Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 1 (1837)
- Issue
- Heft 17 (8.6.1837)
- Date
- 1837-06-08
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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i. 3-chrgm.g. genuine No. IV. Zeitung des Zudenthums. Ein unpartheüsches Organ für alles jüdische Interesse. (Mit KSaigl. Sächsischer allergnävigsier Concrssion.) Leipzig, den 8. Juni 1837. fSellettiftif. I Die Marannen. Novelle aus dem letzten Jahrzehend des fünfzehnten Jahrhunderts. * (Fortsetzung.) 9. In der in Granada eingenommenen Wohnung war Don Isaak Abarbanel mit seinem Sohne Jehüda im ernsten Gespräch begriffen. Letzterer stand in der Blüthe seines Lebens, ein stattlicher Jüngling, von edler Haltung und Gesinnung. Mit den Söhnen 'der Großen ausgewachsen, hatte sein ganzes Bmehmen den Stempel spanischer Grandezza gewonnen, aber sein jugendlicher Sinn erhielt durch seine äußere günstige Lage eine leichte Ansicht des Lebms und wendete sich 'mehr den Lichtals den Schattenseiten desselben zu. Anhaltende ernste Studien in der Gottesgelahrtheit seiner Nation, vielseitige Welterfahrung hatten den Vater nur den Ernst des Lebens' kennen gelehrt, Jehudah war vettrauter mit den süßen Klangen der spanischen Poesie und mit der aufblühenden Literawr des Volkes; er wollte aus jeder Blume der Freude süßen Honig ziehm. Auf jenem lastete das Unglück feiner Nation schwer, er sah 'das Verderben mit Riesenschritten nahen, er hatte die Muße eines einsamen Lebens und seine Lieblingsbeschäftigungen nur verlassm, um seinem Volke in einer höheren Stellung zu nützen, üm dessen Elend zu lindern, ^und bei der Unentbehrlichkeit für Ferdinands und Jsabellens finanzielle Verhältnisse war es ihm auch gelungen, wenn auch seine Hand die Abtrünnigen nicht zurückhaltm und von ihrem' gewissen Untergänge befteim konnte. Auch war die Abneigung, die er gegen die gezwungenen und ftciwilligen Abttünnigen hatte, zu groß, als daß er dem Schicksal derselben, die dem Drucke des Clerus erlagen, viel Aufmerksamkeit zu schenken vermochte. Der Sohn war in Vielem entgegengesetzten Sinnes, er empfand die drückenden Verhälmisse, die ihm seine Religion auflegte, und obgleich er es nimmer gewagt hätte, vor dm Augm des Vaters von ihr abzufallm, so legte er doch kein I Gewicht auf die Form des Glaubens, viel weniger daß er! sich dm Ceremoniem des Gottesdienstes so ängstlich unter- > zogen hätte. »Hast du, mein Sohn, die Aeltesten der Gemeinde gesprochm? hast du ihre Wünsche vernommen, ihre Bedürfnisse ersehen?« »Ich habe sie zu Euch beschiedm, Vater, ich mag meine Zeit nicht mit diesen kleinlichen Kümmemissen vergeuden.« »Kleinliche Kümmemisse, Jehudah? Vielleicht nach deinem Sinne gemessen. Deine Zeit vergeuden! Du hast sie fteilich edler anzuwmdm, hie Sttaßm Granadas in Begleitung deines Freundes Alonzo, mit der Mandoline bis zur Mitternacht zu durchwandern!« »Scheltet nicht, Vater! Könnte ich mit meinem Herzbluts die Freiheit unserer Glaubensgenossen erkauftn, bedürfte es meines Lebms, um Alles auf einmal •§» erringen, ich gäbe es willig hin, aber auf jedem Schritte nme Schwierigkeiten zu bekämpftn, um die Erhaltung einer altm Synagoge mich mit Mönchm und Pfaffm herumzuzankm, die beständigen Einwmdungm gegm unsere Lehren mit anderer Scholasticität zu erwiedem, durch die Heckm kleinlicher Verhältnisse sich durchzuwinden und durch jedm Dom von unserem bcsscm Selbst verwundet zu werden, — dazu, ich gestehe es, habe ich die Ausdauer nicht, auch ist der Erfolg, zu unbedeutend.« Abarbanel sah dm Jüngling lange bettoffen an. »Sich' mein Sohn,« — hier führte er ihn an das offme Fenster, wo eine feme Aussicht, nur durch Berge begrenzt, das Auge erquickte, —»sich' jene Trauerweide, ihre herabhangmdm Zweige,! seit langm Jahrm bmgm sie Wind und Sturm und Ungewitter, sie. sinkt sich, schmiegt sich herab, -die Zweige aber beschützen ihrm Stamm, aber auch jmm starkm Eichbamn, dm der Sturm zu Bodm geschlagm. Der Trauerweide, dm Stürmm sich bmgmd, aber nach ihm sich erhebend, gleichet Israel. Durch Bestehung der kleinlichm Kümmemisse, wie du sie nanntest, widerfiehm wir der Zeit mit ihrm Schrecknissen und lösin unsere.Aufgabe, als Ueberbleibsil vergangener Jahrhundette für. die Ewigkeit zu dauem, ein lebmdigeS Zmgniß zu gcbm dm Völkem von dm Wundem unserer dämm unbegreiflichm Geschichte und von der Offmbamng! des einigen Gottes. Sieh, darum ist die Rolle, die wir in