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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1837-05-30 · Heft 13 (30.5.1837) · p. Seite 50

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
1 (1837)
Issue
Heft 13 (30.5.1837)
Date
1837-05-30
Page
Seite 50 (sequence 2)
Language
German
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50 schricbenm Formen — abändern, ehe man den Juden auch nur die geringste Beschränkung in ihrem Cultus factisch zumuthe. — 2) Herrschte über die in neuerer Zeit von mehreren Seiten theils beantragten, Lheils wirklich vorgenommenen Reformen im israelitischen Cultus die Ansicht, als sei dadurch ein wirkliches Schisma begründet, welches doch in der- That nicht der Fall ist. Besieht ein Schisma unter,den jetzigen Israeliten, so ist es mehr im Leben, über die mehr öder minder stricte Beobachtung der Ritualgesetze, aber wmiger im Cultus; hier würde wohl leicht eine Vereinigung beider Partheien zu treffen sein, wie dieß z. B. in Wien, Copenhagm rc. schon stattfindet. So lobenswerth daher nun auch der Eifer ist, womit mehrere ehrenwerthe Redner die Gcwissensfteiheit einzelner Israeliten in Schutz zu nehmen sich verpflichtet fühlten, so scheint doch solche für jetzt wenigstens — durch das neue Gesetz nicht gefährdet zu werden. Kommt ein gemeinschaftliches Bethaus in Dresden und Leipzig zu Stande, so ist cs unzweifelhaft, daß dabei auf die neueren Bedürfnisse Rücksicht genommen und der-Cultus würdig umgestaltet werden wird, und dies ist doch eigentlich die- Haüpttenvenz aller bis jetzt ins Leben getretenen Reformen. Einzelne abweichende Meinungen über das Detail der beizubehaltenden oder zu modisizirenden Limrgie können eben so wenig getrennte Glaubensparthcien genannt werden, wie den Anhängern der neuen preußischen Kirchenagende und der in Sachsen oder andern Landern eingcführten Liturgie der gemeinschaftliche Name Protestanten oder Evang e li sche abzusprechen ist. Wir kommen hier auf den gelehrten Vortrag des Herrn Dr.- v. Ammon zurück, gegen welchen'— bei der vollkommensten Würdigung seines gediegenen Inhalts und Anerkennung des wohlwollenden Sinnes des hochgeehrten Sprechers — sich doch Folgendes bemerken läßt: a) Beabsichtigte die Beruftmg des Sanhedrins durch Napoleon wohl kein Christianisirm der Juden; dem Sanhedrin —: aus den gelehrtesten Rabbinen und den gebildetsten Israeliten Frankreichs und Italiens bestehend — wurden blos 12 Fragen über die Grundsätze des Judenthums in Bezug auf Ehen, auf die'Verhältnisse zu Nichtjuden, über die Anstellung der Rabbinen rc. vorgelegt, nach deren Beantwortung im Sinne des.ächten Israel itismus aller sogenannten Partheien ergab sich, daß das Judenthum (weder das'alte talmudische noch das neue) eine Bestimmung enthalte, die mit den Staats- oder socialen Grundsätzen der Gegenwart im Conflict wäre. Hierauf entwarf der Sanhedrin einen sehr zweckmäßigen Organisationsplan fut die jüdischen Religionsgemeinden in Frankreich, der ' noch in Kraft ist und — als Beweis seiner Ersprießlichkeit . selbst von mehreren deutschen Regierungen, namentlich von Preußen in den Rheinlanden und in Westphalen — beibehalten oder nachgeahmt wurde. -— I>) Durfte die Äeußerung des hochverehrten Redners, »-daß um niichts in der Welt der hebräische Jude griechisch gebetet habe,« wohl nicht im eigentlichen Sinne zu -nehmen feün Der Talmud im Gegentheil empfiehlt das Griechische den Israeliten, gestützt auf die Stelle Gen. 9, 27., — selbst das wichtigste Schisma (Höre Israel, es ist ein einiger Gott« 5 Mos. 6, 4.) .und 'die täglichen 18 Segenssprüche, dürfen — nach später unbestritten gebliebenen talmudischen Aussprüchen f. Tretet. Sota Abschn. 7. Mischna 1. und mehrere andere Stellen — selbst in gemeinschaftlicher Versammlung in jeder dem Betenden verständlichen Sprache verrichtet werdm. Der hierosolomir. f Talmud (Sota 21. 2. edit. Crac.) erzählt u. A., wie man in der Synagoge zu Casarea das wichtigste Gebet griechisch verrichtet habe und dies von Rabbi Jose sehr gebilligt worden sei. — c) War nun die von dem ehrwürdigen Redner angefühtte Mannigfaltigkeit der verschiedenen Synagogen nie so wesentlich, um einen schismatischen Charakter zu haben, sondern bettaf sie nur-die immer nach Zeit, Ott und Bedürfniß wechselnde Littirgie, wie dies noch heut zu Tage in, Bezug auf die Verschiedenheit der portugiesischen, italienischen, polnischen und süddeutschen Juden der Fall ist, so gehött die von Herrn vr. v. Ammon erwähnte »genaue Normirung der jüdischen Fundammtal-Artikel« durch Moses Maim onides im 12. Jahrhunderte gar nicht hierher. Dadurch solltm keine »Spaltungen« im Cultus beseitigt werdm, — der zu keiner Zeit in Israel durchgängig nach derselbm Liturgie verrichtet wurde, ohne daß irgmd eine rabbinische Autorität sich dagegm auflehnte, — sondern der systematische Geist des Maimonides beabsichtigte blos die in der heil. Schrift, bei den Talmudm und dm Midraschim zerstreutm' Glaubenssätze und Pflichtmlehren des Judmthums besserer Uebersicht halber in ein Corpus zufammenzustcllen. Hinsichtlich der Pflichten lehren that er es in dem berühmtm Werke Jnd hachsaka (manus fortis) und die Glaübensprincipien rcducitte er in seinem arabisch verfaßten Commentar zur Mischna auf 13 Hauptsätze, woraus alle übrigm folgm. — Es sollte keine feststehende Normirung sein, nur eine systematisirmde Anordnung; darum konnte auch ' R. J.Albo (im 15. Jahrhunderte) blos drei Glaubmssätze aufstellm, ohne in materieller Beziehung etwa andere Meinung über das Judmthum zu habm als Maimonides. —> Spinoza bekämpfte wohl überhaupt die positivm Religionen, wenigstens nach der Form, worin sie-zu seiner Zeit gelehtt wurdm; Mendelssohn und Wessely aber wollten durchaus kein Schisma bewirkm, sondern befleißigtm sich nur, das allgemein-moralische Eiemmt im Judenthum,

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