Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 1 (1837)
- Issue
- Heft 8 (18.5.1837)
- Date
- 1837-05-18
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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I. Z-hrs-»g. StCCg Enteilte No. 8. Zeitung des Judcnthmrw. Ein unpartheiisches Organ für alles jüdische Interesse. (Mit Köaigk. Sächsischer allergnädigsier Coacesiioa.) - Leipzig, den l8. Mai 1837. Politik. Zeitungsnachrichten. (Uebersicht der Ereignisse vom Januar 1837 ay.) (Fortsetzung.) Beider besondere» Berathung gab schon der erste Paragraph, daß Juden nur in Dresden und Leipzig wohnen sollten, Veranlassung zu langer Debatte. Die Deputation suchte den Einwurf der Ungerechtigkeit zu entfernen, und hatte in dem großem und - reichem Gcwerbestande der gedachten beidm Städte ein besseres, kräftigeres Gegengewicht, als in dem Gewerbstande einer kleinen armm Stadt erblickt. Nur der Referent Ritterstädt war für die Ausdehnung der Maßregel. Der Bürgermeister Drcsdms dehnte in einem Amendement die Erlaubniß auf alle Städte, also nicht auf das platte Land aus, vereinigte sich aber bald mit dem Amendement des Bürgermeisters von Leipzig, der die Erlaubniß aufdie Städte von 6000 Einw. erstreckt wissm wollte. Ziegler und Klipphauftn behauptete, daß die Gerechtigkeit nicht das eigentliche Motiv zu dieser Bestimmung sei, sondem vielmehr die polizeiliche Aussicht, welche über die Judm zu Dcesdm und Leipzig viel besser ausgeübt werden könne. Mehrere Mitglieder zeigten an, daß, wenn man von dem Artikel des Gesetzmtwurfes abweichcn würde, sie gegen das Gesetz stimmen würden. Der Paragraph wurde angenommen. — Besondere Debatten verursachte die Bestimmung des §.6, die dm Judm das Halten volz Apothekm, die Betteibung von Gast-, Speise-und Schmkwitthschast, und dm Schacher- und Trödelhandel untersagt. Die. Deputation hatte hiezu noch dm Buchhandel, die Branntweinbrennerei und die Betteibung der Advokawc gefugt. Für dm dm Judm zu gestattmdm Buchhandel, erklärte sich rßkhdrücklich vr. von Ammon. Schon Muhamed habe die Judm für ein Büchervolk erklätt: durch sie könne man die seltensten Bücher, besonders aus der orimtalischm' Literatur, mit großer Leichtigkeit erhalten. Wolle man einm Grund aus ihrem Eigennütze hemehmm, so würdm christliche Buchhändler ebm so eigennützig befunden. Uebrigms wisse er aus sichrer Quelle, daß der dritte Theil der dmtschm Buchhändler bereits Judm oder wmigstms getaufte Judm seien, vr. Günthe^der 17 Jahre lang Konsulmt der Leipziger Buchhändler war^ wollte. ihn dm Judm nicht gestatten. Für diese Ansicht mtschied sich die Kammer mit 21 gegen 9 Stimmen. Ebm so verneinte sie die Erlaubniß der Branntweinbrmnerei und die Betteibung der Advokatur, vr. Deutlich stellte ein Ammdemmt, daß ihnm Klein- und Ausschnitthandel nicht.gestattet, wohl aber Grosso- und Wechselhandel, so wie das Speditionsgeschäft erlaubt sein solle, wmn ihnen Koncession von Seitm des Ministerii des.Jnnem .dazu ertheilt wordm sei. Dieses Ammdemmt wurde angenommen, und dm.letztgedachtm Ausnahmm durch dm'Bürgermeister Schill auch noch der Viehhandel, worunttt jedoch der Pferdehandel nicht mitvttstanden wttden sollte, angereiht. Dagegm wurde ein Ammdemmt Hüblec's, dm Judm dm Weinhandel,, die Brau-, Bäcker - und Fleischergewerbe, so wie das des Grafm von Einsiedel, das Kleidermachm und Juwcliergewerbe zu untersagen, beseitigt. — Dtt §. 7, die Bestimmung der Zahl jüdischer Meisttt und Gesellm, gab ebmfalls zu lebhaftm Debattm Anlaß; man machte zum Grundsätze, daß das Verhaltniß der Judm zur christlichen Bevölkerung die Richtschnur abgebm müsse. Ferner nahm man ein Ammdemmt des Domherm vr. Günther an, nach welchem dm Judm nicht gestatttt wttde, mit andem, als dm von ihnm, ihrm etwaigm Gesellm und Lehrlingm verfertigtm Waarm Handel zu tteibm. — Das Ammdemmt des Bürgermeisters Hübler, dm Judm die Anlegung von Magazinen zu untersagen, ging nicht durch, besonders da man sich überzmgt hielt, daß schon genug der Beschränkungen in's Gesetz gekommm wärm; wie denn unter Andem Herr v. Po fern äußette, daß sich der ärgste Judenfeind nicht bedenken dürfe, dasselbe anzunehmen. — Mit einer großen Majorität wurde der Erwerb und Besitz von Grundstückm, ttotz bec becebtm Verteidigung des vr. Günther, verneint. — Beim Namensaufruf wurde das Gesetz mit dm angegebmm Verändemngen angenommen. Nachttäglich steht noch auf btt nächsten Tagesordnung ‘ die Frage über die Gestattung bec Ehe zwischen Judm und Christen. Paris, 26. April. Von dem philharmonischm Wohlthatigkeitsvtteine, an dessen Spitze Meyerbeer und Halev y stehm, wird am 29. d. M. das erste Concert, und zwar zum Bestm dtt Lyonw Arbeittt, gegeben. Meyerbeer hat eine Nationalhymne componitt, die jedesmal zum Schlüsse gefungm wttden soll; außttdem läßt ex eine große, noch nicht httausgegebme Seme aufführe». Die Concttte wttdm im Saale von Vauxhall gegebm, dtt ftei gestattet wordm. .Das Billtt kostet 20 Fr. (5 Thlr. 10 Gr.). »Die Billets wttdm von dm bedmtmdstm Damm verkauft, so von dtt Gemahlin des Ministers Mole, auch dtt Mad. I. v. Rothschild.