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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1837-06-08 · Heft 17 (8.6.1837) · p. Seite 68

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
1 (1837)
Issue
Heft 17 (8.6.1837)
Date
1837-06-08
Page
Seite 68 (sequence 4)
Language
German
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68 Eine Reb' ist . der Mensch, Winzer der bleiche Tod, Der mit Sichel und Schwert schaut und hält die Wacht, Darum denke du, Seele, Nur des ewigen Schöpfers Macht. Kurz und schnell ist die Zeit, aber der Weg ist lang; Drum der Leiden vergiß, denke des Grabes nur, Und im Busen, da lebe Nur die Furcht des Gerichtes dir. (Fortsetzung folgt.) Correspondenzen, Auszüge, Repliken. (AuS Berlin.) — Eigenes Vergnügen hat mir die Durchsicht des diesjährigen Namen-Verzeichnisses der Mitglieder der Gesellschaft der Freunde gemacht, welche bekanntlich diejenigen Mitglieder nicht ausschließt, welche nach der Aufnahme den ■ jüdischen -Glauben verlassen Habens Auswärtige Mitglieder sind 42. Der betitelten und an Stand ausgezeichnetes Mitglieder habe ich^folgende bemerkt. Der Doctoren der Philosophie, um mit der Weisheit anzufangen, sind 6 darunter; der DD. der Medizin hingegen 15, worunter auch ein königl. Stabs-Arzt; der vv. beider Rechne 4, worunter ein Professor an der Universität zu Berlin, und an die sich ein Referendarius schließt. Sonst findet man noch einen Schuldirector, einen Premier-Lieutenant und einen Lieutenant außer Diensten, drei Ritter des eisernen Kreuzes, zwei Hofagenten des Prinzen Karl, vier Commerzienräthe, unter denen der eine sogar das Wörtchen Geheim-, der andere Hof- und — vorzusctzen hat, einen K. Post- Cornmiffariüs, einen Commissioasrath, einen Mitredacteur der Pr. Staatszeitung, einen Kanzler der französischen Gesandtschaft, einen K. Pr. Hof-Kapellmeister und Großherzogl. Hessischen Kammer-Compositeur, Ritter der Ehrenlegion u. s. w., einen Königl. Hofzahnarzt, zwei Rittergutsbesitzer, und sogar zwei, die das Wörtchen von zwischen Vor- und Familiennamen zu setzen berechtigt sind. Das sind 48 Standespersonen unter 398, ein zufriedenstellendes Berhältniß. Doch was noch viel wichtiger als alle diese bürgerlichen Hänseleien, ich theile Ihnen eine schöne charakteristische Stelle aus her Rede des gegenwärtigen Vorstehers der Gesellschaft der Freunde, dcS Herrn M. Moser, mit. »Wird Ihnen somit heute, die seltene Veranlassung gegeben, verschiedene Punkte Ihrer Gesetzgebung - aufs Neue zu erwägen, so ist es doch Ein Gedanke, der vorherrschen will in dieser Versammlung, worin die Gesellschaft'zugleich den Jahrestag ihrer Stiftung feiert. Es ist der Gedanke, der sie geschaffen, von dessen Kraft sie lebt, der sie aber nur so lange trägt und zusammenhält, als er in dem Bewußtsein, in der Gesinnung der Mitglieder volle Anerkennung findet. Dieser Grundgedanke, der Gesellschaft der Freunde ist die Freundschaft,— nicht wie sie unmittelbar aus der fteien persönlichen Hinneigung sich zwischen Einzelnen knüpft, sondern nach der Weise, in welcher sie sich bethätigt und hülfteich erweist, wenn durch jene allgemeinen Schicksale, denen das Menschenleben unterworfen ist, die Aufforderung dazu ergeht. So wie alsdaNn nur der Beistand und die Hülfe des Freundes als eine wahrhaft wohlthätige empftadcn wird, weil sie aus einem Verhältnisse vollkommener Gegenseitigkeit entspringt, aus einer Gemeinschaft, in welcher das Empfangen und Geben, nach dem Aufall wechselnd", keinen wahrhaften Unterschied der Beziehungen hervorbringt, und beides nur die Befriedigung gleicher Gesinnung, die Gewährung des gleichen Rechtes ist,' so ernennt auch die Gesellschaft der Freunde in ihrer Wirksamkeft -kein anderes Prinzip an, nicht das der bloßen Wohlthätigkeit, die nach den schwankenden Trieben der allgemeinen Menschenliebe, nach der augenblicklichen Anwandlung des Mftleids ihre Gaben spendet, — auch nicht das Prinzip einer auf Calcul gegründeten, durch strenge Rechtsformen gebundenen gegenseitigen Versicherung. In ihrer hülfteichen Thätigkeit waltet, - wenn auch nicht das ganz individuelle Gefühl, doch der Geist und Charakter der Freundschaft. Diesem Prinzipe, worauf die Gesellschaft gegründet ist, kann es aber nur höchst angemessen sein, wenn an das gemeinschaftliche Band sich auch zugleich innigere persönliche Beziehungen knüpfen, wenn der Zweck der Verbindung-rückwirkend in ihr einen eigenen heitern Lebenskreis begründet, der diesem Zwecke eine noch tiefere Grundlage, eine höhere Bedeutung gibt, aber zugleich unabhängig von ihm, durch sich selbst, die schönste Befriedigung gewährt. — Es herrschen so viele zwingende Gewal- ' ten in diesem Leben, es finden die edleren Triebe des Menschen sich so vielfach beschränkt und gebunden, es hat der Egoismus, jener trübe und feindliche, der sich nur in der Ausschließung und Entgegensetzung hält, ein so weites Feld eingenommen, daß das Heraustreten zu fteien Vereinen, die Bildung von Gemeinschaften, in denen ungetrübt, wenn auch nur in vereinzelten Richtungen, die Freiheit des sittlichen Bewußtseins waltet, ein tief gefühltes Bedürftiß ist, und eine Erhebung gewährt, die das in selbstsüchtigen Zwecken eingeschloffene Leben nicht kennt. — Diesen Charakter möge auch unsere Gesellschaft immerfort behaupten und die heuttge Jahresversammlung ihn aufs Neue bekräftigen.« (Jeremias.) »Bendemann hat den glücklichen Griff, das tragische Loos feiner Ratt'on zu malen, aber er ist zu weichlich und zaghaft, um einen zornigen Juden zu malen; deshalb malt er einen matt zusammen gekauerten, wimmernden Propheten. Hätte er nun diese Gestalt einsam auf die Trümmer von Jerusalem hingcstellt, ringsum ein melancholisches Dunkel, und nur die Attribute einer Ossian'schen Mondnacht: so wäre die Elegie vollendet, denn die Gestalt seines Jeremias an sich ist meisterhaft und über kleinliche Mäkelei erhaben. Aber Bendemann wollte eine dramatische Scene im Jeremiasbilde geben und hierzu fehlen ihm, wie der ganzen Düsseldorfer Schule, der Sinn und die Auffassung eines Rubens.« (Zeit. f. d. eleg. Welt. N. 86.) (Die Cholera in Paris.) Als die Cholera hier ausbrach, reisten die meisten Fremden, besonders die Deutschen, ab. Auf dem Hotel de Bille wurden mit einem Male 120,000 Pässe ausgegeben. Obgleich die Cholera sichtbar zunächst die ärmere Klaffe ergriff, so haben doch die Reichen sogleich die Flucht ergriffen. Herr Aquado, einer der reichsten Banquiers und Ritter der Ehrenlegion, war Fcldmarschall bei dieser großen Retiradc. Das Volk murrete bitter, als es sah, wie die Reichenfiohen und bepackt mit Aerzten und Apotheken sich nach gesünderen Gegenden retteten. Der größte Theil der Juste Milieu und der Hautcfinance ging ebenfalls davon und lebte auf seinen Schlössern. Rur die eigentlichen Repräsentanten des Reichthums, die Herren -von Roth schild, blieben ruhig in Paris, beurkundend, daß sie nicht blos in Geldgeschäften großartig und kühn sind. (Hering, ftanzös. Zustände.) (Die Abendzeitung.) Dieses Blatt, das früher unser» Angelegenheiten sich stets günstig gezeigt, scheint jetzt, wahrscheinlich um die Dresdener Popularität nicht zu verlieren, den entgegengesetzten Weg einzüschlagen. Es berichtet unter drrAuffchrift »Israelitische Angelegenheiten« Folgendes: »Noch immer schiffen' sich israelitische Familien in den brittischen Hafen , nach Jerusalem ein und man berechnet die Zahl der Hebräer im heiligen Lande auf 25 —30,000 Seelen. Auch spricht man in London neuerdings von einer Judencolonie, die auf Bandiemensland angelegt werden soll« (S. R. 95.). Diese aus der Lust gegriffene, auf öffentliche Blätternicht begründete Nachricht soll offenbar eine Persifflage sein, und der Verfasser könnte allerdings seinen Witz besser brauchen. Mit demselben Rechte könnte man sagen, es schifften sich Deutsche nach dem Kaukasus (wo allerdings auch jetzt deutsche Niederlassungen find), oder nach her Chinesischen Grenze, von wannen einst die alten Germanen kamen, eia. Es wandern übrigens genug Deutsche nach Nordamerika aus. Redakteur: Di-, tz. Philipps»». — Verlag von BarrmgärtyerS Brrchharrdluug. — Druck von W» Haaek.

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