Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 1 (1837)
- Issue
- Heft 5 (11.5.1837)
- Article
- Die Marannen
- Date
- 1837-05-11
- Page
- Seite 19 (sequence 3)
- Language
- German
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19 wendete sie sich zum Bedrängt««, -ihre blendende Schönheit und unerwartete Kühnheit machten die Verfolger stutzend, sie ergriff die Gabe, hielt ein kleines Brod fest im Arme und warf/das Uebrige weit unter die Menge, den Diener mit sich in's Haus ziehend. Da stürzten sie untereinander wie hungrige Wölfe über das Brod her, sich selbst verfolgend und schlagend, während Nissa mit dem' Gemeindediener und der Tochter in's Haus zurückkehrten, das sieverschlossen. »Seit Jerusalems Belagerung,« begann der jetzt beruhigte Almofenträger, »hat man solche Greuel nicht gesehen, ehrwürdiger Nissa! Wahrlich, wäre ich Euch nicht durch den Unterricht, den Ihr meinem-Sohn crtheiltet, dankbarlich verpflichtet, ich hatte den Gang zu Euch nicht gewagt. Das war der'dritte Haufe, der mich beunruhigte. Wie wird das enden? Hat man erst unsere Vorräthe erspähet, so ist, die Gemeinde verloren!« »Der Hwr wird Israel retten aus aller seiner Noch;« erwiederte Nissa tröstend. ' »Besser wäre es uns hier umzukommm, als in die Hand.e der Christen zu fallen.« »Ihr habt eine wunderbare Tochter, Vater Nissa! Ist sie zwar deutsche^ Herkunft, so überstrahlt sie doch Sephrads Töcht« an Anmuth und Tugend. Tochter! du übest das süßeste und doch schwerste Gebot, du ehrest deinen Vater, und so wird es deinem Leben an Freuden nicht fehlen, denn die Verheißung ttüget nimmer. Aber hört! das Geschütz der Spanier beginnt das ernste Spiel wieder. Wahrlich, Esau ruhet nimmer! 3. Wirklich hatte man sich im spanischen Lager schon angeschickt, die erlittene Niederlage unter den Augen des Königs zu rächen. Der tapfere Heerführer Gonzalvo von Cordova ritt bestürmt neben dm königlichen Herrschem, die nicht anstandm, das blutige Leichcnseld zu sehen, und mußte Vorwürfe des Gebieters über Sorglosigkeit hörm, was dm nachfolgenden Geistlichm eine geheime Freude zu machm schien. Das Geschütz wurde von Nmem auf die Werke gerichtet und ttaf schon die' hervvttagmdm Moscheen der Stadt, einst christliche Kirchm; man bereitete einen Sturm auf die Wälle, hier arbeitetm Minirer, die Hollenschlünde zu der unglücklichen Stadt immer weiter und weiter vvrzusührm, dort stand die Mannschaft bereit, etwaige neue Ausfälle kräftig zurückzuschlagen. Aber auch an diesem Tage wurde die spanische Tapferkeit durch die standhafte Wehr der Moslemin vereitelt, man ffah, daß unzerstörbare Schanzm hinter dm Wällm aufgethürmt warm, man sah die durch die gereichten Lebmsmittel crftischtm und durch dm Erfolg belebtm arabifchm Krieger rüstig arbeiten und das Geschoß der maurischen Reiterei ttaf manchen Jüngling von dm Ufern des Man^inares und Tejo. Düstem Sinnes kehrte Ferdinand, bcangsiigr Isabelle nach Santa-Fe zurück- Da ttat in das königliche Gemach Thomas von Torquemada ein, ein Mann, auf dessm Gesicht nie ein Lächeln gewohnt,.— die funkelnden schwarzen Augen mit dicken Braum besetzt, die niedere Stim immer gerunzelt; das krampfhafte Zucken der Mundwinkel bei seinem Sprechen verrieth dem Beobachter das Toben im Jnnem der Brust und He Anstrengung, diese Gefühle unter dem Schein der Ruhe zu vcrbcrgm. Selbst beim Könige merkte man dm Eindruck, den die Erscheinung dieses Mannes auf ihn machte. »Ich komme vielleicht zu Unrechter Zeit, Monarch,« cedtte er dm König an. »Die Wacht des Glaubms, Großinquisitor, findet die Könige Aragonims und Kastilims immer zu hören geneigt.« »Weil der Glaube der Schutz des Thrones und die Bedingung des 'spanischen Ruhmes ist.« »Fehlt cs an diesem in unserer Brust, heiliger Mann?« »Der Glaube ist kalt und wirkungslos, Majestät, wo ihn der Eifer nicht beseelt. Doch zur Sache, erhabener Herrscher! Vergebens verlierm wir die Blüthe unserer Jugend im Kampfe gegm diese maurische Brut, in meines Königs Erbländern ist der Rost, der die spanischm Waffen bedeckt. Wahrlich, so lange dort die Ketzerei nicht ausgerottet ist, erflehm wir vergebms des Erlösers Hülfe gegen die Ungläubigen.« Ferdinands Blick wurde gespannt. »Der Inquisitorvon Sevilla berichtet mir, daß man unter dm Gemeindm, die dm Namen der neum Christen heuchlerisch angmommm, schändliche Marannos im Ueberfluß gefunden. Sie haben unsere heilige Religion zur Maske herabgewürdigt, hinter welcher sie ungefährdeter niedere Zwecke zu erreichen streben. Man ttaf sie bei ketzerischen Eörauchen, das maccabäische Wcihefest feiernd, - ^ran ttasi sie. bei ihren gottesläugnmdm Büchem. am Judmsabbathe, man^ftmd ihre Gebetmantel in verborgenm Schreinm, man sah Vater aus der Kirche kommend und dmnoch ihre 'Söhne^in^^liKen?- Glaubenslehren unterrichtmd, und um b1 f das Höchste zu tteiben, sie habm das heiliIDDeWS^^^W, sie habm die Hostie durch Feuer entweihet, - sie haben bas Bild der Gebmedeitm in dunkle Kammern gehängt, wo si» cs schmähten, verletztm ...« »Und habt Ihr Beweise,« fiel hier Isabelle dem immer mehr in Eifer gerathenden Priester in's Won, »habt Jbr Beweise solcher Greuel?« »Kamr solches dem wachsamen Auge der Kirche entgehen, Königin? gelten die Eidschwüre wahrer Christen gegen das Läugnm der Marannos nicht? Es handelt sich hier nicht um