Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 1 (1837)
- Issue
- Heft 19 (13.6.1837)
- Date
- 1837-06-13
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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I. Jahrgang. ' Nv. LU. Zeitung -es Zu-cnthums. Ein unpartheiifches Organ für alles jüdische Interesse. (Mit König!. Sächsischer allergnädigster Concesfivn.) Leipzig, den 13. Juni 1837. Die Redaction wird, wenn erst ein größerer Abschnitt der Allgemeinen Zeitung des Judenchums dem Publikum vorliegt, näher über die Grundsätze, von denen sie sich leiten laßt, Rechenschaft geben. Für jetzt macht sie das Publikum darauf aufmerksam, daß die Zeitung eine allgemeine und ein unpartheiischeS Organ sein soll, daß daher einem Jeden, der Widerlegungen und Einwendungen heranzubringen hat, dieselbe geöffnet ist, und sobald jene in anständiger Form vorgettagen werden, ihre Ausnahme nie verweigert wird. Besonders aber können die Correspondenzen nur als Aussprüche von Individuen und individuellen Ansichten bettachtet werden, und daher nie der Redaction, sondern stets den Verfassern zur Last gelegt werden. Die Redaktion. Politik, Zeitungsnachrichten. Brüssel, 12. Mai. Der bekannte Virtuos Joseph Gusikow ist wieder hergestellt und nach Amsterdam abgereist. Aus Trier. Am Schlüsse des Jahres 1835 war nach den jetzt pro 1836 bekannt gemachten Zahlungen der Re-! gierungsbczirk Trier*) von 431,390 Einw. bewohnt. In ibm besaßen die Juden 38 Synagogen, die Evangelischen 46 Mutter- und 32 Tochtcrkirchen nebst 3 Versammlungsorten, zusammen 81, die Katholiken 414 Mutter- und 21 Tochtcrkirchen, nebst 4~4 Kapellen, zusammen 908 gottesdienstliche Gebäude. — Oeffentliche Elementarschulen waren 696 katholische, 138 evangelische, 7 jüdische, so daß das Vcrhälmiß der Schulen zur Volksmenge bei den Katholiken sich auf 1: 538, bei den Evangelischen 1: 409, bei den Judm 1 : 610-belief. Die Elementarschulen besuchten 581 jüdische, 10,395 evangelische', 62,757 katholische Kinder. (Nach dem angegebenm Verhaltniß der Schulenzur Volksmenge würden unter den 431,390 Einwohnern des Regierungsbezirkes sich ungefähr 4270 Juden, 56,442 Evangelische und 374,448 Katholiken befinden. Das Verhältnis der Gotteshäuser würde bei dm Judm 1: 112 sein, bei dm Evangelischen 1 : 696, bei dm Katholiken 1 : 412 sein. Das offenbar höchst, günstige Vcrhälmiß der Synagogen und höchst ungünstige der Schulm ist durchaus daraus zu erklären, daß, da im Regierungsbezirke meist nur kleine Gcmcindm in vielen Landstädten und Fleckm scs sind nur außer Trier 2 Städte mir 6000 Einw. und 2 mit 2000, die andem alle darunter, im Regierungsbezirke) bestchm, die zwar eine kleine Synagoge und einm Religionslehrer, aber keine vollständigm'Elementar- *) Auf 128^ Quadratmeilen. d. R. schulen erhaltm könnm, weshalb die Kinder die christlichm Schulm besuchen, die auch zu dm 581 Kindem nicht gerechnet sein könnm, da doch in Preußen alle Kinder Schulm besuchm müssen, und das Vcrhälmiß der Kinder zu der Einwohnerzahl von eirea 1:8 viel zu klein wäre. d. R.) München, 12. Mai. In der heutigm Sitzung der Kammer der Abgeordneten kam auch vor ein Anttag von jüdischen Gemeinden des Rezatkreises um Verstattung von Errichmng einzelner Schulm mit nur 200 Fl. Besoldung des Lehrers, welchen sich jber Abgeordnete Lösch angeeignet und unterstützt hatte, dem aber sich die Abgeordneten Hagen, Tischer, G. R. Haas, v. Hornthal u. A. widersetzten, weil dadurch gerade der bürgerlichm Verbesserung des Zustandes der Juden, ihrer sittlichm und staatsrechtlichen Emaneipation mtgegmgearbeitet, der Unterricht verschlechtet, Trennung der Gemeindegenossen, Zwietracht u. s. w. befördert werden, weshalb der Anwag auch nur mit sehr schwacher Majorität an dm Ausschuß verwiesin wurde. (Münchn. Zeit.) Dresden, 19. Mai. Auch von der israel. Gemeinde wurde gestern das Geburtsfest Sr. Maj. des Königs in der Synagoge Vormittags um 10 Uhr feierlichst begangen. Rach Ablesung zweier Psalmm hielt der ObcrMbbiner Dr. Frankel eine kraftvolle Predigt, die das Herz aller Zuhörer, die israelitischm wie die-christlichm, höchst erbaute. Der Text war Ps. 61. V. 7. u. 8. Auf die Moralprinzipim Glaube Liebe und- Treue ftrßmd, legte er es der Gemeinde ans Herz, jeder Zeit den Glaubm vom Aberglaubm zu ttcnnm, im wahren Glaubm Beharrlichkeit und Ausdauer zu zeigm, Bürgertteue durch Gehorsam gegm die Obrigkeit, Untetthanmwme 1 durch Liebe gegm König und Vaterland an dm Tag zu > legm, liebevoll gegm ihre Nebenmenfchm, versöhnend gegm ihre Widersacher sich stets zu zeigm, vorzüglich auf die mo- \ ratische Bildung der Jugend durch religiöse Erziehung, durch