Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 1 (1837)
- Issue
- Heft 12 (27.5.1837)
- Date
- 1837-05-27
- Page
- Seite 47 (sequence 3)
- Language
- German
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47 nicht, daß sie jemals den christlichen Regierungen eine unbeschränkte Pflicht aus der Unduldsamkeit gemacht haben. Wie sollte man daher katholisch verbundm sein mit einem unbegrmzten und unbeschränkten Glauben ((Tune croyance absolue et illimitee) zu glauben, daß es eine sinnlose und irrige Meinung sei, zu behaupten, man müsse einem Jeden die Freiheit des Gewissens versichern und zusprechen? Würde die Kirche in der Wirklichkeit eine sinnlose und irrige Meinung haben dulden können, wenn man gehalten-ist, sie durchs aus und unchschränkt zu verwerfen und nicht zu billigen, welches dem entgegen wäre? Noch mehr: Ein ganzes Volk, das irländische Volk, bekennt jetzt laut dieselbe irrige Meinung; sie bildet den Hauptgrund, auf welchen es sich stützt, um feine religiösen und politischen Rechte zu erhalten. Also, von zwei Dingen eines,. entweder man kann es katholisch thun, — und was mgre dann vom Kreisschreiben zu denken? — oder man darf es nicht, — und woher kommt es in diesem Falle, daß man jenes Volk wahnsinnig sein läßt, so viel es ihm gefällt, und nicht einmal versucht, es auf die katholischen Wege zurückzuführen? — Wenn von einer andern Seite die Freiheit des Gewissens in der rein bürgerlichen Ordnung der Dinge mit dem Bekennmiß des Katholizismus unvereinbar wäre, so wäre es für jeden Katholiken eine unbeschränkte Pflicht, keine von der seimgen verschiedene Religion zu duldm, und folglich im Nothfall selbst die Gewalt anzuwmden, selbst wenn die Klugheit es ihm erlaubm würde, die Anwendung derselben zu untersagen. Aber da der Mensch ötr nichts mehr hängt als an seinm religiösen Ueberzeugungm, so lange also sie für wahr hält, und nach einem natürlichen Gefühle jeden Zwang auf dem intellecmellen Gebiete zurückwei^, so lange würde die dm Katholikenauferlegte Verbindlichkeit, .keinen dem ihrigm entgegmgesetztm Glauben zu duldm, sie in einen Zustand ewigm Krieges gegm den Ueberrest des Mmfchengefchlechtes versetzm, und nothwmdiger Weise, so wie die Erfahrung es beweist,, grausame Verfolgung, blutige Kämpfe ohne Ende bewirken. Sollte man aber Gewaltthätigkeit, Haß, Wuth, unter Brüdem geweckt, Vergiftung, Einziehung der Güter, Folter, Scheiterhaufm, Schaffot, Blutbad und Unglück jeder Art, unvermeidliche Resultate der Vorschrift der Unduldsamkeit, als untrmnbar verbundm mit der christlichm Religion betrachtm? «-*) *) Jum Glück hat der päpstliche Stuhl die gedachte Lehre auch nie zur praktischen Ausführung gebracht. Zur Zeit, wo die Juden aus Spanien und Portugal vertrieben und dort durch die Inquisition so kläglich verfolgt wurden, wurden' sie in den päpstlichen Staaten sehr freundlich ausgenommen und daselbst immer ohne große Verfolgung geduldet. d. R. Belletristik. Israelitische Lebensbilder.* 1. Das Kind, b. Des Vaters Segen. Der Engel, der mich lösete Von allem Schmerz und Leide, Der Hirt des Stammes Israel — Die Welt ist seine Weide — Schild Abrahams und Isaaks Furcht, Der Ein'gc segne dich'. Die Welt ist voller Ungestüm, Die Menschen sind im Streiten, Des Schicksals Räder steh'n nicht still. Ob Tausende auch gleiten. Im Sonnenglanz, in Sturmes Wuth, Der Weltherr wahre dich! Des Menschen Geist ist irrthumsvoll. Er wallt im Dämm'rungslichte, Und daß er rettend doch allein Zur Wahrheit stets sich flüchte, Der Herr, der Nacht und Licht erschuf. Sein Antlitz leuchte dir! Ob ringend auch der Mensch sich müh'. Von oben kommt der Segen, Es leitet eine höh're Hand Ihn auf des Lebens Wegen, Der Herr theilt seine Gaben aus, Der Herr sei gnädig dir! Doch wenn auf unheilvollem Pfad Die Sünde dich verführet, Der Frevel im zerrissnen Geist Der Reue Flamme schüret: Dann kommt der Gnade Strahl herab. Sein Antlitz wend' der Herr zu dir! Und aller Schritte letztes Ziel Ist in der Gruft der Frieden, Im Grab und in der Himmelshöh', Doch wellt er nicht hienieden: 3m Frieden steig' zum Frieden auf, - Der Herr ged'Frieden dir!*) *) Paraphrase des biblischen Segens, 4 Mos. e, M—»7. Literatur. Die Babylonier in Jerusalem. Dramatisches Gedicht von Friede, von Uechtritz. Düsseldorf, bei Schreiner. 1636. 8. 175 S. (1 Thlr.) Es war eine Zeit, und diese ist noch nicht lange vorüber, wo man nichts weniger liebte, als einen Gegenstand zu drama-