelmönche gingm aus dm neugestistetm Klösiem, um die Gaben zu sammeln, da Erließ Abarbanel dm Betsaal seiner Gemeinde noch vor beendigtem Gottesdienste. Ehrerbietig machten die an dm Pfortm stehendm Armm dem