Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 82 (1918)
- Issue
- Heft 52 (27.12.1918)
- Date
- 1918-12-27
- Page
- Seite 621 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Äirfbauen heKen, wo daS alte nwrfche weggeriffen worden, ist, wir - wollen uns aber in keiner Weise in den Vordergrund ^schieden; will Deutschland unsere Mitarbeit an den führenden "Stellen, so wird es durch die Wahl jüdischer Männer bei der Nationalversammlung seinen Willen kundtun,- der geschloffene Volkswille ist für uns der.'beste Rückhalt. Bis dahin aber wollen wir abwartend beiseite stehen und wir wollen im Drange «der Ereignisse nicht vergessen, daß die Erhaltung und Weiterentwicklung des Judentums unsere vornehmste Ausgabe vor Gott und der Geschichte ist. Labbinrr Dr. frii-r Goldmann. elix Goldmann ist am 16. April 1882 als Sohn deutscher Eltern zu London geboren. Im Alter von 10 Jahren kam er nach Deutschland, versuchte in Berlin «die Volksschule unddann das Sophien-Realgymnasium, wo er im Herbst 1901 sein Abiturientenexamen ablegte. (Sein Religionslehrer war dort Herr Professor Dr. S. Blaschke, dem er geistia sehr viel verdankte und mit dem er auch bis zu seinem leider so früh erfolgten Tode in ständiger Verbindung zu Reiben die Ehre und Freude batte.) Er studierte dann von Herbst 1901 an sechs Semester Orientalin -und Philosophie und promchovierte im Feoruir 1905 in Frei bürg i. Br. Von 1901 bis 1907 besuchte er die Lehranstalt kür die Wissenschaft des Judentums und bestand 1907 sein Raöbinatseramen. Im Herbst 190? wurde er als Rabbiner nach Oppeln gewählt, dort blieb er 10 Jahre bis zum 1. September 1917. Seitdem wirkt?r als Gemeinderabbiner in Leipzig. Cr promovierte mit einer Schritt über den „O elba u m i n Palästi n a zur Ae i t der M i s ch n a"t die in der Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums" erschienen ist. Von sonstigen wissenschaftlichen Arbeiten schrieb er: „L a figueen Palestinaäl ’6poque de 1 a M i s c h n a ", erschienen in der „Revue des Etudes juives", ferner „D i e Theorie des F a u st P f a n d Vertrages nach jüdischem Recht" und „E i a e n t u in s - e rw e r b durch Spezifikation in: jüdischen Recht", beide erschieenn in der „Zeitschrift für vergleichende R echt sw issen s chaft". Im Amte widmete er sich voll der praktischen Seite des Berufes. Besonders dem Vereinswesen und der Jugendsrage. Angesehen von seiner Gemeinde hat er für die liberale Jugendbewegung in Breslau sehr viel gearbeitet und gehörte auch dem Vorstande der Arbeitsgemeinschaft der liberalen Jugendvereine an. Er betätigte sich auch im Kavrpf gegen das Tausjudentum und schrieb eine längere historische Arbeit über „Taufjudentum und A n t i s e mi ti s m u s". Auch gegen den Zionismus trat er auf in der Broschüre: „Zionismus oder Liberalismus?" Er veröffentlichte sonst noch neben sehr vielen Artikeln und kleineren Arbeiten einen Vortrag über „Die Stellung des deutschen Rabbiners zur O st ju den frage", der bei der letzten Hauptversammlung des Rabbinerverbandes gehalten wurde. Er ist Mitarbeiter an verschiedenen Zeitschriften: „Allgemeine Zeitung des Judentums", „Im Deutschen Reich", „Liberales Judentum", „Neue Jüdische Monatshefte" und andere mehr. Er cedigiert ferner gegenwärtig eine jüdische Zeitung, nämlich die „K. C.-Blätter". Im Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens ist er im Vorstände und hat sick, dort vornehmlich organisatorisch, besonders in Oberschlesien, zu betätigen versucht. Goldmann, dessen Bild wir unseren Lesern vorführen, gehört zu den jüngeren nicht eben zahlreichen Rabbinern, die der entschieden freisinnigen Richtung angehören. Er hat es verstanden, an seinen bisherigen Wirkungsstätten, trotz der großen praktischen Wirksamkeit und ungeachtet einer reichen journalistischen Tätigkeit die Wissenschaft zu pflegen, Möge es ihm gegeben sein, an der Zentralstätte des deutschen Buchhandels, an der ihm nun. zu wirken vergönnt ist, diese Doppeltätigkeit zu entfalten und das liberale Judentum, dessen tüchtiger und erfolgreicher Vorkämpfer er ist, zu fördert! und ihm zum Siege zu verhelfen. L. G. Klio schreibt. . Rabbiner Dr. Felix Goldmann (Leipzig). Bon Fanny Cohn-Neßler (Berlin-Lichterfelde). 9. November a- G. ** MDCCCCXYITI geschah eine der größten Umwälzungen in Europa. Das mächtige Volk Germania schüttelte seine Ketten ab. Die größte aller bisherigen Revolutionen brach aus. Alle Herrscher gingen ihrer Throne verlustig. Schuld daran war das veraltete System. Mit drakonischen Gesetzen ließ sich das reise germanische Volk nicht mehr gängeln . . . So ist's gekommen. Plötzlich, über Nacht, wurde der deutsche Michel rabiat. Bis hierher — und nicht weiter! sagte er, nahm den Pflug und furchte das lockere Erdreich, dem er guten Samen, Frei h e i t s s a m e n , anvertraute. Und eine gute Ernte soll daraus entstehen. Ein schwerer Traum hielt unsere Sinne umfangen. Wir fühlten eine Gefahr herannahen: der Antisemitismus in gewissen Blättern war eine gewohnte Erscheinung für uns, die letzte Aeußerung einer Minderheit am Bismarck-Denkmal, welche sich zu einer Manifestation schlimmster Art gestaltete, war nicht mehr absurd, sondern geradezu g e f a h r drohe nd. Die Revolution, die anderen Tages einsetzte, fegte diese Mundhelden von der Bildfläche — hoffentlich für lange Zeit!