Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 2 (1838)
- Issue
- Heft 57 (12.5.1838)
- Date
- 1838-05-12
- Page
- Seite 230 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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250 gegen zu bringen. Darum trete das Judenthum jedes Mal Ln die Außenwelt ein, wenn eine Zeit reif ist, den Stoff wahrhafter Religion anzunehmen und zu verarbeiten, trete aber immer wieder zurück, sobald der abgegebene Stoff von der gesellschaftlichen Welt aufgelöst und — nicht zerstört — sondern nach dem Zeitverhaltniß modisicirt Und äptirt zu werden beginne. Diese Erscheinung zeige sich schon durch ihren Eintritt in Egypten, durch ihre Wanderung nach Babylonien,'durch die Zerstörung Ln die heidnische Welt mit dem Beginne des Christenthums. Darum sei auch das Judcnthum stets in Conflict mit der gesellschaftlichen Welt, gestanden , weit sich ihre beiderseitigen Tendenzen gegenüber standen und entgegen arbeiteten. Die gesellschaftliche Welt, habe sich aber dadurch bewogen gefühlt, die Juden mit dem Judenthume/ das Individuum mit der Idee zu verwechseln, und habe dadurch das Geistige Ln das Reich des Materiellen hinabgezogen. Je mehr aber die Welt gegen das Judenthum stieß und trieb, desto mehr mußte sich dieses wiederum von den Resultaten der gesellschaftlichen Wslt zürückziehen, und durch innere und äußere Vernachlässigung des ästhetischen Ueberzuges zu der Stuft der Veralterung in seiner äußeren Erscheinung sinken, auf der es stände. Unlaugbar nahe sich aber eme Zeit, die wieder einer ähnlichen Emanation des Judenthums Raum schaffen wollet eine Zeit, die desto großartiger sein wird, je mehr das Seldstbewußtsein der Menschheit Lndeß gewachsen. Das Zeichen dieser nahenden Zeit Ware eben die abermalige Annäherung des Judenthums in sich und seinen Anhängern an die gesellschaftliche Welt, der Zustand der Auflösung, in welchem diese sich befinde, was Alles, wenn auch, nach den glücklichen Resultaten der verflossenen en zwei Jahrtausende, in viel höherer Anlage, den Verhältnissen des Römerreiches gleiche. Mit wahrhafter Begeisterung vertiefte sich Jonathan in diese prophetische Gedankenwelt, und diese, frische und Lautere Begeisterung des theuern Mannes schuf eine neue Welt voll geistiger Reize für Julie. Ihre herrliche Seele füllte und berauschte sich mit dieser Strömung neuer und anregender Seelenthatigkeit, wo die Gestalt des Geliebten mit der Befriedigung der hohem Bedürfnisse Hand in Hand ging. Die gewöhnliche Gesellschaft verlor für sie an Reiz, sie fing sich an, zurückzuziehen. (Fortsetzung folgt.) Correspondenzcu, Auszüge, Repliken. Schmirgel im Großherzogth. Posen, Ende März. Die innen, und äußern Bechälkniffe der Gemeinden Schmiegel und Kosten. #) Die rühmliche Aufmerksamkeit, welche Sie, geehrtester Herr Redacteur, den Angelegenheiten des Iudenthumö widmen, wie die gefällige Bereitwilligkeit, mit der Sie allen Biedermännern, die es mit dem wahren Wohl Israels redlich meinen, ein würdiges Organ bieten, ihre Stimme zu veröffentlichen; gewähren dem R'cf. die angenehme Hoffnung, daß Sie auch folgenden, die hiesige und die Nachbar-Gemeinde der Stadt .kosten betreffenden Notizen, die Aufnahme nicht versagen werden, da sie ebenfalls einen Beleg zu der von unfern Gegnern nur zu oft verlaugneten Wahrheit liefern, welcher rege Sinn für alle bessere Bestrebungen der fortschreitenden Zeit, selbst in so mancher kleinen unbemerkten Gemeinde still und geräuschlos waltet; seit eine hohe Behörde es nicht für' zu gering achtet, auch unfern innern Angelegenheiten einige Aufmerksamkeit zu schenken 7 und nur'ein belebender Wink vom Throne herab die schlummernden Kräfte zu wecken und zu entwickeln begann. Der hiesige Ort zählt 52 jüdische Einwohner, die, wenn auch alle dem streng rechtgläubigen Softem anhangend, und raschen unbewährten Neuerungen abhold, doch im Allgemeinen viel Sinn für wesentliche Verbesserungen, für Befriedigung ihrer 'sittlichen und geistigen Bedürfnisse an den Tag legen; vorzüglich sind die jungen Mitglieder, obgleich ohne Ausnahme dem Geschäftsleben angehörend, und einem eigentlichen Studium nicht obliegend, ernstlich bemüht, durch Anschaffung anerkannt nützlicher und belehrender Schriften, den Sinn für wissenschaftliche Bildung immer mehr zu wecken und zu nähren, bessere Ansicht und hellere Begriffe über die höchsten Interessen der Menschheit, und des Iudenthumö insbesondere, zu verbreiten; und ihre unermüdliche Thätigkeit, die keine Opfer scheut, hat auch schon reichliche Frucht getragen. Schon achten es die meisten Familienvater als eine heilige Pflicht, ihre Kinder zum fleißigen Besuche der Elementar-Schule anzuhalten und lassen es ihre wichtigste Angelegenheit sein, ihnen eine verständige, zeitgemäße Erziehung zu geben. Doch wie überall, fehlt es auch hier nicht an geheimen Finsterlingen, die mit scheelen Augen und verbissenem Ingrimm auf diese muntere Beweglichkeit herabblicken, und wenn auch offene Opposition, wie es Ehrenmännern geziemt, aus Feigheit und Unwissenheit scheuend, und selbst den Schein des Mitwirkens für das Gemeinwohl zu bewahren suchend, durch ihre Zweideutigkeit und Heuchelei doch immer die Pest gesellschaftlichen Verbandes bleiben, und einen hemmenden störenden Einstuß üben. Der hiesige Rabbiner, ein Mann von ausgebreiteten talmudischen Kenntnissen, zeigt sich als Schul-Vorsteher dem Fortschritt sehr geneigt, und dringt bei öffentlichen Prüfungen und sonstigen Schul-Aevisionen besonders darauf, daß der Jugend eine gründliche wissenschaftliche Sprachkennrntß der heiligen Schrift beigebracht werde. Doch erlauben wir uns folgende Bemerkung. Zwischen dem wilden fanatischen Eifer, der im Namen Gottes das erste Gebot der Liebe verhöhnt, und der allzu ruhigen, nahe an Ändifferenrismüö streifenden Kaltblütigkeit, gibt'S in der Scale der hohen und riefen menschlichen Stimmung, zum Glück der Sterblichen, noch einen dritten Ton, der in den edelsten Herzen Anklang findet, und feine Wirkung auf die Genrüther selten verfehlt: es ist der Ton frommer Begeisterung für das Göttliche und Erhabene, für das Heilige und Gute, für Alles was den Menschen erhebt, veredelt und seiner °) Wenn dieser Artikel auch viele lokale Einzelheiten enthalt, so erinnere man sich, daß da, wo eS sich um die Rectificlrnnq allgemeiner Ansichten handelt, vorr Einzelheiten auSgegangen werden must. Red.rct.