Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 1 (1837)
- Issue
- Heft 12 (27.5.1837)
- Date
- 1837-05-27
- Page
- Seite 48 (sequence 4)
- Language
- German
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48 tischen Werken aus der heil. Schrift. Nachdem -nämlich mehrere Situationen aus derselben, langweilig genug, von französ. Dichtern behandelt worden — das beste ist Athalia von Racine — und man anfing, in den dramatischen Dichtungen besonders interessante und unbekannte Sujets'zu fordern, so fand man an den allbekannten Geschichten der Schrift keinen Geschmack. Die Zeit hat sich hierin geändert, und in der Gegenwart kommt es am meisten auf die tragischen und tiefergreifenden M o tiv e an, die der Dichter hineinzulegen versteht, wenn auch der Gegenstand weltbekannt ist (Napoleon von G r a b b e). So ist es denn auch erlaubt, wieder zur Bibel zurückzukommen, als einer Fundgrube 'tragischer Sujets: der Herr Verfasser-hat es mit großem Glücke versucht. Unter den neueren Erscheinungen könnten wir keine nennen, die wirmktreinerem, ungestörterem Gefallen begrüßten, als die eben angezeigte. Ja, wir haben noch ein' lebhafteres Interesse. daran, wir können sie ungehindert unserer Nationalpoesie, anreihen, .als einen integrirenden Lheil unserer Literatur aufnehmen. Sie verdient die Aufmerksamkeit aller theilnehmenden Israeliten, deren innigstes Wohlgefallen fie erregen wird. Eine der bedeutungsvollsten Perioden unserer Geschichte, in ihrer ganzen Charakteristik aufgefaßt, ein zerrüttetes, verworrenes Volk mit den verschiedenartigsten Hebeln, Erscheinungen von eminenter Erhabenheit, Alles auf eine höchst dichterische Weise hkngestellt, zeichnen dieses dramatische Gedicht aus, das nun auch durch passende Form und schöne Sprache einen Hellen Firniß erlangt. Denken wir dieses Gedicht durch, und stellen uns zu Ende Bendemanns Juden auf den Ruinen Jerusalems vor: so haben wir ein vollendetes Gemälde einer Zeit, welche für unser Volk der wahrhafte Wendepunkt seines Daseins und seiner Geschichte war. Führen wir uns zuvor, um den.reichen Inhalt des vorliegenden Stückes zu überschauen, die Gestalten vor, die darin auftreten. 1) Das Volk — alle verschiedenartigen und gegensätzlichen Elemente jener Zeit: Gläubige, im strengsten Sinne, die Aeußerlichkeiten für den wahren Inhalt nehmend; Gläubige, die den verworrenen religiösen und politischen Zustand mit düsterer Trauer durchschauen; Jünglinge, die vom Glanze des Tempels befangen find; Heuchler, die dem verpönten Götzendienste heimlich obliegen. 2) Die Fürsten — sämmtlich nach Unabhängigkeit von Babylon strebend, weniger der Religion als eigner Macht wegen, der Hohepriester nicht ausgenommen; Zed ekia, der König, eia Held, auf sich selbst vertrauend, dann sich für den Messias hal- 3) Die Propheten — der größte Therl lügnerisch, den Untergang Babylons, den Sieg Israels veistündend; Jeremias im Bewußtsein des nahenden Verderbens seines Volkes, überall verkannt, zurückgestoßen, geschmäht, ja gemißhandelt, endlich die traurige Erfüllung seiner Prophezeiungen erlebend; und, damit die dritte Modification auch hier nicht fehle, Mirjam, innerlich wahr, aber von jungfräulicher Liebe rum Zedekia verfuhrt, die Wiedergeburt Israels durch diesen verkündend, endlich aber ihres Jrrthums reuig bewußt. Dies sind die Figuren, aus denen das große dramatische Gemälde zusammengesetzt ist, mit tiefster Besonnenheit gewählt, mit Meisterschaft ausgeprägt. Wir kommen zum Inhalte. Das ganze Drama zerfällt in drei Theile. I. Der Abfall. Scene vor dem Tempel. Das Volk schildert sich dramatisch. Jeremias tritt auf und mahnt zur Buße, wird aber verlassen. Die Jungftau Mirjam beichtet ihm ihre Messiasträume, vom Sieger, der aus Davids Geschlechts über Baby-' Ion hinschreitet, wird aber vom Jeremias zurückgewiesen. Gesandte sind von Babylon angekommen und haben Zedekia herrisch und verächtlich angelaffen. — Saal im königl. Schlosse. Audienz der Gesandten. Nebukadnezar kennt die Treulosigkeit Zedekia's, daß er mit Pharao und Moab sich verbunden, den Tribut nicht abgeliefert, und während des Zuges nach Indien losbrechen will. . Aber die Inder haben sich fteiwillig unterworfen, und Nebukadnezar verlangt den Zins, tausend Pfund Goldes, und die Schlüssel der ' Davidsburg und sieben anderer Festungen. Alle Fürsten sind enfc rüstet uyd verlangen Krieg; vergebens mahnt Jeremias ab, -zeigt, daß sie nicht für ihre Religion, sondern für ihre Macht kämpfen wollen, weissagt den Untergang, — der Hohepriester spornt den König an, der Bote wird nach Aegypten abgesandt. II. Der Kampf. Lager des Nebukadnezar vor Jerusalem. Er befiehlt den Stuxm auf die am vorigen Tage geschossene Bresche. Da bringt man ihm die Nachricht, daß die Juden hinter der Bresche ein neues, doppeltes Bollwerk in der Nacht aufgebaut. Er ist erschreckt. Nebukadnezar, mit seinem Vertrauten allein, der ihm vom Sturme und überhaupt von der Belagerung abräth, da schon die Seuche unter seinem Heere, eröffnet ihm den Traum, den er -einst gehabt, und die Auslegung Daniels, daß er, nachdem er alle Reiche erobert, zum Thiere erniedrigt werden würde. Diesem Schicksale gehe er unwiderruflich entgegen, daher müsse er Jerusalem bekämpfen. — Feierliches Opfer im Tempel. Flehen um Rettung während des Sturmes der Babylonier. Mirjam verkündigt nach Traumgesichteu Zedekia als den verheißenen Messias. Schon bringt man die Kunde, daß Zedekia gefallen, die Babylonier Meister des Walles wären: da ertönt Siegesgeschrei, die Babylonier blasen zum Rückzuge, der König selbst hat den Sieg entschieden. Mirjam drängt sich ihm entgegen, und verkündigt ihn allem Volke als Messias. Alles steht betäubt, Jeremias 'bekämpft sie, Zedekia schwankt, Mirjam wirft sich nieder und fleht um ein Zeichen — in diesem Augenblicke kehrt der Bote zurück und meldet, daß Pharao morgen vor Jerusalem stehen würde. Jetzt huldigt der Hohepriester selbst dem Zedekia als Messias. Man meldet, Nebus kadnezar habe sein Lager abgebrochen, um Pharao entgegenzuzkehen. Zedekia eichebt Mirjam zu seiner Gemahlin, und zieht mir den Tapfersten aus, Nebukadnezar in den Rücken zu fallen. IH- Der Untergang. Pharao ist geschlagen, Zedekia selbst, vom Feuereifer verlockt, ist Schuld an der Niederlage. In Jerusalem wüthet. die Pest und der Hunger aufs Schrecklichste, eine Mutter verzehrt ihr eigenes Kind, man fordert-höhnisch Manna vom Zedekia. Mirjam-ist zum Bewußtsein gekommen. Sie bekennt dem Zedekia selbst, daß der Geist in ihr gelogen, kein König würde der Messias sein. Alle Ordnung ist aufgelöst. Jeremias wird in den Schlamm versenkt. (Gerade bei der Erfüllung seiner Weissagungen — wie charakteristisch) Ein Fürst verräth den Babyloniern den Zugang zu Jerusalem. Der Feind ist in der Stadt, der Tempel brennt. Zedekia will durch einen Wallausbruch entfliehen. Er will Mirjam nicht dem Harem des Nebukadnezar überlassen, und ersticht sie, die als Sühnopfer fteudig stirbt. Ja diesem Augenblicke wird Zedekia wahnsinnig und will als Messias sie wiederbeleben. — Nebukadnezar befiehlt, alle Juden, die noch leben, nach Babylon zu fuhren', Jeremias soll leben bleihen und sein Diener werden. Dieser bittet sich aus, in den Trümmern. Jerusalems bleiben zu dürfen. Zedekia ist gefangen und wird geblendet. Da, in der Mitte seiner Triumphe, wird Nebukadnezar von seinem Traumgesichte heimgesucht, und eilt verzweifelnd ab (die Nemesis'.). Die verwundeten , - ermatteten Juden werdenfottgetrieben. Zedekia tritt wahnsinnig auf, und verkündet als Messias der Welt Freiheit und Frieden. — Jeremias steht allein auf den Trümmern Jerusalems und beginnt sein Klagelied. (Schluß folgt) Nach.einem kaiserl. russ. Befehl sollen 1) alle russischen Hebräer die hebräischen Schriften, die ohne Censur gedruckt, oder aus dem Auslande eingestührt sind, binnen Jahresfrist den Ortsobrigkeiten einhändigen, ohne dafür irgend eine Strafe zu erleiden; 2) sollen die eingehändigten Schriften bewährten Rabbine» unter persönlicher Berantwottlichkeit überliefert werden, die die zu erlaubenden Schriften mit einer eigenhändigen Ausschrist zu versehen, die andern aber der Ottsobrigkeit zurückzugeben haben. (Pr. Staats;.) Redatteur: Br. L. Philippsou. — Verlag von Baumgartners Buchhandlung. — Druck von W. Haack.