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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1837-05-20 · Heft 9 (20.5.1837) · p. Seite 34

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
1 (1837)
Issue
Heft 9 (20.5.1837)
Date
1837-05-20
Page
Seite 34 (sequence 2)
Language
German
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Johann, Dr.‘ Günther, v. Biedermann, Rittersiädt, v.Polen;, Gottschalk, Dr. v. Anunvn und hauptsac^ich v. Posten. Dr. Großmann »rib Bischof Mauerman» waren bei der Berathuug sticht anwestnd. — Prinz Johann «Laote Ach lebhaft gegen alle die Vorschläge mehrfacher Verbote der Ausübung einiger Gewerbe: das Verbot würde bald die Regel bilden, man schneide den Juden die bisherig«» Erwerbszweige ab, und beschränke die neu eingeräumten so, daß die Beschränkung einem Verbot gleichkomme; auch v. Posern: in dieser Gestalt werde schon jetzt das Gesetz dm Hofftumgm der ärgstm Judmfeinde mtsprechm, dm Judm bliebe am Ende nichts, als der Stolz, weil sie glaubm müßtm, sie wärm viel verständiger, klüger und geschickter als dieGhristm, weil man immer und immer wieder als eine ausgemachte Thatsache wiederhole, daß alle christliche Gewerbtteibende zu Grunde gehen müßtm, wenn die Judm mit ihnm concurrirm dürften. Die Mehrheit der Deputation, Prinz Johann, Dr. Günther, Ritterstadt, wollten jedem Judm die Erwerbung eines städtischen Grundstücks, welches er jedoch innerhalb 10 Jahrm nicht veräußem dürfte, gestattm, was mit 26 gegm 7 Stimmen abgelehnt wurde. Dr. Gümhers Vorschlag, dm Judm die Erwerbung von Hypotheken und andem dinglichm Rechten zu gestattm (jetzt kann kein Jude in Sachsm eine Consmsforderung besitzm), fand keine Annahme; er meinte, er. habe nie gefunden, daß christliche Gläubiger ihrm Schuldnern mchr Nachsicht zeigten als jüdische.« — Politische Konlrvle und Abhandlungen. Die Verhandlungm der ersten sächsischm Kammer liegm vor uns. Daß wir keinm Jubelruf darüber ertönen lasten könnm, sicht ein Jeder ein. Da ein Mitglied selbst geäußett (Herr v. Posern), der ärgste Judenfeind dwffe sich nicht bedmken, das so gestaltete Gesetz anzunehmm, so commensttt es sich eigmtlich von selbst. Folgende Bemerkungm mögm jedoch gestattet sein, da sie selbst der ruhigste und.unparcheiischeste Beobachter machm wird. Die Motivm sagm selbst: ^DieStaatsangehörigkeit der Judm muß ausgesprochm werdm, nachdem ohnehin schon eine Gleichstellung derselben hinsichtlich der Militanpflicht, der Gewerbs- und Personalabgabm u. s. w. erfolgt ist.« Sie sollm demnächst dem Staat angehörm, der Staat aber nicht ihnen. Sie sollm affe Pflichten übemchmm, aber nicht alle Rechte bekommm. Es soll kein Unterschied sein zwischen dem, was Jude oder Christ zu leisten hat, wohl aber zwischen dem, was Jude und Christ zu betreiben hat. Sowohl der Gesetzentwurf als die Verhandlung entbehrt also gänzlich des Grundsatzes, die Judm in einm organischen Zusammenhang mit dem Staate zu bringm; denn organisch ist. nur ei» Glied verbundm, in welches das Lebm ebm so vom Herzen aus hineinströmt, als es zum Herzen hinzuströmt. Die sächsischm Judm bleibm aber ein unterbundenes, abgebundmes Glied. Man will dm Zustand der Judm verbessem, weil es gefährlich ist, ihn unverbessett zu lassm, man will ihn aber ja nicht zu viel verbessem, weil es gefährlich sei» soll, ihn wahrhaft zu verbessern. Ihr fonderbarm Judm, nachdem ihr ebm aus einer tausendjährigen Bedrückung herausttetet, fürchtet man euch noch! Was für eine Kraft,'' was für eine eigene Energie waltet , dm» in euch vor, daß euer Dasein «mver und überall ängstigt?; (LMch. i, 4JÖ.) Lassm wir aber dies Alles fahren — dagegen müssen wir uns aber auflehnm, wenn die Gegner behaupten: es sei nicht wahr, daß unter dem Sonnmscheine der Freiheit eine Veredlung der Judm vor sich gehe, und es bedürfe keines Sonnenscheins, um die Nachtheile der Emäncipation der Judm in jenen-Ländern zu sehm! Hiergegm muß das Gefühl ledes Jsraelitm sich auflehnm. Wie? Noch sind die Judm nicht emancipirt, und ihr schet schon an dm Wändm merer Kunstausstellungm Gemälde von Judm, in mem Concerten, auf eueren Brokern höret ihr Schöpftmgm von Judm, bewundert jüdische Künstler, auf eurm Universitätm und Schulen lemet ihr von jüdischm Meistem — sind sie auch getauft, so sind sie doch Judm —- in dm jüdischm Synagogm hott man dmtsche Redner voll Kraft und Sittlichkeit, sehet dm Meßkatalog durch, und ihr findtt Schriftm in jeder Wissmfchast von Judm abgefaßt, unzählige preußische Städte wählen sich jüdische Stadtverordnete, London einm jüdischm Sheriff, in ausländischm Akademiem und Kammem findtt man'Judm, unter dem ftanzösischm und holländischm Offizittcorps Judm, da wo man seit Jahrm dm Judm erlaubt hat, Gewerke zu bttreibm findtt man derm überall, in Gymnasien, Bürgerschulm, Handlungsfchulm, Bolksschulm findtt ihr unsere Kinder nebm dm mrm —- und ihr wollet unsere Veredlung leugnm, und uns in dm Staub drückm, aus dem wir uns selbst, ohne Hülfe, ttotz all« Zurückstoßung und allem Höhnm, kühn erhobm habm — das ist grausam! Nenn« uns doch das Land, wo die Emancipation Schadm gebracht? Klagt Frankreich?' klagt Holland? klagt Prmßm, wo völlige Gewerbfteiheit uns gegeben rst? Habm die Judm die große Handelskrise bewirkt, die so ebm die Reise um die Welt macht? Ist es wahr, daß die jüdischm Handwerk« durch Anlegung von Magazinm die christlichm unterdrückm? Wir habm hi« (in Magdeburg) 10 Mmblesmagazine, ab« kein einziges gehött einem Judm, und doch habm wir fünf jüdische Tischlermeister. Und wenn Judm Magazine anlegtm, könntet ihr das nicht? Prmßm hat das Zrmstwesm aufgehobm, und ist seitdein ein blühmdes Land voll« Regsamkeit gewordm. Prmßm har dm Judm die Gewerbefreiheit gegeben, und es ist seitdem nicht wmig« blühend geworden. Beides schreibt sich aus ein« und derselbm Zeit her. Auf der einm Seite sollm die Judm kleine, beschränkte Meist« sein, und doch v«bitttt man ihnm dm Ausschnitthandel, und sie sollm nur Großhändler sein. Brau« sollm sie w«dm, ab« keine Branntweinbrenner. Habm etwa die Judm das vett)«bliche Gist^ dm Kartoffelbranntwein, «ftrndm und in die Welt gesetzt? vergistm sie damit das Volk? Habm die Judm dm Stärkesycup, den Fruchtzuck« und alle diese Verfälschungen d« Produkte erfunden, nnd sind sie die V«breit« derselbm? Sind es die Judm, welche die strmge Medieinalverfassung, die jährliche Apochekmvisitatt'onm bewirkt habm und durchaus noth- , wendig, machm, daß man sagt, die Judm sollm keine Apoi theker w«dm, weil sie die Mckükarnente verfalschm würden? i Anzuklageü ist so leicht, beschuldigen so kind«-

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