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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1837-05-11 · Heft 5 (11.5.1837) · p. Seite 20

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
1 (1837)
Issue
Heft 5 (11.5.1837)
Article
Die Marannen
Date
1837-05-11
Page
Seite 20 (sequence 4)
Language
German
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Beweise, es handelt sich um Strafe; verzögert Zhr diese, so ist des Himmels Rache für Spanien zu fürchten.« Beide Monarchen standen in sich gekehrt da. Der Großinquisitor, den Eindruck seiner Worte meckend, fuhr fort: »-Ein allgemeines Murren hat sich im Volke verbreitet, unsere Sorge sei, daß diese Unzufriedenheit das Heer nicht anstecke. Diese Schmarotzerpflanzen des stolzen Gewächses katholischer Religion saugen ihr das Mack aus. Nur der Arm der Kirche konnte sie dem vorschnellen aber gerechten Urcheile des Volkes entziehen.« »Und was wollt Ihr von mir?« sprach Ferdinand, »habe ich Euern Arm so stack gemacht, bedürfet Ihr noch meinen Rath? « Torquemada fühlte den Vorwuf. »Wohl bedarf es dessen, Majestät) denn des Königs Gerechtigkeit steht neben der Kirche. Es bedarf Eures Befehls, erhabener Herrscher.von Aragonien und Kastilien, um hier in Santa-Fe vor dem Auge des Heeres durch eine feierliche Auto da Fe die Gottheit zu versöhnen, das Herz der Soldatm zu gewinnm und dm Maurm die Strafe eines langen Widerstandes fürchtm zu lassen. Wie lange soll noch auf Spaniens heiligem Bodm ein anderer als ein wahrer Christ sich König nennen, wie lange soll in dm ehemals christlichm Tempeln das Geschrei der Jmans ertönm? « Der Priester wmdete sich jetzt vertrauensvoll zu Ferdinand: »König, die Zeit drängt, glaubet mir, mit den Marannos und Mauren stehm widerfpmstige Grandm in Verbindung, die mit Eifersucht die Macht der Könige wachsen sehen und auf unerwartete Riederlqgen hoffen, ihre gedemüthigte Stellung zu verändern.« Dies hatte getroffen. — Das Heer vernahm jauchzend die Kunde des baldigen Glaubensfestes. (Fortsetzung folgt.) Lrteratrrr. Die »Klagen eines Juden« (von I. Jacoby in Berlin), Mannheim, bei Heinrich Hoff, haben schon mannichfaltige Beurtheittvagen in den Zeitschriften erfahren. Am ruhigsten, und wenigstsrsÄSt voller Würdigung des poetischen Werthes, bespricht sie deMWMeoMM den Bl. f. literar. Unterhalt. Nr. 102. (vom AvrstW! findet er, daß das Weh des Judenthums im Mangel ai» chriMchcm Bewußtsein liege, und meint, daß die Erlösuna des Judenthums nur durch die Bekehrung bewirkt werde. Wir sagen ihm aber und allen denen, die diese so oft schon ausgesprochene Ansicht theilcn, daß das Weh des wahrhaft gebildeten Israeliten darin liegt, daß er in den Grundlehren seiner Religion das Heil der ganzen Mmschheit enthalten glaubt, und dieses Heil von so wenigen Erdensöhnen (Juden nicht ausgenommen) anerkannt, sondern verschmäht, zerrissen urid umnebelt sieht. — In den nächsten Blättern unserer Zeitung wird eine ausführliche Beurtheilung dieser Klagen Platz finden. r Nekrolog. I (Tortsetzung.) Don wohlgesinnten und allgemein geachteten Aeltern zu Dresden im Jahre 1771 geboren (sein Vater Beer Hirsch stammte aus einer angesehenen Familie in der bairischen Oberpfalz-, und feine Mutter Sara war die Tochter des damaligen Königl. Poln. und Churfirrstl. Sächf. Hoffactors und Banquiers Simon Jsaäe Bond izu Dresden), wurde ihm frühzeitig schon jenes innere Rechtsgefuhl und jene höhere Selbstachtung eingeflößt; Eigenschaften, die den Menschen von dem Staube des Alltäglichen erheben und in ihm ein Wesen erblicken lassen, das höheren Ansprüchen zu genügen hat.- Bestand der Unterricht, den der junge Hirsch Beer erhielt, allerdings nach damaliger Weise größtentheils im Talmud, woran man an dem vorletzten Tage jeder Woche einige Abschnitte aus der Bibel mit Raschis Commentar spärlich anreihte, während Deutschlesen, Schreiben und Rechnen nur in einer Privatstunde gelehrt wurde, so schenkte er Loch, ohne den Talmud — besonders dessen Text, die Mi sch na — je zu vernachlässigen, in früher» Jahren schon den biblischen Büchern des Alten Testaments volle Aufmerksamkeit, beschäftigte sich in Ncbenstunden fleißig damit, so daß er, namentlich im Pentateuch so wie auch in den Psalmen, Spr. Salomonis, dem Buche Hiob rc. sammt ihren Commentaren eine solche Kenntpiß sich aneignete, auf jedes irgend im Leben vockommende Ereigniß eine paffende Stelle aus der Bibel oder einem Commentare als Pendant oder Parallele angeben' zu können. — Nächstdem befleißigte er sich schon in früher Jugend regelrichtiq deutsch zu schreiben und die ftanzösische Sprache zu erlernen, welches damals zu den Settenheiten gehötte. Durch das Ableben seines Vaters, den er nach kaum zurückgelegtem. 13. Lebensjahre verlor, auf das Geschästsleben nothwendig hingewiesen, fuhr.er nrchrs desto weniger fort, .sowohl iu religiöser als in allgemeiner Beziehung sich möglichst zu unterrichten, und wendete die Mußestunden fast ausschließlich dazu an. — Mendelsohn und seiner Schüler Uebersetzungen und Erläuterungen mehrerer biblischen Bücher, die um jene-Zeit erschienen, durchlas er sorgfälttg, eckannte den hohen Wetth dieser Arbeiten, und vertheidigte sie stets gegen das Einreden mancher obscurantifchen Eiferer. Den ungemeinen Nutzen jener neuen Uebersetzungen, besonders für den Jugendunterricht, strebte er auch in späterer Zeit noch praktisch zu erweisen; so hatte Schreiber dieses kaum das 7. Jahr erreicht, als der Verewigte niit ihm die Bücher Josua bis Könige und die 12 kleinen Propheten in der Ursprache und den eben in Fürth und Dessau erschienenen'neuen Verdeutschungen gründlich durchging und auf häufige Wiederholung dieser Studie» drang. — Auch gehörten, nebst den Commentaren Adarbanels, besonders die jetzt leider zu wenig beachteten hebräischen Schriften H.Wessely's zur Lieblingslectüre Hirsch Beers. Namentlich fesselte ihn gern Wessely's eruditer Commentar zum 3. Buche Mosis, seine umfassende Abhandlung über die Sprüche der Väter, worin gewissermaßen das ganze Religions - und Moralsystem der Rabbinen der Mi sch na in einem glänzenden und doch so sehr faßlichen hebräischen Style auseinander gesetzt ist. Eben so las er Vieles über neuere und neueste Geschichte und andere wissenswerthe Gegenstände, wobei er gewöhnlich ein richttges prattisthes Urtheil bewährte. (Fortsetzung folgt.) Druckfehler, In No. 3. Seite 12. Spalte 2. Zeile 27 von unten lies Lasten anstatt Kasten. Rcdacteur: vr. L. Philipps»». — Verlag von Baumgartvers Buchhandlung. — Druck von W. Haack.

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