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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1918-12-27 · Heft 52 (27.12.1918) · p. Seite 619

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
82 (1918)
Issue
Heft 52 (27.12.1918)
Date
1918-12-27
Page
Seite 619 (sequence 9)
Language
German
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619 einigt werden, das war auch die Absicht des Paulus. Die neue Zeit kann nur der jüdischen Religion recht geben, die da ist die Lehre von dem ewigen' Goltz aber auch die Lehre von dem strebenden Menschen, der Liebe übt und in Demut wandelt, vor Gott." Herr Rabbiner Dr. Le w'ko witsch hatte in seiner Vorlesung nur den „U n t-e r s ch i e b d e s I u d e n t u m s lt n b d er evangelischen Religion" erörtern können,. Gr 'sprach über die Verbesserung der katholischen Kirche durch Luther, über seine Deutung vom Sakrament des Abendmahls, die Lehre von der Erbsünde 'und dem einer strengen Logik nicht standhaltenden Trinitätsglauben. Ein logischer Irrtum ist ferner, daß die Menschen. die botf» nach der Lehre von der Erbsünde an ihrer Sündhaftigkeit schuldlos "sind, bestraft werden sollen. Unlogisch ist ein Menschengott, denn die Vollkommenheit Gottes und die Unvollkommenheit des Menschen dürfen nicht miteim ander vermischt werden. Endlich ist die Lehre von der Gnade Gottes durch das Wunder -ein Irrtum, weil sittliche Schuld nur durch sittliche Kraft aelöst werden kann. Im Gegensatz hierzu wendet sich der Messinsglaube an den Willen des Menschen, durch den er allein erlöst werden kann. Herr Dr. Bernfeld sprach über „Geschichte und Methode der Iudenmission". Ein außerordentlich reiches geschichtliches und literarisches Material wurde den Hörern vorgeführt, das von der Entstehung des Cbrist^nKlms bis auf die neueste Zeit führte. Neu war der daß die katholische Kirche fast gar nicht Iudenmission treibe, sondern nur die evanaelische. Der Lehrer warnte eindringlich vor der neuesten Methode der Iudenmission. die darin besteht, durch freundliche Anerkennuna der ethischen Grundsohren des Judentums und durch Schriften in hebräischer, ja sogar in der Sprache des Jargon nicht mehr den einzelnen Juden, sondern womöglich alle Bekenner des Judentums von der Wahrheit der christlichen Religion zu überzeugen. Diesen Bestrebungen gegenüber könnte nur eine Massenverbreitung jüdischer Aufklärungsschriften in gemeinverständlicher Svrache helfen. Er gab bekannt.-daß der Verband der Deutschen Juden die Abfassung eines solchen Werkes, unter Mitwirkung der namhaftesten Gelehrten, vorbereite. Das Werk wird in drst Ausgaben erscheinen: einer großen Ausgabe mit Angabe oller Quellen für wissenschaftliche Zwecke, einer mittleren, für die Hand der Lehrer, und einer kleineren für die Jugend. Wertvoll waren auch die Mitteilungen des Dozenten aus seiner eigenen Praxis über die Disputationen mit Judenmissionären. Herr Rabbiner Dr. Lieberma n n las über „Angriffe a u f d a s j ü d i s ch e Sch r i f t t u m". Er behandelte zunächst Bewegung, Ziel und Ton dieser Angriffe, wobei er auf das Werk von Schneider „Die jüngsten Angriffe gegen das Judentum" hinwies. Die Angriffe richten sich sowohl gegen die Bibel als auch gegen das rabbinische Schrifttum. In vorbildlicher Form und gestützt auf sein reiches, fachmännisches Wissen zeigte er, wie man die Angriffe abzuwehren har. Es blieb kein Vorwurf und kein Angriff, unwiderlegt: so der Pharisäismus des nachbiblifchen Judentums, die jüdische Geheimlehre. Christenhaß (Mkum), Absonderung und Auserwählthoit (hier wurde auch Rathenaus Schrift gegen die Auserwähltheit gestreift), individualistischer und universalistischer Gott, unzureichende Ethik, Unduldsamkeit gegen Andersgläubige, Vorwürfe gegen den Schulchan aruch, besonders and dem „Judenspiegel" von Justus, Zeremonialgesctze, Wucher, Meineid (Kol nidre), Almosengeben. Ueberall wurde sowohl ans die Ungriffsschriften wie auch ans die Abwehr- , schriften hingewiesen. Herr Rabbiner Dr. Ho'chseld behandelte „Angriffe auf die Glaubens- und Sittenlehre des Judentums". Es war unausbleiblich, daß bei den verschiedenen Themen auch manches Gemeinisame zur Erörterung gelangen mußte, so daß die Herren Dozenten sich bisweilen über dieselbe Frage äußern mußten. Indes trat eine Differenz in ihren Ansichten nicht hervor, nur in der Beurteilung und in der Form kam die Individualiät zum Ausdruck. Herr Dr. Hochfeld war der Meinung, daß Angriffe gegen das Judentum als Religion nicht zu trennen sind von den Angriffen gegen die Juden als Menschen. Einen breiten! Raum nahm in seinen Erörterungen die Abwehr gegen folgende Angriffe ein: 1. nationale Beschränktheit der Juden, 2. das Prinzip der Vergeltung, 3. die Merkheiligkeit. Andere Anklagen, wie: den Juden fehlt der Missionsgedanke; es fehlt ihnen der Unsterblichkeitsglaube; die Monog>amie ist nur durch die Staatsgesetzgebung aufae-iwungen, im Grund? ist ihnen die Volvaamie erlaubt: Manael an Feindesliebe. wurden gleichfalls kräftig abaew'esen. Der Vortraaende steht auf dem Standpunkt, daß vieles aar kein Vorwurf ist, sondern eher ein Vorzug, z. B. das Prinzip der Gerechtigkeit, und daß es viel wirksamer ist, solche als Vorzüge erkannte Vorwürfe ruhig zuzugeben, als Üe durch spitzfindiae und gewaltsame Kregesen abzuleugnen.. Israel, „der Knecht Gottes" nach dem Worte der Propheten-, also Demut, unb nickst Hochmut als auserwähltes Volk. Amos, Iescnas. die Svrüche Salomons, Koheleth, Hiob bieten Beweise aenua. daß unser Gott kein Nationalgott, sondern ein universalistischer Gott ist. Der Gott unserer Väter ist der Gott, den unsere Väter verehrt haben, nicht der Gott, der unsere Väter und unser Volk in seinen besonderen Schutz Genommenhat. Aus der Liturgie und aus zahlreichen Bibelstellen wurde dieser Vorwurf ganz besonders abgewe'hrt. Die Angriffe ans die indische Ethik wurden mit der Bemerkung abgewehrt, daß wir rubig zugeben sollen, daß an manchen Stellen, wo vonnBruder die Rede ist/ nur der Volksgenosse gemeint sei, und nicht der Christ. Wir sollen uns hüten, zu viel zu beweisen, denn dadurch wird zu wenig bewiesen. Wir sollen lieber mtf dm biblischen Vorschriften über das Fremden reckst Hinweisen. Als Fundgruben für die Apologetik werden die Sprüche der Väter bezeichnet, die von Zunz in seiner Sammlung „Aus . Geschichte -und Literatur" angeführten sogenannten Musiarbücher und endlich die Testamente aus jener Zeit, wie das des Ascher ben Iechiel. des Elieser ben Samuel -Hgle-vi. Lazarus. „Die Ethik des Judentums" und die 15 Sittenlehren des Deutsch-jüdischen Gemeindebundes bieten gleichfalls ausgezeichnetes Abwehrmaterial. Wenn Rietschel sagt: „Unter ganzes Christentum läßt sich aus die fünf Buchstaben „Vater" zurückführen", so ist daraus zu erwidern. daß dieser Begriff aus dem Judentum entlebnt ist Das Judentum gebietet: Wejoresso w'oüawto: Du sollst ehrtürchten -und lieben? Die Liebe ist die Eraebuna in den göttlichen Willen, wenn er gebietet: „Du sollst!" Die Ehrfurcht " ist das negative Gebot, das uns befiehlt: „Du sollst nicht!" Liebe ohne Gerechtigkeit würde die Welt zu einem Chaos inachen, deshalb ist das größte Recht oft das größte Unrecht. Bit jüdische Oklicht der Gegenwart. Bon Dr. W i l l y C o h u. jemand weiß, wie die Dinge aussehen werden, wenn diese Zeilen die Presse verlassen, denn das Tempo unserer Zeit ist rasend schnell, und es ist schwer, mit ihm Schritt zu halten. Als die Tore der Revolution aufsprangen und die Morgenröte einer neuen Zeit anflenchtete, da hat sie an die Spitze

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