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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1837-06-08 · Heft 17 (8.6.1837) · p. Seite 66

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
1 (1837)
Issue
Heft 17 (8.6.1837)
Date
1837-06-08
Page
Seite 66 (sequence 2)
Language
German
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der Weltgeschichte spielen, keine glanzende, aber eine unvergängliche, keine von Ler.Größe der Erde gehobene, aber eine geistig arrgestamrte,- darum bilden wir kein Reich, aber eine Nation untev den Völkern der' Erde, darum sind wir nicht selbstständig und kraftvoll, aber unverwüstliche Denkmäler alten Lebens. Tausende von Nationen sind verschwunden, die Herrschaft der Mauren ist vor unser» Augen zu Nichts geworden, denn sie war eine Herrschaft von dieser Welt und setzte sich starr dem Bestehenden entgegen, wir wichen, rettend unsere Kleinodien, der Allgewalt, die uns nicht zertrümmern konnte.« »Ich beuge mich vor meines Vaters hohem Sinne, auch möchte ich keine Minute dieses edeln Lebens verbittern, aber ich liebe das Leben, Vater, wie es sich fteundlich mir zeigt.« »O daß es immer sich dir fv zeigen möchte, aber die Zeit wird, kommen, wo es ernster auch für dich wird. Nun, was du . nicht im Namen des Glaubens thust, das verrichte im Namen der Menschlichkeit. Führe die Aeltesten zu mir. Hier sind einige Bittschriften der durch die Belagerung Verarmten, vor. Allem dies Schreiben, der verwaiseten Tochter eines deutschen Gelehrten. Begieb dich selbst zu den Dürftigen, die Mittel zur Hülfe stehen dir zu Gebot.« 10, Kopfschüttelnd verließ Ichudah seinen Vater. Recht hatte er gesprochen, für Freiheit, Freundschaft, für das spanische Vaterland wäre er fähig gewesen, ftin Leben zu opfern, — aber es war dem unerfahrnen Gemüthe des Jünglings nicht deutlich, wie sein Vater, geehrt vom Könige und den Großen' unentbehrlich, seinen Einfluß durch diestete Verwendung für seine Glaubensgenossen, die ihm nicht seltm feine Güte mit Undank lohnten und von denen Viele fein Glück mit neidischen Augen ansahm, schwachen konnte; er glaubte einzusehen, daß ohne diese Gnlle Abärbanel bei weitem glänzender bcstehm könnte und ein weniger ängstliches Leben, zu führen brauchte. Gerade diese stete Angst um Andere sagte feinem fteien Geiste nicht zu. Er durchblätterte die ihm übergebenen. Papiere und beschloß zuerst die junge Jüdin aufzufuchcn, die ihm sein Vater vor Allem empfohlen hatte. Da begegnete ihm sein Freund Alonzo. Auch dieser, entftrossm aus einer edeln aber verarmten spanifchm Familie, Offizier im königlichen Heere, liebte einm fteudigen Gmuß des-Lebens, dabei nicht weniger edelmüthig gesinnt als sein Jugmdfteund. Beide warm zusammm in Lissabon exogen, ^whin ein Verwandter den ftüh verwaisetm Alonzo zu sich genommen, und an den romanüschm Ufern des Tejo hatten sich die jungm Herzen erschlossen und ewige Freundschaft geschworen. Alonzo, obgleich sich feiner Abstammung gem erinnernd, war erhaben über alle Rücksichten des Glaubens und der Geburt, bei ihm erregte das Paternoster eines feisten Mönchs denselben €>pott als das andächtige Gemurmel eines Rabbinm; Freundschaft, Gesang und Saitenfpiel gingen ihm über Alles,' unmerkkich warm gleiche Sinnesart und Neigung auf den empfänglichen und glühenden Jehudah übergegangm. Beide nahmen zuweilen an dem wilden.Geräusch der Jugend Antheil, aber nur, nm nachher ihrer stilleren und. gemüthlicheren Freuden desto froher zu werdm und in der Natur, dm schönm Wissmfchaftm und Künstm eine edlere Beschäftigung zu suchm. Als sie sich heute begegneten, war Alonzo so cbm aus -einem Gelage zurückgekehtt, das mehrere feiner Kampfgenossen gegebm hatten, er war ftoh, dem lärmenden Vergnügen enrronum zu sein und nichts Angenehmeres konnte ihm begcgnm, als den Freund zu findm. »So in Gedankm, Jehudah?« »Ich bin hmte Almoftnier meines Vaters. Durchlcse ich diese Schreibm hier,' so wird es schwer zu mtscheiden, wo die meiste Noch zu treffen wäre und wohin ich zuerst die Denarm fpmdm sollte, aber die bescheidme Armuch hat das Vorrecht. Ich habe zuvörderst die Abfrsserin dieses zierlichen Schreibms aufzusuchen. Willst du mich beglcitm?« Alonzo schloß sich willig dem Freunde an. Bald hatten sie das -Haus gefunden und bettaten das uns ^bekannte Gemach.,' wo das reizendste-weibliche Wesm dm ürelsien der -Vater beweinte. In ein Buch vertieft ttafm sie Dingh, die beim Eintritt der Jünglinge zuerst sichtbar^ erschrak, dann ettöthete; indcssm gab ihr das feine und gemessene Benehmen derselben Ursache und Zeit, sich von dem Schreckm zu crholm, den' schon das Anklopfm der Männer in ein« so bcwegtm Zeit verursachm mußte. Dmnoch konnte man deutlich die . Unruhe ihres Herzens in dm raschcrm Athemzügen und dem ängstlich sich hebmdm und senkenden Buftn bemerken. Auch die Jüuglinge warm betteten. Es gibt keinen ergreifenderm Anblick, als die'leidende weibliche Schönheit; unter allm weiblichm Wesm-ab«, die sie in Altspanim gcschm, war ihnm nie ein solches erschienen. Das lange Traucrgcwand, die herabhängenden Lockm, durch keim maurische Tracht versteckt, «höheren das Jnteressantt der Figur und des Gesichtes, und machtm die Blässe, Folge der Entbehrungen-und-des Leidms, noch merklicher. Die geistige Beschäftigung, die sie so ebm verließ, trug dazu bei, ihren Blick verklärter zu machm, und bei allem dem eine seltene Ruhe . der 'Körperhaltung, eine Ehrfurcht gebietende Stellung, die, ohne herrschm zu wollen, doch zurückhielt und als natürlich und angeborm erschien. - »Verzeiht, würdige Jungfrau, wenn wir Euch in Euerer heiligen Beschäftigung stören,« begann Jehudah,. »mein Va-

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