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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1918-12-06 · Heft 49 (6.12.1918) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
82 (1918)
Issue
Heft 49 (6.12.1918)
Date
1918-12-06
Page
Seite 2 (sequence 16)
Language
German
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.tot jüdischen die der Redner durch den Vor trug charakteristischer Belege fiir seine Theorien belebte, folgten Gesangsvorträge der Herren Weift m a n n und C a r g h e r, die als Interpreten jüdisclfer Volksmiisik Vorzügliches gaben. Reicher Beifall bewies den Bortragenden die Dankbarkeit des Auditoriums. bl. M. Berlin, 3. Dezember. Anf dem Friedhofe in der Schönhauser Allee fand die Beisetzung des Bankiers Tr. H a n s G i d e v n Hey mann statt, der im jüdischen Leben Berlins eine sehr bekannte Persönlichkeit war. Auch in der Bankwelt erfreute sieh Dr. Heymann gröfter Achtung und Wertschätzung. Dr. Heymann ist durch die tückische Grippe in der Bvlltrast seines Schaffens im Alter von 3 7 Jahren dem LebeA entrissen worden. Der Heimgegangene, der der alten Berliner Bankierfamitie Meyer-Cohn entstammte, hak schonfrüh als Beamter der Disconto-Gefellchaft eine erfolgreiche Tätigkeit entfaltet. Cr wurde stellvertretender Direktor der Allgemeinen Deutschen Pelroleuin-A.-G., später der Deutschen Erdvl-A.-G., gehörte dann nach dem bekannten Teag-Zwist dem Direktorium des A. Sehaaffhansenschen Bankvereins an, lim schtieftlich der Vertrauensmann und Generalbevollmächtigter von Ignatz Petsehet zu werden. Zur Tranerseier für den Heimgegangenen hatte sich eine große Zahl von Leidtragenden ans dem Friedhofe in der Schönhauser Allee eingefunden. Rabbiner Dr. Warschau'er hielt die Gedächtnisrede, in der er die Persönlichkeit des Verstorbenen und sein eifriges Wirken für alle jüdischen Kragen hervorhob. Nach den üblichen Gebeten wurde der Sarg dem- ^rabe übergeben. Der frühe Dvd dieses ausgezeichneten Mannes erweckt in allen Kreisen, die sein weites Arbeitsfeld umfaßte, lebhafte, innige Teilnahme. Der Verstorbene war aiich Mitglied des großen Aktionskomitees der Zionistischen Organisation, die in ihm einen Irenen Mitarbeiter und eine starke Stütze verloren har. K. M. Berlin, 3. Dezember. Von der Alten Halle des Friedhofes in Weiftensee fand nur 30. v. M. die Bestattung des cnn Dienstag, den 20. Rüwember, verstorbenen Haupttantors Gustav <ll o ch a n o w s k i unter zahlreicher Beteiligung statt. Der Verstorbene, der nur ein Alter von 37 Zähren erreicht hat, war bis zu seinem Ableben als erster Gemeindekantor an der Synagoge Pestalozzistraße tätig. Vorher wirkte er als zweiter Kantor -an der Alten Synagoge, an die er von der Tiergarten-Synagoge her berufen worden war. Zn warmempsnndener Bede zeichnele Rabbiner Dr. Lieber m a um das Bild des Verblichenen. Sein Gebet habe ' die Gemeinde stets erhoben und die Seelen 511 Gott geführt. Die Tiefe seines Vortrags habe ihre Wurzeln gehabt in der Tiefe seines religiösen Empfindens, das gepaart gewesen sei mit einein vollen Ei norm gen in den hebräischen Text. Aach den Worten des Herrii Dr. L i e b e r m a n ii folgte das El-mote-rachamim-Gebet, voii Oberkantor Buer vorgetragen, und riach dem Schlußliede des Chores der Synagoge Pestalozzistraße erfolgte die Beisetzung. Dam Sarge folgten außer den Angehörigen die Gemeindekantoren nn Ornat, die Borsteher der Synagoge Pestalozzistraße und die Borstandsmitglieder der Alten Synagoge. Den Gemeiudevorstand vertrat der Generalsekretär der Gemeinde. W. Posen, 29. November. Die erste Stadtverordiieteirsitznug unter der neuen Regierung fand am vergangeiien Dienstag statt. Bei Besprechung des Wahlrechts' brachte Stadtverordneter Dr. Landsberg, daß durch Drohbriefe und sonstige Belästigungen der Fortgang oes Kollegen Zustizrnts Kirschner erzwungen worden sei, zum Ansornck. — Der neue Oberbürgermeister v. Drrvensti führte in seiner Antrittsrede unter anderem an: „Blan lieft in den Zeitungen von Pogromen gegeri die Inden. Man verdächtigt daiiiit die polnische Bevölkerung. Hey wende inich an die Vertreter der jüdischen Bevölkerung. Ich bitte Sie, abzurücken von dieser Agitation. Zri Warschau haben sich die Znden bewaffnet und werden dort zu einem staatsgefährdenden Moment. Zeh glaube, da ft in keiner Stadt wie hier eine solche Ruhe herrscht. Tie polnische, deutsche und jüdische Bürgerwehr halten die Ordnung ansrecht." — Stadtverordneter Bitter führte aus: „Der Oberbürgermeister hat die jüdische Bevölkeriing besonders apostrophiert; ich iiiöchte vorerst erklären, daft diese den Stiirz des alten Regimes mit Genugtuung begrüßt und sich voll und ganz auf deu Boden. der neuen Ordnung stellt. Seit Zahrhunderten haben die Zilden unter einem starken Truck gelebt; sie sind benachteiligt worden und sie hoffen, daft die goldene Sowie der Freiheit endlich auch ihnen leuchten ivird. Wenn es ioirklich wahr j sein sollte, das; die Juden Warschaus sich gut Waffengewalt gegen die! polnische Regierung gewandt und sich mit den Bolschewisten vcr-; bunden haben, so verurteilen die Posener Juden dieses Verhalten aufs schärfste und rücken nachdrücklichst von den Warschailcr Glaubensgenossen ab. Tie Znden Poseiis haben mit bolschewistischen Neigungen j nichts gemein. U eberall, in welchen Ländern sich immer auch Juden l befunden haben, haben sie in Treue zur Negierung gehalten, sind gute; Staatsbürger gewesen, und was ihr Verhältnis zu den Polen anj langt, so erinnere ich darari, daft die Juden stets gegen alle Äusi ii ahmege setze gewesen, den Spraehenparagraphen, das Enteignungsgesetz aufs schärfste bekänipft und den aufrichtigen Wunsch haben, mit den polnischen Mitbürgern tu Friedeii zu leben. Sie verlangen aber und fordern, als gleichberechtigte Staatsbürger anerkannt und ebenso wie alle anderen Bürger bezüglich ihrer Person und ihres Eigentilms geschützt zu werdeii. Ich spreche die Erwartung aus, daft der Oberbürgermeister ziir Erfülliiiig dieser berechtigten Wünsche der Juden Pos:ns das Seine beitragen wird."! M. 13. Hamburg, 29. R'ovember. Dem Ernst imserer Zeit entsprechend, ivurde das 25jährige Bestehen des Jsraelitisch-Humanil lären Franeiwereiiis nicht durch festliche Beranstaltungen gefeiert, soiiderli nur durch eine würdige VersamiiiliUig. In dieser wurde durch die Vorsitzende nud die Abordnungen der israelitischen Geineinoen Hambiirg-Altona, der Henry-Jones-Loge und Steinthal-Loge uiid aiiderer gemeinnütziger Körperschaften ein anschauliches Bild von der Entstehung und Entwickelung des Vereins entworfen. Ter unvergeßliche Hauilmrger Philanthrop Gustav Tuch, der stets zu seinen sozialen Werken die Frauenarbeit heranzuziehen pflegte, gründete vor l'o Jahren diesen Verein als Mittelpunkt humanitärer Fürsorge für Frauen, minder und Jugendliche. Rasch entfaltete sich diese Bestrebung, und ihre Wurzelkrast bewährte sich auch nach dem Tode des Gründers, da die Leittlng in die Hände von Fräulein S i d 0 n i e W e r n e r überging. Zehn Jahre lang nulltet sie mit aller Liebe und Hingebtmg ihres Amtes und fügte zu den ersten Einrichtungen ein Mädchenheim hinzu, eine Säuglingsfürsorge, ein Kinderheim und ein Genesungsheim für llinder in ^egeberg. Mit Hilfe eines durch ihre Tatkraft stets allgeseuerten Vorstandes wurde auch eine hervorragende urto umfassende riegss ü r s 0 r g e im Jahre 1914 ins Leben gerufen, oei der sich besonders auch die inzwischen organisierte Jugendgruppe tapfer betätigt. Als Znbiläninsgabe erhielt die verdienstvolle Vorsitzende ein Kapital zur Schaffung der ersehnten Haushaltungsschule mit Internat in Segeberg, die den Namen „Sidonie- W e r n e r - H e i m" führen soll. Es ist bezeichnend für die Rührigteit und Treue, mit der in diesem Verein gearbeitet wird, daft dicht nach der Jnbilamnsversammlnng bereits ein passendes, vortrefflich im Geyölz gelegenes Haus in Segeverg für den neuen Zweck erstanden uuuoe, iinD zivar sind die gute Wahl und der günstige Ankauf Herrn Paul Laster 311 danken, der feit Jahren die Finanzangelegen- Heiken des Verein ailfs beste ivahrnimmt und stets mit Rat und Tat 4 oem Vorstand zur Seite steht, wenn Einrichtungen baulicher oder './• technischer Art Dorgcnouuncu iverdeu sollen, für die sich seine > schatzenSiverte sachgemäße Einsicht schon vielfach von großem Nutzen erwiesen hat. Obschon der Jsraelitifch-Hunianitäre Frauenverein ein I eigenes, liveraus reiches Arbeitsfeld hat, nimmt er dennoch lebhaften Anteil an allen politifchen, wirtschaftlichen und sozialen Problemen . der gesamten Franenivelt. Er ist im Lause seines 25jährigen Be-; stehens zil einem angesehenen und lvirksamen Faktor kommunaler j1 und sozialer Liebesarbeit in Haiiiburg gewordeii. Daher ist ihm ein iveitereS Blühen und Gedeihen znm Segen unseres vaterländischen .'1 Wiederansvairs 311 ivünfchen! 1 Leipzig, 29. November. Die „Leipziger Volks- ■* zeitnn g", das erste Organ der Unabhängigen Sozialdemokratie in | Deiitschland, bringt unter der Ueberschrist: „Ter moderne ewige Jude" \h folgenden Artikel, der ebenso geschmacklos wie er eine antisemitische | Rüpelei übelster Art ist: „Wie er heißt, ist ganz gleichgültig, er lebt .Z überall, und wir werden ihn gleich erkennen,' wenn ich ihn beschreibe, j Früher sah man ihn in den Logen der Theater oder in den vornehmsten Kaffeehäusern, eingehüllt in einen eleganten Stadtpelz; seine A Finger schmückten Ringe, und er sah ans wie das konzentrierte Wohl-; bestnderi. Jetzt ist es anders. In die Ecke eines Eisenbahnwagens geduckt, in der linken Hand die Reisetasche, in der Rechten, an das st Herz gepreßt, feinen Geldbeutel, flieht er von Land zu Land ohneW Rüist imd Ruh . . . Er kommt-von Rußland. Als guter (^schafts-M V

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