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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1837-06-08 · Heft 17 (8.6.1837) · p. Seite 67

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
1 (1837)
Issue
Heft 17 (8.6.1837)
Date
1837-06-08
Page
Seite 67 (sequence 3)
Language
German
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67 rer, der königliche Geheimrath Don Isaak Abarbanel, sendet! mich hierher» Ihr seid durch ein trauriges Verhängniß in eine bittere Lage gerathen, Ihr verlanget von meinem Vater I?äth in dieser Bedrängnis.« »%af der edle Sennor, Euer würdiger Vater, meine Bitte einer st schnellen Beachtung werth gehalten, st kann mein Dank nicht größer sein, als sein Herz»« - Jehudah hatte in diesem Augenblicke -alle Schatze seines Vaters gegeben, heute st bereitwillig gewesen zu sein und hier zu stehen. Und dennoch suhlte er eine nie gekannte Beklemmung in seiner Brust, es schim' ihm, als sei er der Bittende und das einfache Mädchen vor ihm die Gebieterin, er sah -bald Alonzo an, der in seinen Mantel gehüllt mit unverwandten, von Thränm glänzenden Augen auf die Jüdin sah, bald auf Dinah, welche die schönen Augenwimpern nicderschlug und auf die Erde blickte. Beide Jünglinge waren bei allem Leichtsinn unverdorben, die leidenschaftliche Begier hatte sie noch nicht gelehrt, mit frechem Auge, auf weibliche Anmuth zu sehen; Beide schienen aber gleich bettoffen, nur daß Alonzo in sich, versunken gleich einer griechischen Bildsäule dastand, Jehudah sein erregtes Gcmüth äußerlich m'cht zu verbergen vermochte. So ttat eine Pause ein, die Dinah erst wieder unterbrach. »Ich habe während der Belagerung - meinen Vater verloren, ein verzehrendes Fieber besiegte' seine noch kräftige Na-' tur, — in meinen Armen starb der Edle, der hier ei» neues Vaterland gesucht hatte, aber nur fein Grab fand. Ein alter Maure, der nsirdem Vater sich früher oft von. der Sternwissenschast unterhalten, veranstaltete sein Begräbniß bei der durch Leiden niedergedrückten und den schrecklichste» Verfolgungen in der Zeit der Noch ausgesetzten Gemeinde und unterstützte mich mit feinen spärlichen Mitteln. Auch er überlebte, den Untergang seiner Nation nicht. Ich stehe jetzt allein, ganz allein, ohne Freund und Verwandten auf dieser weiten Erde, — ich bin zu jung, um von Almosen zu lleben^ mein Geschlecht verbietet ernste Beschäftigungen, — Erzieherin der Kinder oder Düenna bei, einem edel» weiblichen Wesen zu werden, wäre mein Wunsch, um Unterhalt und Zerstreuung von ttüben Gedanken zu finden.« Heiße Thränen perlten bei dieftn Wotten die zatte Wange hinab, Dinah stemmte die Hand auf den Tisch mit einem erhabenen aber mit Wehmuth erfüllten Blick. »Mein Vater wird, er muß für Euch sorgen, edles Mädchen,« sprach jetzt Jehudah feurig, auf sie zuschreitend und ihre Hand fassend, tröstet Euch, Don Isaak Abarbanel ist Vater der Waisen, Ihr werdet an ihm Freund und Rachgeber finden. Seid zuftieden indeß mit diesem Wenigen, um nicht zu darben.- Morgen bin ich wieder bei Euch.« »Aber wie,«, sprach jetzt Alonzo, »fürchtet Ihr Euch nichr, holdes Mädchen, bei diesem'wilden Leben, in Grenada allein zu -sein. Wie leicht kann Euch ein Unheil ttcffen und Eure Freunde wären fern.« »Die Straße ist abgelegen, das Haus unansehnlich, der Uebermuth sucht die Hütten nicht aus; aber fteilich zage ich doch jede Stunde und vettraue nur Gottes Schutz. Er schläft und schlummert nicht, der Hüter Israels!« »Und wie wär's,« meinte Jehudah, »wenn ich Euch noch heute nach meines Vaters Hause brächte, wo Ihr sorglos und ungekränkt leben könnet?« '-Dinah wußte einm Augenblick nicht zu antworten. »Sennor, nicht umsonst hartt Israel der Errettung durch Euer» königlichen Stamm. Wahrlich, Ihr seid ein herrlich Reis an feinm Zweige», die Abarbanels sind ihrer Almen würdig. Dank, o herzlichen, innigen Dank Euch, aber lasier mich heute noch in dieser Klause, schwer wird es mir ohnehin, mich von ihr zu trennen, sie hat meines Lebens Stolz und Zierde mden sehen. Gruß und Glück dem Don Isaak Abarbanel!« . ' Die Jünglinge entfernten sich und gingen schweigend neben einander. Sie hatte» noch nicht gelernt, ihre Gefühle unter der Maske äußerer Gleichgültigkeit zu verbergen. Ichudah unterbrach das Schweigen. »Eine herrliche Natur,- dies Mädchen'.« »Den Adel des Weibes mit einer männlichen Seele verbindend,« erwiederte Alonzo. »Mein Vater muß viel für sie thun.« Alonzo schwieg. ' »Eine Duenna, dies reizende Geschöpf! den Launen einer schwachnervigen Sennora ^unterworfen, wo denkt sie hin? Run und nimmermehr!«- Alonzo seufzte. Beide Freunde trennten sich an der Pfotte von Abarbanels Hause, jeder schim gem allein fein zu wollm, um ungestött seinm Gefühlm nachzuhangen. Wie wären sie sonst nicht Arm in Arm durch das Orangenwäldchen am Tenil gewandert, um dm schönen Abend in ttautem Gespräch zu vcrbringm. Dinah aber stand an der Brüstung-des gothischm Fensters, rn 'ihren schönen Augen standen Thränm, sie schauete zum besternten Himmel empor, bis sie geblmdcr vom Glanze der Sterne, der in ihre Thränm die Sttahlm warf, die Mandoline ergriff und das Lied Bm-Gabriels sang: Deines Kummers vergiß, meine betrübte Brust, Nicht der Erde Geschick störe den Friedm dir;... Bald,- bald ruhet die- Hülle In dem Grabe und denkt deß nicht. —

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