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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1838-05-12 · Heft 57 (12.5.1838) · p. Seite 231

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
2 (1838)
Issue
Heft 57 (12.5.1838)
Date
1838-05-12
Page
Seite 231 (sequence 3)
Language
German
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231 höhern Bestimmung naher bringt n*v»m nvn viEun jnD insu# nmsö TOp2**, — Die Leistungen der Elementarschule sind, was den Unterricht betrifft, mit vollem Recht ausgezeichnet zu nennen, besonders wenn man erwägt, daß sie nicht weniger als 63 Kinder zahlt und nur ein einziger Lehrer, Herr Pr., den ganzen Unterricht zu leiten hat. Auch sind depen Verdienste um die hiesige Jugend dem wachsamen Auge der Regierung nicht entgangen und von ihr öffentlich lobend anerkannt worden, wie denn auch in der Gemeinde hierüber fast nur eine Stimme herrscht, der sich Ref. aus innerer Ueberzeugung anschließt. Um so eher schmeicheln wir uns, daß Herr Pr. unsere Absicht nicht mißdeuten wird, >venn wir uns hiermit erlauben, denselben darauf aufmerksam zu machen, wie die Pflicht des Gemeinde-Lehrers, besonders in unserer an Ansprüchen überreichen Zeit, sich auch dahin erstrecken müsse, daß die Wirksamkeit des Schulunterrichts, auch in dem äußern Erscheinen der Zöglinge sich kund gebe, und daß die erworbene Geistesbildung zugleich das Gepräge gefälliger Formen an sich trage. Leider vermißt .man bei der hiesigen Schuljugend fowol die äußere schickliche Haltung, die ersten Elemente des Anstandes, als auch besonders eine reine und richtige Aussprache. Ihr Vortrag hat noch immer jenen unangenehm singenden Nachklang, jenen schneidenden, das Ohr beleidigenden Mißton, wie es dem niedern Dialecre eigen Ist, daö auf den gebildeten Hörer einen unangenehmen Eindruck macht, und die Freude über die anderweitigen Fortschritte verleidet. Wir verkennen keineswegs die Schwierigkeiten, die mit der Beseitigung dieses UebelS verbunden sind, besonders da manche Eltern es vielleicht gar als wesentlich zur Erhaltung ihrer Religiosität ansehen, den elenden Jargon beizubehalten, und ihn als ein kostbares Erbstück auf ihre werrhen Nachkommen zu verpflanzen; aber um so dringender liegt es dem Lehrer ob, so viel alö möglich dem hartnäckigen Uebel durch jedes Mittel zu steuern.* Gehen wir nun zu einem erfreulichem Gegenstand über. Wohlthätigkeits-Vereine gibts hier nicht weniger als 4, die nach und nach ins Leben getreten, deren Staturen sammtlich von der Königl. Regierung genehmigt sind und viel dazu beitragen, die Mitglieder für eine geordnete, wohl organisirte Thätigkeit zu gewinnen. Der erste und älteste Verein ist der sogenannte Heilige Verein rnan), der wie in allen Gemeinden die Kranken und Lobten besorgt, und an den sich 2) der Frauen-Verein (Q-u/2 man) schließt. — 3) Der Jünglings Verein (nun Cmna). Seine Sorge ist'v, sämmtliche arme Schulkinder Sommer und Winter mit anständiger Kleidung und Schulbüchern zu versehen. 4) Mädchen Verein (mnina man). Seine Mitglieder lassen unbemittelte Mädchen in den nöthigen Handarbeiten unterrichten, und sorgen bei Berheirarhungen armer Mädchen für die nothwendigsten üblichen Geschenke. Alle diese Vereine haben ihre Vorsteher und Vorsteherinnen, die, ohnt Ausnahme, ihr Amr mit Lrcbe und Ordnung gewissenhaft verwalten. Als ein Muster edler Weiblichkeit und zarten- FrauensinneS ragt die Vorsieherinn des Frauen-Vereins,. Mad. I., unter ihren Mitschweftcrn hervor. In der Vlüthe des Alters sichend, und in' glücklichen Verhältnissen lebend, übt sie ihre schweren Pflichten mit etner so bezaubernden Sanftmuth und herzgewinnenden Milde, wie sie nur die reine, tief fühlende, von ihrer höheren Bestimmung ganz durchdrungene Seele zu vollbringen vermag. Unermüdlich in dem Bestreben, daö traurige Loos der armen Leidenden zu mildern, un terlaßt sie nie die Wohlthaten des Vereins durch eigne Spenden zu vermehren, legt bei Beerdigungen selbst rüstig Hand an, und entwickelt bei jeder Veranlassung eine so unverdrossene heilsame Thätigkeit, wie man sie von der blühenden Mutter einer zahlreichen Familie kaum zu erwarten berechtig^ ist. Möge sie lange die Zierde des Vereins bleiben und in Israel edle Nacheiferung erwecken. Nachdem die armen Zöglinge die Schule verlassen und keine Lust oder Fähigkeit zum wissenschaftlichen Studium zeigen, ist es Sorge der Corporation, sie ein Handwerk erlernen zu taffen, und so sind denn bereits mehre hier als Gerber, Schmiede, Tischler, Leinweber, Färber und Schneider in der Lehre, und genießen bei ihrem Vorhaben die bestmögliche Unterstützung. — Die Stellung der hiesigen Juden, besonders der gebildeten K-affe, zu der christlichen Bevölkerung ist im Allgemeinen eine sehr erfreuliche zu nennen; so^ daß es letztere an Beweisen des Vertrauens und der Zuneigung nicht fehlen laßt, undhat bereits einen Juden zum Stadtverordneten, Stellvertreter des Protokollführers und zwetten Curator der Stadt-Kaffe, einen 2. zum Sanitäts-CommissariuS und einen 3. zum Zunft-Aeltesten gewählt. Auch an dem Reffourcen-Verein nehmen mehre Israeliten Theil, und zwar ist ihre Aufnahme auf eine Weise geschehen, die beiden Theilcn gleich Ehre macht. Vorzügliche Anerkennung verdient der allgemein hochgeachtete Director und einige Mitglieder derselben, joviale und vorurtheilsfreie Männer, die sogar den Antrag machten, die bis jetzt am Freitag-Abend ftattgefundene Zusammenkunft der Gesellschaft/ auS Rücksicht gegen die jüdischen Mitglieder, auf den Donnerstag zu verlegen, welcher Antrag auch ohne Opposition durchging und jetzt einen Artikel der Statuten bildet. Diese zarte Aufmerksamkeit erscheint um so schätzenswerther, da es auch hier nicht an einer solchen Klaffe der sogenannten Gebildeten fehlt, die ein Verdienst darein setzt, den geselligen Umgang mir Juden zu meiden, und die, um ihren finstern Haß auf unzweideutige Weise an den Tag zuckegen, einen besonder« Verein gebildet hat, bestehend aus Beamten und einigen Kaufleuten größtentheils minorum gentium, die weder Israeliten zur Theilnahme aussordern, noch die sich etwa meldenden, in -den Schoß ihrer allein selig machenden Reflource aufnehmen. Bei dieser neuesten Erscheinung im Nachrgebiete der Gesellschaft, ist nur der Umstand merkwürdig, daß die Meisten dieser vvrnehmthuenden Herren sich gar nicht scheuen, zur Zeit der Noch und der Verlegenheit (und es gibt im Menschenleben Augenblicke, wo diese gar oft vorkommt) die hinlänglich erprobte Gefälligkeit der verschmähten Juden, ohne, Bedenken in Anspruch zu nehmen, und bei solchen Veranlassungen eine so überschwängliche Achtung und eine so allgemeine, die ganze Menschheit umfassende Liebe zur Schau zu tragen, als wenn sie die erleuchtcsten Männer des Jahrhunderts wären, und das Vorurrheil kaum dem Namen nach kennten, während die Mitglieder der duldsamen Ressource fast nie in den Fall, von der Dienstfertigkeit der Juden Gebrauch zu machen, kommen, und daher aus ihren wirklichen Gesinnungen gar kein Hehl machen durften. Die Juden ihrerseits wissen sich über diese Zurücksetzung mit der Beschränktheit jener Herren zu trösten, und hören nicht auf in den Tagen der Bedrängniß so süßen Freunden, nach wie vor, gefällig zu sein. Die nahe Kreis-Stadt Kosten zahlt nur einige zwanzig jüdische Einwohner, die größtentheils zur gebildeten Klage zu rechnen sind; nur ist die dort seit Olims Zeiten herrschende Uneinigkeit ein Haupthinderniß ihres Forrschreitms, was um so mehr zu bedauren ist, als solcher Zwiespalt nur geeignet ist, sie in den Augen der christlichen Bevölkerung berabzusetzen. Jndeß hat die dortige Bürgerschaft diese Privatzwiste nicht beachtet, und ihre freundlichen Gesinnungen dadurch zu erkennen gegeben, -daß sie einen Israeliten zum Stadtverordneten mahlte, welcher sich der lwchsten Achtung zu erfreuen hat. Auch Männer aus dem höchsten Stande und kömgliche Beamten nehmen keinen Anstand, .sich den dortigen Israeliten wohlwollend zu nähern-, und denselben be.i wichtigen Gelegenheiten mit der freundlichsten Bereitwilligkeit entgegen zu kommen. Bei der Vermählungsfeier der Tochter des Kaufmanns G., wie bei dem HochzeitSfeste des Fräulein Fr. D. sind mehre LandundStadt-Genchts-Räthe, derKreisphysicus und dgt. Honorationen der an sie ergangenen Einladung ohne Bedenken nachgekc'mmen und an der Feierlichkeit der Trauung, wie an Mahl und Tanz freundschaftlichen Antheil nehmend, Serben sie nicht wenig beigeiragen, die freudige Stimmung der Gäste und die ungezwungene Heiterkeit der Versammlung durch ihre Anwesenheit zu erhöhen. Einen besonders erfreulichen und wahrhaft herzerhebenden Eindruck auf die israelitischen Familiengckieder machte die Gegenwart des allgemein verehrten Herrn Land- und Stadt-Gerichts- Director Schmidt. Dieser ausgezeichnete Mann voll Geist und Würde, ein strenger Jünger der unerbittlichen Themis, auf dessen denkender Stirn der ganze feierliche Ernst der Justitia thront, zeigte bei Gelegenheit der Vermahlung des Fraulein Fr. D., einer varer- und mutterlosen Warft, eine so innige, liebevolle, so unverkennbar auö der innersten Tiefe des Herzens kommende Theil-

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