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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1837-05-11 · Heft 5 (11.5.1837) · p. Seite 18

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
1 (1837)
Issue
Heft 5 (11.5.1837)
Article
Die Marannen
Date
1837-05-11
Page
Seite 18 (sequence 2)
Language
German
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18 vollendete, den die Erscheinung des hochgewachsenen Mannes machte. Man mochte ihn für eine» Greis in noch männlicher Kraft halten, obgleich er noch nicht sechzig Jahre zählte. »Du bist ermüdet, meine Tochter,« sprach er gütig zur Jungftau, »der Lärm der vergangenen Nacht hat dein junges Gemüth 'erschüttert, obgleich wir des Sturmes um uns her schon gewohnt fein sollten. Furchtbar ist's, wenn Jsmael mit Esau .krieget, furchtbarer noch, wenn sie ruhen und -Israel ihre Muße empfindet. Mir sind solche Kriegsauftritte nichts Neues, meine Tochter, ich habe deren schrecklichere erlebt. Deutschland ist mein Vaterland, an.den Ufern des Rheins durchlebte ich meine Kindheit, da brachte jeder Tritt Gefahr, denn die Beute des Kampfes der Edlen war der Gemeine. Als Jüngling durchwanderte ich das Morgenland, das heilige Land unserer Vater war das Ziel meiner Reisen, auf den Trümmern des Tempels wollte ich beten, aber zum Gebete war dort keine. Stätte, wilde arabische Horden verscheuchten den Pilger und vergönnten ihm die Thräne nicht,' die er dem Unglück seines Volkes weinen wollte. Ich kehrte zum Vaterland zurück, ich lernte deine Mutter kennen, tu wurdest unsers bedrängten Lebens Freude.- Und der Glan; unserer Schulen am Euphrat und Tigris hatte sich nach Westen in dies gesegnete Land gezogen, hier sollte des Wissens Durst - Beftiedigung finden, hier sollte man der heiligen Beschäftigung mit dem Worte des Herrn ungestört und in Ehren leben können, — ich nahm mit Weib und Kind den Wanderstab nach Sephrad; sechzehn Jahre bin ich hier; die wilde Taube hat ihr Nest, der Fuchs seine Höhle, der Mensch sein Vaterland— Israel nur das Grab. Noch hat der Zorn des Herrn von seinen Söhnen nicht nachgelassen. Auch hier ifr's vorbei mit.unserer Ehre, mit unserer Ruhe, wenn das Kreuz sieget.« Er stand jetzt auf und blickte aufwärts: »Selrma, verklärte Selim«»l-«h habe dein Kleinod bewahrt, mehr wie den ^Apfel meines Auges^ Ltls ist der herbeste Schmerz, mein Kind darb« Aschen!« .. »Vaters sagte jetzt Dknah sanft mahnend, »vergäßest, du dä^Wort^^^Nültnisten: »Ich bin jung gewesen und auch alWW^^^Mroch nie sah ich den Gerechten verlassen und fern Kind Bwo suchen,« und das des Propheten: »Kann die Mutter vergessen ihres Säuglings, daß sie sich ihrer Leibesfrucht nicht erbarme? vergäße ^sie sein, ich will dein nicht vergessen!« Sie erhob sich und umschlang mit ihren vollen zarten Armen den Hals des Vaters : »Entbehrung, Vater, ist das Loos des Israeliten, die Leiden, der Erde müssen gelitten werden und reißen sie auch unsere schönsten Blühen hinweg. — Sieh, wie die Morgensonne so schön in unsere bescheidene Klause scheint.« — »Sie beleuchtet die blutige Erde von erschlagenen Menschenkindern, aber auch das Schauspiel kindlicher Liebe und menschlicher Demuth, Hallelujah!«" Und das Antlitz ihren Sttahlen zukehrend, verrichteten beide still und andachtsvoll ihr Morgengebet. Diese feierliche Ruhe eines geweiheten Stilllebens wurde durch das Getöse unterbrochen, welches in den Sttaßen Gcanada's laut wurde. . Der Gewinn. des nächtlichen Ausfalles war ein bedeutender Transport Lebensmittel, Boabdelm ordnete selbst die Vettheilung an, aber auch die Gegenwart des erhabenen Beherrschers der Gläubigen konnte die Unordnung der verhungerten Menge nicht hemmen, die gierig auf dir Beute sich warf und die vergebens von den Gewehrkolben der Soldaten abgewehrt und von den Großen zur Ruhe gemahnt wurde. Die nicht unbedeutende Menge jüdischer Glaubensgmossen in Granadawäre aber schon langst dem Hungertode verfallen, wenn nicht die Vorsorge ihrer Aeltesten bei . Zeiten das Uebel vorausgeschen und in den Räumen ihrer Synagogen und Schulen, ja ftlbst auf dm oberstm Böden derselben der Lebensmittel beträchtliche Mmge aufgehäuft hätte, mußte es sich sogar die heilige Lade gefallm.lassen, anstatt der - Gefetzesrollm Brod auftunehmen. .Der Armmvater der Gemeinde versorgte die Darbmdm, und man hatte die Gewißheit, noch geraume Zeit Vorrath zu besitzm. Auch stellte man zum Schein bei jeder össentlichm Brodvertheilung zerlumpte Juden hin, die anscheinend betrübt nach Hause gingm, wenn man ihnen anstatt Brod Hohn und Spott ettheilte. Aber dennoch fiel es dem Pöbel mdlich auf, die Judm in sorgloserer Ruhe und . weniger am Mangel leiden zu sehm. Der Sieg in der vergangmm Nacht erregte in der unerfahrttcn Volksmasse von Neuem den Uebermuth, und man schickte sich an, die Quellen zu erspähen, aus denen dm Juden hier wiederum das. Manna in der Wüste kam. —- Eben wendete sich ein Gemeindedimcr um die Ecke der Sttaße, in welcher Nissa wohnte, unter dem weiten Mantel verbarg er die Gabe, die er dem obgleich von Gcbutt ftemden, doch wegm seiner Frömmigkeit und Gelehrsamkeit geehrtm Manne, bringm wollte, als ein Haufe des niedrigsten Pöbels ihn anfiel und zuerst die Hälfte, dann das Ganze des Verborgenen mit lauter Stimme forderten »Ich bringe cs, liebe Leute, einem altm Manne und Lehrer der Gemeinde, der Kadi hat es mir selbst für ihn gegeben, ich bitte euch, lasset ab und ladet dm Zorn des oberstm Gottes nicht noch mehr auf euch. Aber immer wüthmder wurde das Geschrei, ein Maure der untersten Klasse schwenkte dm krummen Sabel über des Zitterndm Haupt, ein anderer gchss nach der Beute. Da stürzte Dinah aus dem Haufe, gefolgt von dem ängstlich rufendm Vater; schnell

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