Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 82 (1918)
- Issue
- Heft 52 (27.12.1918)
- Date
- 1918-12-27
- Page
- Seite 616 (sequence 6)
- Language
- German
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- 616 Ltaatsamt für -Heerwesen schriftlich den Bescheid erhalten, daß Bestimmungen über Soldaten, Offiziere und Militärbeamte nichtdeutscher Nationalität auf Juden, die sich zum deutschüsterreichischen Staat betenneu., keine Anwendung finden. Sv traurig dieses Vorkommnis auch, für die davvn betrvfseneu Offiziere ist, sv must man bekennen, dast die deutschösterreichische Militärbehörde vvn ihrem Standpunkte aus temesmegs nu Unrecht war, solange die ö,terreichischen jüdischen Offiziere sich wirklich als Mitglieder einer jüdischen Nation bekennen. Sie müssen daher endlich den Mut finden, sich aus diesem jüdischen Nativnalltätemvahn zu befreien. Sie müssen erklären, daß sie nichts anderes sind und sein wollen als Deutsche jüdischen Glaubens. q- Ernen sehr vernünftigen ruhigen Artikel über die deutschjüdrschen Verhältnisse frnoen wrr m einem Badischen Blatte, oem „Badischen Beobachter", den wrr trotz seiner Ausführlrchtert, und oogrelch wir nicht mit jedem Worte übereinstimmen, ijter solgen taffen: Juden und Juden. (Eine Mahnung zur Gerechtigkeit von einem katholischen Priester.) Der gegenwernge Wahirampf birgt die befahr einer großen ungerecyngeelr in |taj: das Auffiaa-ein annsennrifcyer Jnsnntre. ^cij lueifj jeijc uuuji, wie oerechtigi ver ^vrn vieler yeimreyrenoer Krieger uocr gewlffe juoi|ta>e auiouaie lg, ruticijc wayreno oes Krieges dayemi gejegen |trto. uno nun, waqrerw oer iajiunui]ten Dage oes enOenocit Krieges uno der Waffenstillfrandsveryandlungen, )lch an Oie Spitze des imyturzes geworfen und sogar die Regierungen mit ihren Leuten vefetzr haben. Das Regunem eines Kurt Gisner in Bayern ist eine brennende Schmach für dieses tcrndeutfche und vorwiegend LüU)vtlsche Land. Uno was gar in Berlin frch in die Regierung oerallen preußischen ^tammianoe yinerndrängr und dorr frech ars preilßijare Regierung unterzeichnet, das rann einen Men ärgern, oer o.e rmierfchrifl unrer den ^eglernngseriaffen Nest. Ana) in oen ^oioarenräten haben sich da und dort jüdische Mitgtieoer rn teirende grellen georangr. Doch srnd wir Sudoeutsche da mchr fv feyr nur Juoen gelegner, wie di.es m anderen Sotdatenrüten oer Jau lein mag. Das au.es tage ich gelten. Auch der Vorwurf der Drückebergerei mag ul vleun ^aiien. >eme Verechngung yaoea, oogrelch er sicher auch sehr viele „echte" Deutsche inffi. — uoer uoer auein dugen |ou folgendes nicht vergessen werden. Viele jüdische Weltbürger haben wie unfere itammesoeurjchen Eltern ihre Soyne, Bruder, Väter in den großen Krieg hinausZteyen sehen. Viele haben ste nicht wieberreyren sehen. ^ie |mD aus dem Felde der M)re gefallen. Viele j[uot|ct>e willbürger — ich renne deren eine ganz höchst ehrenwerre unzaht — suhlen sich in politischer Hinsicht so oeugch atS nur irgenoeiner von uns. Sie vangen mit uns um das Schicksal des Vaterlandes, su verurteilen mir uns das schnöde Verhalten aUer r-caomuen, oer Juoen wie der ^crchtjuden. Sie veoauern noch mehr atS wir das vordringliche Wefen mancher ^rammesgenosfen veim wtachen oer ^eooiurivn. ^a, ge yaoen sogar in ihren greisen eigens Oie parvre ausgegeoen, gch zuruazuyuiien, um urchi oie ^mpsindUchlen oer ^llch^uoea zu reizen. Ich bin oaruoer dura) Gefprache uno fchrrftUche Auselnauoersetzuugen um angesehenen uno vornehm deutenden Juden uncerrichtei. Diese Juden empfinden es mit Recht als eine große Ungerechtigkeit, daß man oen Kämpf gegen alles meoerreiszenoe und raouale woesen in oer gegenwärtigen Ponm einfach in einen Kampf gegen die Juden umwanoeit. Sie fügen nut Recht: „Lvenn heute einer von uns Inden vor Kurr isisner hintrare uno ihn oare, er möge um ferner Mischen wcrrburger willen ferne angemaßle Regierung aufgeven, fo wurde Herr iLisndr ruhig ernarea, er gehöre gar nicht zu ihnen, er fei alles mögliche, nur Nicht giauviger Juoe ooec Juoe, oer sich nur ihnen in isemeinschafr fühle; er sreye ars 'pounrer an feiner vielte, nicht ars ^uoe.' — Mit Recht weifen die deutschen Bürger jüdischen Glaubens und Stammes darauf hin, daß sie in Deutschland ihre einzige Heinrat verehren und für diese Heimat ihr Leben und Blut wie die anderen Staatsbürger gewagt haben; daß sie aber nichts gemein haben mit jenen radikalen Menschen jüdischen Stammes, welche in Verbindung mit s.hr vielen nichtjüdischen Radikalen den Umsturz und die Gewaltherrschaft begründen halfen. Man führe deshalb den Wahlkampf gegen die jüdischen und nichtj udi scheu Radikalen, nicht aber gegen die Juden als Juden. Denn es ist ein llnterschied zwischen Inden und Juden, so gut wie zwischen Christen und Christen. - - Der Zentrumsschild ist blank. Die Zentrumspresse hak nie in Antisemitisinns gemacht. Sie wird es auch jetzt nicht tun. Aber zurzeit liegt die Gefahr nahe, beim Wahlkampf ab und zu in das antisemitische Horn zu stoßen. Mögen diese Zeilen dazu beitragen, daß dieser Gefahr unsere Zentrumswahlmänner nicht unterliegen. Wir haben bessere, positive Agitationsmittel als den ungerechten Groll gegen eine ganze Gruppe unserer Mitbürger, unter denen die Guten gerade jetzt nach den vier Jahren blutiger Sorgen denselben Anspruch auf Ehre, Ruhe und Frieden haben wie jeder anständige Mensch. Des Hasses ist genug in der Welt. Schüren wir keinen ungerechten Haß, auch nicht mit „guten" Witzen und Bemerkungen. * Leider steht ein solcher Artikel ziemlich vereinzelt da, und es muß darauf hingewiesen werden, daß die Stimmung, in Bayern eine äußerst gereizte und gehässige gegen die Juden ist, wie aus beifolgendem Artikel hervorgeht, den ich dem freilich recht anrüchigen „Reichsboten" entnehme: Druck u u d G e g e n b r u cf. Jin Anschluß -an die Klage des Berliner Arbeiter- und Soldatenrates über den Vertrieb antisemitischer Flugblätter schreibt der „Bayerische Kurier", das leitende Münchener Zentrmnsblatt: Der Arbeiter- und Soldatenrat hätte allen Anlaß, ebenso entschieden gegen die Pogromstiimnung auszwrelen, welche gegen die Christen systeinatisch geschürt wird. Wenn ein jüdischer Mimster (!) wie Dr. Jas so öffentlich und amtlich die Soldatenrüte deutlich zum Vorgehen gegen christliche Zeitungen aufsordert, die ih-m unbequem sind, so heißt das mit schlechtem Beispiel vorangehen. Die jüdischen Herren, welche gegenwärtig in Deutschland d-ie Gero a lt haben, mögen sich doch nicht täuschen: Druck erzeugt Gegendruck! Wenn sie den Terror gegen die Mehrheit der Bevölkerung proklamieren, um sich incker allen Umständen an der Macht zn halten, selbst gegen den Willen der Mehrheit des Volkes, und das zionistische Reich in Deutschland, nicht in Palästina, aufzu richten, so muß das früher oder später Gegenwirkungen <rus>lösen. Die Herren Regierenden sollen endlich einmal den Gewätttätigkeiten ihrer Leute gegen die christlichen deutschen Bürger ein Ziel setzen, dann wird temem Juden in Deutschland ein Haar gekrmwmt werden. Wenn sie ac:x zu offenen Gewalttätigkeiten ihrer Stammesgenossen, wie z. B. des Herrn Erich Mühsam, nur Entschuldigungen oder sanften Tadel übrig haben, dann mühten sie eigentlich auch 'bei Gegenwirkungen mit gleichem Maße messen. Die Herren nwgen sich doch nicht täuschen: die Pogromstim'nmng ist einzig und allein eine Frage, die ganz und gar vom Verhalten der gegenwärtigen jüdischen. Gewalthaber Deutfckfilands — und Deutschland ist heute faktisch von Juden regiert — aohängt. Darüber helfen keine Proteste und keine Klagen hinweg, es sind eben ganz .selbstverständlich Tatsachen, die gewissermaßen aus einem politischen Naturgesetz beruhen, wie ja auch ein Herzsthler sich durch eine andere fehlerhafte Umbildung kompensiert. Es ist auch nicht unbedenklich, daß der Arbeiter-- und Soldatenrat von diesen sichtlich unbedeutlenderen Gewalttätigkeiten überhaupt Kenntnis gibt, denn erfahrungsgemäß wirken sblche Mitteilungen nur ansteckend, so gut wie etwa die Zeitungsnotizen, daß sich wieder einmal ein Selbstnrörder von der Großhesseloher Brücke herabgestürzt hat. Ceterum eensemus: Führen sich die jüdischen Gelvalthaber in Deutschland anständig, dann auch das deutsche Volk, dessen unübertreffliche Gutmütigke'it ja schon daraus erhellt, daß es die Fremidherrschaft willig auf sich genommen hat. Tun sie es nicht, treiben sie es gar zmn Bürgerkriege, dann werden auch all.e Proteste und selbst Gewaltawveudung, Ausschreitungen des Mobs, den sie ja selbst riiesen und mobilisieren, nicht verhindern können. Die Geister, die sie aus der Tiefe riefen als besondere Schiutzgarde. werden sich dann gegen sie selbst ivenden. Das ist der Lauf der Welt. Auch in Galizien waren es, ivie man der „Neuen Freien Presse" aus Schilderungen von ^Augenzeugen entnehmen kann, nicht die Bürgerkreise oder der anständige Teil der Belvohnerschaft, ivelche die Schandtaten gegen die Juden -begingen, sondern die befreiten Sträflinge usw. Daß diese heute auch in Deutschland frei hernmlaufen, ist aber sicher nicht die Schuld der alten Regierung und auch nicht der christlichen Mehrheit in Deutschland. Die jüdischen Machthaber haben es also völlig und