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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1837-06-01 · Heft 14 (1.6.1837) · p. Seite 55

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
1 (1837)
Issue
Heft 14 (1.6.1837)
Date
1837-06-01
Page
Seite 55 (sequence 3)
Language
German
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33 erlaubt. Es befiehlt nämlich Gott dem Ezechiel eine symbolische Handlung zu vollführen, um damit den Israeliten anzuzeigen, zu welchem Grade des Mangels und Elends sie kommen würden, f. V. 13. Ezechiel soll, B. 12, Gerstenkuchen essen, vnrrn nrrL >>^22 iorn, »und solche sollst du mit Menschenmist backen vor ihren Augen.« Hat nun Nork Recht, wenn er sagt, Ezechiel .sollte Brot mit Mist essen, wie die Indier thun? Gleich im 15. Verse wird es uns erwiesen. Da nämlich Ezechiel sich gegen solches Unreine auflehnt, heißt cs: »Gut, ich will dir Kuhmist anstatt Menschenkoth gestatten, n« rr'tan — heißt ünb NDS Brot essen? nein, Speise -bereiten, wie offenbar Pred. 10, 19: LN» MVv prorob, ganz offenbar 1 Mos. 18, 7. und öfter. Also: »Du sollst dein Bwt aus demselben bereiten;« wie auch die Septuaginta : xa! notrjottg tovg agrovg adv bc avxiäv. — Abarbanel zu dieser Stelle führt uns bald auf den rechten Weg, indem er sagt, daß in den ganz holzarmen Gegenden Asiens die Leute ihre Speise am gesammelten Mist des Viehs, besonders der Kameele, kochen, nachdem dieser, trocken, leicht brennt. Es hieße dttnnächst, daß Ezechiel nicht am Holze, sondern, um den großen Mangel der Juden anzuzeigen, am brennenden Miste seine Speise bereiten soll, was natürlich immer ekelhast und «mein ist und nur von der höchsten Roth geboten wird. Mit dieser Erklärung werden wir um so zufriedener, da der Fürst von Pückler-Muskau in seinem Semilasso, Th. 3. S. 201 flg., erzählt, daß im ' Tunesischen, wo kein Holz ist, Mist zum Feuern gebraucht wird und ihm selbst demungcachtet die Speise recht gut geschmeckt habe. — Eine Andeutung dieser nun unzweifelhaft richtigen Erklärung finde ich -auch in dem ntts 'Z222, d. h. eigentlich in Kügelchen, Bällchen Koth. Sind wir hierdurch mit der Stelle des Ezechiels in's Reine, so möchte ich nunmehr denselben Sinn auf die Stelle 4 Mos. 19, 5. anwenden, gestützt auf die strenge Beibehaltung des b» durch den Onkelos, und also den Vers übersetzen:, »Man verbrenne die Kuh vor seinen Augen, ihre Haut, ihr Fleisch und ihr Blut, und an ihrem eignen Miste soll man sie verbrennen.« Denn immer ftägt es sich, wo kommt das b» her, wo mehreremal rirr stand? dann die Wiederholung des Verbi Pp®''? Daraus würde.sich dann auch die ganz besondere Unreinheit der Kuh, besonders ihrer Ueberreste, die außerhalb des Lagers aufbewahtt wurden, erklären. — Zum Schlüsse dieser Bemerkung mag sich denn Rock fteuen, daß er die Zahl derer, welche, die Juden und ihre Heiligthümer zu schmähen, sich vor absichtlichen Verdrehungen der Stellen nicht scheuen, vermehrt, was übrigens noch am wenigsten aus dieser Stelle resultirt. Als eine charakteristische Eigenthümlichkelt des Alterthums und seiner Poesie wird öfter hrrvorgehoben, daß, anstatt wir Neueren gewöhnlich zur Ausschmückung und Erhebung eines Gegenstandes, ihn mit größeren und höheren Gegmständen vergleichen, (als z. B. Er sprach mit Donnerstimme): die alten Dichter öfter, um die Größe und Erhabenheit'höherer Gegenstände zu versinnbildlichen, kleinere, irdische Dinge danebenstellen. So rühmt man Homer und Virgil, wenn sie ihre Götter mit einem Schritte über Land und Meer von Asien nach Sicllien schreiten lassen, um die. Schnelligkeit ihrer Bewegung von einem Orte zum andern anzudeuten. (Lejsing.) Fruchtbar an solchen herrlichen, in ihrer Naivetät unübertrefflichen Vergleichen ist besonders Jesaias und die schönsten Psalmen. Kühn, -verwegen bis zur Grenze des Wahnsinns, schweift hier der Genius, um so glänzender aus dem selbstgesponnenen Wagniß herauszugehen. Ich mag hier nicht auf die Stelle des Psalmisten aufmerksam machen, wo er die Sonne aus ihrem Zelte, fteudig wie ein Bräutigam aus der Hochzeitkammer, hervorgehen laßt (Herder). Diel höher noch steigt Jesaias z. B. Kap. 40, V. 12. Wer mißt mir seiner hohlen Hand die Gewässer — die Gegenüberstellung des unermeßlichen Beckens des Oceans und der hohlen Hand— des Himmels mit der Spanne — des Himmelgewölbes und der ausgespannten Finger — wer faßt den Staub der Erde in ein Maaß, der dritte Theil eines Epha — wer wagt Berge in einer Wage, Hügel in einer Wagschale — dies sind Bilder, die, wenn sie die Phantasie sich recht vorstellt und tief verfolgt, bis an das Gebiet des Grauenhaften führen. Der Prophet aber löst sie gleich mit dem Folgenden auf, daß sie wie zu einem Jubelliede über die Größe des Allmächtigen sich vereinen. »Wer ermißt den Geist Gottes!« u. s. f. — Gleich großartig ist der Vergleich im 15. Verse: »Siche, die Völker sind wie ein-Tropfen am Eimer, wie ein Staub auf der-Wagschale geschätzt, siehe die Länder, wie ein Stäubchen verflieget.« Diese Wotte eröffnen uns einm Blick in die Geistestiefe des Propheten. Ist es nicht, als ob wir ihn sehen, jene Sternenheere für Welten mit unendlichen Wesenscharcn erkennend und das ganze Universum als ein belebtes All bettachtend, wo Menschenvölker wie Tropfen am Eimer sind. Noch höheren Wetth aber haben die Wotte »die Völker wie ein Staub auf der Wagschale geschätzt,« da hierbei der Gedanke des Richteramts Gottes, der die Schale der Welt hält, erwacht, in welcher Schale die Völker gewichtlose Stäubchen sind, die verfliegen, die dem ersten Hauche weichm und dann spurlos vorüber sind.

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