Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 1 (1837)
- Issue
- Heft 8 (18.5.1837)
- Date
- 1837-05-18
- Page
- Seite 30 (sequence 2)
- Language
- German
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30 Belletristik. Die Maranrren. Novelle aus dem letzten Jahrzehend des fünfzehnten Jahrhunderts. * (Fortsetzung.) - 4- Während die Krieger dm sich häufenden und verzweiflungsvollen Ausfällm der Maurm zu widerstchm und die täglich zerstörten Schanzm wieder von neuem zu errichtm hattm, hörte man außerhalb des Lagers vor dm Thorm von Santa-Fe das Hämmern und Lärmen der Aimmerlmte zur Errichtung eines haushohm Gerüstes. Balkenwerk wurde kreuzweise übereinander gelegt, die Lückm mit Stroh und Hm verstopft, eine Mauer von Backsteinm um das Gerüste gezogm. Von Madeira und Teres erhitzt, von Mönchm und Priestern angefeuert, arbeitetm die Leute, als gelte es einem Könige den Thron zu erbaum, und weichin klangm die Lieder der Fröhlichm. Die vom Kampfe abgelösetm Soldatm wandertm Arm in Arm hin und sahm von der Feme ehrfurchtsvoll den befehlmdm Priestem zu, aus der Umgegend hatte sich Volk versammelt, das bereitwillig dm Baumden Hülfe leistete und geschäftig die von der Sonne getrockneten Hölzer von dm nahm Gebirgm herbeitrug. Die. Sonne schim so glühend in das Bauwerk hinein, daß man glauben konnte, es wäre ihr Sttahl allein im Stande es anzuzündeu. Um die Mauer ein Graben, um dm Grabm eine eiseme Kette, nur der Eingang blieb frei. War dies ein Werk zur Beängstigung der Belagettm? Nein! das Gebälk war bestimmt, in Feuer aufzugehm, das Thor bestimmt, mehr als tausend unglückliche Marannos einzulaffen, die nie wieder daraus zurückkehren, derm Gebeine zu Asche verbrannt werdm solltm. Das war der Tempel, dm man hier zu Ehren des Wesms errichtete, welches die Menschm Gott ihrm Vater nennm, der Holzstoß der Altar, wo man ihm die Opfer darbringen wollte. Aber das ist das Holz und der Stein., wo ist das Lamm zum Ganzmopfer? Sehet der Wagm langm Zug, der sich unter dem Zulauf des Volkes von Sevilla herbewegt; auf dmselbm mit schweren Fesseln belastete Greife mit langem weißem Silberhaar und graum Bättm, mir dlinzenden Augm und hoher Stim, mit ängstlich lauschendm Blickm. Und hinterher werdm Männer, Weiber und Kinder vorwärts getriebm, wie die Heerden der Merinos , von rohm Lanzmknechtm. Die Unglücklichen! hier laut heulmd, hier still weinend, dort die Lippen voll Ingrimm krampfhaft fchließmd, dort um einen Trunk Wasser flehend. Was soll das Getümmel an fenem Ende?, dott fließt Blut! Ein Vater hat dem Knechte die Lanze mttissm, Sohn, Mutter und Säugling, den Verfolger und dann sich selbst durchbohrt.... »Es lebe.Gott, Tod dm Marannos!«.. »Lobet Jehovah, denn ewig wähtt seine Güte!« Das ist der schaurige Wechselgesang, dm man höret. — Vor dm. Thorm Sama- Fe's, vor dem Lager der Spanier, vor dem erbauten Scheiterhauftn sind sie angekommen. Aber die Sonne geht unterdie Nacht breitet ihrm schwamm Schleier aus, drobm funkeln die Steme, Planetm kreism ihre ewigm Bahnm, ihrm Sphärengesang unterbrechm keines sterblichen Königs Befehle, sie kreism und rollen in himmlischem Tanze, keines Herrschers Macht erreicht sie. Tauche unter, Sonne, erscheine dm Bewohnern der unbekannten Erdhälste, Noch leöen sie ruhig und und harmlos, bald, bald wird auch ihr Glück zerstött, ihr Friedm gewichm sein, denn das Vechängniß naht. — ' Der Tag bricht an, eine unabsehbare Mmge steht vor dem Lager, in glanzender Rüstung die Krieger, Mönche mit dem heiligm Kreuze, mit geweihten Hostim, mit klingmder Monstranz. Auf hm Mauern Grmada's haben sich gaffmde Volkshaufm versammelt. Ringsum erhebt sich ein Amphitheater, gedrängt von Menschm, die ftmdigm Blickes des Schauspiels harrm: selbst der König ist da, vom Vivatruf des Volkes begrüßt, sieht er vom Balkon des Palastes herab. Torquemada besteigt eine Tribüne, er spricht, rings umher herrscht Stille. Er hält dm Unglücklichm ihre Sündm vor, um mit wohlerwogenen Wottm das Mitleid aus dm Herzen der umstehenden Gläubigen zu verscheuchen, sie habm die Gnade, die ihnen durch die Aufnahme in dm Schooß der christlichm Kirche verliehm wmde, ftevmtlich verscherzt durch das Verharrm im sundhaftm Streben. Noch einmal ermahnt er sie, dmch rmige Bekehrung vor dem. Tode die ewige Verdammnis von sich abzuwmdm — und auf einen Wink mtzündet sich der cölossale Holzstoß. Da wirbelt auf die mächtige Flammensäule zum klarm Himmel, aus dm geöffneten Pforten steigt der Rauch und zieht die Gluth wie aus Schmiedesesse. Unter den gebundmm vorwärts getriebenen Schlachtopfern ertönet ein lautes Hosianah, mit feierlichm DaDßespsalmm im Munde schreitm sie dem Höllenpsuhle entgegm, Väter ergreifm ihre Söhnleiu, Mütter die Säuglinge und springm vereint in die Gluthm, andere flehm um Gnade, bethmem ihre Bekehrung/ aber der Soldatm Befehle und die gezückten Schwerter stoßm sie vorwärts, Jünglinge werdm wüthmd vor Bezweiflung und fallen unter dm Schwettem, ihre Körper werden »achgeworftn. Eine grause halbe Stunde vergeht, das Klaggeschrei und das Stöhnm der Sterbmdm hat längst aufgehött — aber die Flamme lodett noch und das Hohngelächter der Mmge und der Freuderuf des verblmdetm Volkes wird noch gehört bis Asche die Gebeine bedeckt und die Monstranz zUm Gebet, die Abmdglocke zur Ruhe ruft.