Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 82 (1918)
- Issue
- Heft 52 (27.12.1918)
- Date
- 1918-12-27
- Page
- Seite 2 (sequence 16)
- Language
- German
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Gemeinde. Das neue Wahlrecht soll ohne Verzögerung eingeführt - werden damit der Gemeindeverwaltung frisches Blut zuströmt. Der I Antisemitismus hatte nie diese vernichtende Macht erlangt, wenneine demokratische Leitung der größten Judengemeinde Deutschlands energischer -ausgetreten wäre. (?) Auch die Behandlung all gerneinjüdischer Fragen müßte eine sachlichere rverden. Ter jahrelange Kampf der jüdischen Handwerker um ihr Recht auf Arbeit für die jüdische Gemeinde soll fortgesetzt werden. Ter seit fünf Jahren in den Archiven schlummernde Entwurf einer Submissionsordnung hätte schon längst sertiggestellt sein müssen. Tie Handwerker wollen endlich die ihnen gebührende Beachtung rrn jüdischen Gemeindeleben. Der Verein wird die Lehrlingsfrage mehr als bisher in den Vordergrund seines Interesses stellen und die jüdischen Gehilfen in einer Organisation zusammensassen, die unbeschadet ihrer Zugehörigkeit zu den Gewerkschaften ihre Sonderinteressen vertreten kann. Der Verband wird vor allem die Indolenz in den Reihen der jüoischen Handwerker bekämpfen, denn von den 2000 jüdischen Handwerkern Berlins haben erst etwa 450 den Anschluß an die jüoische Berufsorganisation gefunden. Wenn der Verein erst alle jüdischen Hanowerter Berlins umfaßt, so wird er die Gemeindebehörden nicht mehr um Arbeit bitten müßen, sondern Arbeit fordern können. Der Verein wird im Frieren weiter für sein gutes Recht streiten nach voen und untem uno durch seine Aroett an rer Gesundung oeS Judentums Mitarbeiten. In rer anschließenden Diskussion verewigte Reprusentagt G a s p a r h me Gememoeverwattung gegen die vom Reserenten ausgesrellte BohaupUmg, daß die Jüdische Gelt unnoe rein Interesse für ras zürlsche .panmrerl gare, ^ie wrunoßttze sur oaS ^eromgungswejen souen mm ootreriingen der chioischetl ^anrlrermr angepaßr lreereil. , B. T. Berlin, ^3. Dezentber. Im großen Saale des Nheimgold san-o leyien Bv'Nna-ve'ND areno eine uteraus zahlreich besuchte Versammlung des- Zeinralverei'ns delUscher ^.-aaisdürger indischen G la imerlS starr, o-te sich nt nt der äugenmett-lichen Lage des oendschen Judenl-ums besagte, t-rach ein igelt el n.lei'.en-den Worten des Vorslpenoen. Geheim rar Fuchs, fymt der Vereinssyndltus Tr. Holmtuoer Den H-a-u-pwortrag, m oem er >ansf ühr-te: Drei Umstände htl-retl. '<^en ^rnraß zu vw er VersaiNtNiliNg gegevelli die lUuioälzung rer jetzigen port-n-,chon Berhruinisse, D-.-e gewnlNge anufeluirische Welle, o-.e aii-genblierlich canct> Det!!r;,ch,ntn-o lvogr, und vte wirrschaniichen morgen, vrin denetl das oaiiOeiTouini letzt v-edrüa.1 lvird. Der Vorsrano har uns die Angru-spe der Gegtrer -nvA scharsen Flugvlaltern sich verteid-.gt. Gs i|t mta) m-.-t Behörden veraren worden-, lvl>e chogroni.e.n -e-n-tgegengearvei'.et w-eroen renn. Vöichilig, ist, daß wir Dor Vereidungen z-wr Wahl für die nt ion a-l ve r \ am ml u,ng t res seit und -durch Organe, ia»muen dafür sorgen-, daß oen antise- Mili-'chen Hetzern -m ihren Bermnt-m düngen -ou-rch ,-nnsere Redner .-achgelliaß etugegengetr-elen w-.'vo. In rre t-ia-.-rona-lversiii-uiinlu ng U'tuj m r-ie a-n-oere.n Korsterschasten -lnust-en nur Leure lvahion, Die un-jer üimjit verrre-ren. Dru-noug i]i es-, 'daß von un-seren Gudnoensgenossen den Zionisten, uns der Vorwurf gemacht wird, wir harten ,ruyec Byzanz wsm ns goir.eren, urs torr s>ur äraiser uno etKk'i-ünen. mmmüssen ivrr i-mnD'r lv.e-oer rarnus hrimver-M, daß wer D-e^l-r,>che >}\n<D u-no v-rer'ben wollen, .und die -Scl-a.^-ung einer ch'rvschen ^)0>llsgemeiure, lvie sie d.e Zio-Nlsten planen, n^ch-t gnrhetß-on.. (Levha-sier Benpall.) Jii rer -angeno-ln.menen G n -i- - schbreßu-ng ge ißt es: „Die Berfa mndlung der Berliner AN.tgueoer res Zem rar Vereins -reubs-ch-er ^bael.iso,arger jü-blischen Gr-nu,- oens b>odauerr aus das r.essie, d-nß sich nach inv neuen Deutschland hes'.'.ger ^i.MlselU'^i'sllUis vrei-rnt-acht, oer geeignet ist, D-eu>d,-cijka,n'0 im Ansehen r-os ^n- und eluslan-res -anss höchste zu> chil.no.gen. Dieser Annselni-nSinu-s ift eine nnivürdige Antwort aus die zahlreichen ^Blniopser der .deutschen- ^uden \m großen Wowrrieg. D-re Verjiailrmlii.ng o.rlv>artet von ihrenaindersg-l-äll-o-igen Rlildurgern, daß sie die durchsichi-igen antipmitlschon 'ölblenknngLM'a>növer schitldbedectter und reattionärer Kreise mi.t gebührender Verachtung zurück weisen." 22 Danzig, 20. Tezentber. Am 9. d. AU fanden hierselbst -die Erganzungswahlen zur Repräsentantenversammlung der Jüdischen Gemeinde statt. Tie bisherigen Repräsiontanten wurden wiedergelv-ähl:. Neugewählt wurden die Herren San-itätsrat Dr. Abraham, R. S t -e r n f e l d, I e w e' l o w s k i, Kronhei iit, L e w i n s k i unu P er ts chep. Das die Wahl'vorbereitende Komitee hatte im Interesse der Eintracht lind Einigkeit auch einen zionistischen Kandidaten in Vorschlag gebracht und war dieser -auch in einer öff-entlich-en Gemeindeversammlung auf die Vorschlagsliste gekvnuneii. Die Zivliisten hatten noch einen anderen Kandidaten aufgestellt, jedoch scheint sich die A lehr zahl der Wähler um bk Vorschlagsliste nicht gekümmert zu haben, denn es gelang den Zionisten nicht, ailch nur einen Kali di baten durchzubringen. — Am 11. d. M. sprach Herr Kurt B l u m cu f c l d , der bekannte Zionist, vor einellt den Saal bis auf den letzten Platz füllenden Pub-liktlni über die „Forderungen des jüdischen Volkes". Er erörterte die Gedanken und Probleme des Zionismus, stellte als ueueste Forderung die nach jüdischen Volksgeineinden aus. und verlangte die Beseitigung „der Aristokratie" in der Verivaltirng der Gelneind-en. Herr Sanitätsrat Tr. Abraham erklärte im Namen vieler Gemeindenritgli-eder, daß man, mit Rücksicht auf die ernste Lage des Vaterlandes und des Judentuins, Ziviespalt veriueiden und daher von einer Debatte absehen ivvlle, lind beschränkte sich zur Tvkmnentiorung des prinzipiellen Standpunktes auf die Verlesung der beknnnteli prograiitiliatischen Erklärung der drei großen. Verbände, inhalts deren die Juden sich als uuablöslichen Bestandteil des Vaterlandes betrachten. Er betonte dabei, daß es jetzt nur einen Gedanken g>.'be, eins zu sein mit dem Vater lande in der Stunde der Not, wie ilian mit ihm eins geivesen sei in der Stunde des Glückes. Nachdeiii Rabbiner Tr. Bernstein aus Pr. - Stargard sich zum Zionismus bekannt und erklärt hatte, er wolle Bolljude sein und kein sogenalinter Teutschjude, begründete auch Herr Rabbiner Dr. Kaelter in tiej ergreifenden Worten eingehend die dringende Notlvendigkeit der Einigkeit. Es gelte jetzt, Wunden zu heilen und keine neuen aus-! Zureißen. Er begrüßt Palästina als Zuflucht der Juden, aber lticht als Land der Juden. Er sieht den Sinn des Judentums lediglich im Religiösen. Langanhalteltder Beifall folgte seinen Worten. Herr B l u m e n s e l d versuchte, den Vorredner zu lv i der legen, aber wie die obenerwähnten Wahlen zeigen, steht hier nur ein kleines Häuflein hinter ihm. M. Breslau, 20. Dezember. Am 2. dieses Monats verschied nach ganz kurzem Krankenlager der in tveiten Kreisen bekannte und - geschätzte Pianist und Schriftsteller Hugo Markt im Alter von 56 Jahren. Na-chd-ent er seine Stelltmg als Bankbeamter bei der Breslauer Discontobank ausgegeben, widmete er sich ausschließlich der vorher nur nebenberuflich ausgeübten künstlerischen und musikalischen Tätigkeit. Sein Klavierspiel toar nicht gewöhnlicher Art, sondern techriischer Bravour; er stellte sich namentlich bei Wohltätigkeits- Veranstaltungen stets bereittv-illigst, ohne Entgelt, zur Verfügung und bereitete den Zuhörern manche genußreiche Stunde. Die „Broslat!er Zeitung" verliert in demselben einen geschätzten Mitarbeiter, die „Volkslvacht" ihren ständigen A!usikkritik-er. Die mitunter scharfe, aber stets von dem Geist unbestechlicher Gerechtigkeit geleitete Feder hatte ihm manche Feinde zugezogen, anderseits aber erkannte er gute Leistungen unumwunden an,, so daß seine Kritik hier im allgeuteinen sür inaßgebend anerkannt lvord-en ist. Leider war er in den letzten Jahren herzleidend, infolgedessen er sich von den össentkichen Veranstaltungen zurückzog und mehr die Schriststellerei ausübte. Zur Trauerseier auf dem Eoseler Friedhofe hatte sich eine große Anzahl von Leidtragenden, u. a. Teputationen mehrerer Logen, denen er als Ehromnitglied angehörte, von Vereinigungen, der Oper usw. eingefunden. Rabbiner Dr. R o s e n t h a i hielt die Gedächtnisrede, in der er die- Persönlichkeit des Verstorbenen und sein Wirken in der hiesigen Mtlsikwelt in treffender Weise hervorhob. Nach dem üblichen Gebet wurde der Sarg dem Grabe übertragen. 8p. Magdeburg, 20. Dezember. Im hiesigen Kausmännis ch e n V e r e i n hielt am 12. d. Al. Dr. Alax Al a u r e n b r e ch e r (Weimar) einen Vortrag über das Thema: „Wie Völker aus ihrer tiefsten Not sich wieder erhoben haben". Redner schildert unter Zugrundelegung von Mommsens „Römischer Geschichte" — die wuchtige Sprache dieses Historikers kennzeichnend — die Schlacht bei Cannä, wo Hannibal den Römern die fürchterliche Niederlage bereitet hat. Das Unheil kam über Nom durch die innere Politik, durch Klassenkämpfe, durch schwere politische Versündigungen überhaupt. Im weiteren Verlauf war für die Römer die Uneinigkeit der Karthager günstig, aber vor allem rettete sie vor völligem Untergang die Festigkeit und Eintracht des römischen Senats. Dr. Manrenbrecher zog dann eine Parallele mit dem gewaltigen Kriege, den wir in unseren Tagen erlebt haben; schilderte, wie wir vermeinten, in kurzer Zeit als Sieger aus dem Kampfe hervorzugehen, während England von einer längeren Dauer überzeugt war und die eiserne Entschlossenheit zeigte, nicht mit dem Gegner zu unterhandeln, sondern