Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 82 (1918)
- Issue
- Heft 49 (6.12.1918)
- Date
- 1918-12-06
- Page
- Seite 388 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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588 in den Gebeten statt der hebräischen zulässig sei; 2. daß die Beseitigung der Piutim und der Slichot jeder Gemeinde zusteht; 3. daß die bisher allgemein, üblichen Gebete: Buhgebete und das alphabetische Sündenbekenntnis am Versöhnungstage, ohne jede Versündigung abgekürzt oder ganz beseitigt werden; 4. daß die -unerläßlichen Gebete das Schema und das sogenannte Achtzehngebet seien; 5. daß die Abänderung des Gebetes für die Wiederherstellung des Opferdienstes von allen erleuchteten Theologen gebilligt werde. Schon um dieses einen Aktenstückes willen, in welchem Mannheimer bezeugt, durch den Gottesdienst des neuen Tempels die reichhaltigsten unb bleibendsten Eindrücke empfangen zu haben, ist die Festschrift mit freudigster Genngtnnng zu begrüßen. Sie bekundet außer der Pietät für die einer längst vergangenen Zeit angehörenden Begründer, daß der Geist der auf der Tradition fußenden Reformbowegung, der den Begründern innewohnte, noch heute nicht geschwunden ist; sie beweist die Opserwilligkeit und das frische Leben, das die gegenwärtige Generation gleich ihren Vorgängern erfüllt; sie bezeugt in sichtbarster Weise unser coiorum eonsoo von der Vereinbarilng deutschen Wesens und deutscher Sprache mit dem jüdischen Geist. Mögen diese Eigenschaften: fortschrittliche, auf dem Boden der Geschichte und Tradition stehende Gesinnung, tatkräftige, mit immer frischen Tönen ermunternde Begeiste- .rung für die festgewurzelten Ueberzengungen, unlösliche Verbindung deutschen und jüdischen Wesens für alle Zeiten dem Hamburger Tempel bewahrt bleiben! Dann wird er bleiben, was er ein Jahrhundert war: eine stille Insel in dem brandenden Meer, eine Stätte innerlicher Erbauung und wahrhafter Gottesverehrung. ChmmKs. Von I e u n y B e r g m a n u. nd wieder glänzt durch trüber Zeiten Dunkel Gar freundlich traut der Weihseftkerzen Schein, Und froh belebend fällt ihr mild Gefunkel In das bedrückte Menschenherz hinein. Ernst ist die Zeit, und wilde Stürme toben, Doch braucht der Baum ja nicht nur Sonnenschein, Daß er sich hebe stolz und stark nach oben In unentwegtem, kräftigem Gedeihn. Er muß in Wind und Wetter ungebeuget, Die Wurzeln fest, die Krone ragend, stchu, Daß er der Welt, wie Deutschland jetzt bezeuget: Wir werden auch im Sturm Glicht nntergehn! — Wie einst der Makkabäer Schar befreite Das neu errungne, hehre Heiligtum, Wie sie es reinigten und schmückend weihten Und Kerzen zündeten, dem Herrn zum Ruhm, So zünden wir die köstlichste der Kerzen Auf unsres Deutschlands heiligem Altar, Die uns ans Tränen, edlem Hut und Schmerzen Erwachsen ist in Zeiten der Gefahr. Und deren machtvoll-lichte, starke Strahlen, In wahrer Freiheit, edlem Friedensglück, Auch unser Land nach all den bittern Qualen Begnaden nun mit neuem Sonnenblick. Me dann der Makkabäer Lieder tönten Durch das in Pracht erstandne Gotteshaus, Und während ihre Feinde lästernd höhnten, Des Ewigen Anbetung klang heraus, So darf auch deutsches Lied sich stolz erheben, Zum Himmel klingen jubelfroh und hell, Viel nahm der Krieg, viel hat er uns gegeben, Das bleib' unlb wachs' als neuer Kräfte Quell. Q lasset nie verlöschen jene Flammen, Laßt nie verstummen deutscher Taten Lied, Sei einig Deutschland, halte fest zusammen, Sei deiner Freiheit, deines Glückes Schmied. So glänze denn durch trüber Zeiten Dunkel, Als Licht von oben, unsrer Kerzen Schein, - Und froh belebend gieße ihr Gefunkel Uns Rink und Zuversicht ins Herz hinein! Literarische Mitteilmrgem — E i ii f u t z e s ap i t e l ü b e r B e v l i n e r Tanf - jnde u. Bon Lollis Lamm. Berlin 1918. Berlag vou Louis Lamm. Preis M. 0,60. ' Die kleine, nur sechs gedruckte Seiten umfassende Schrift, die mit 60 Pfennig verkauft ivird, enthält interessante Mitteilungen aus jüdischen Tauflisten. Am interessantesten sind drei Aktienstücke: das eine über die Schwierigkeiten, welche das Polizeipräsidium dem llebergang eines Christen, zmu Judentum bereitete. Sodann zwei Briese. Bon ihnen ist der eine von Adolph Kohnt an Paulus Cassel, die beabsichtigte Taufe seines Sohnes betreffend, höchst unwürdig: den anlderen, von I. M. Jost, der seiner Schwester, die einen Christen heiraten wollte, eine Art Gebnrtszengiüs ausstellt, finde ich im Gegensatz zudem Herausgeber nicht kompromittierend. L. G. — C u g e u H o e f l i ch : T e r W eg in das L a n d. Palästinensische Aufzeichnungen. NN3. A. Löwit Berlag, Wien und Berlin. Eine durchaus zionistische Schrift eines begeisterten Patästlnaschwärmers. In lebhaft geschriebenen Abschnitten, die freilich keineswegs in einer ganz einwandfreien Sprache vorgetragen werden, ivird Palästina als das gelobte Land geschildert. Der Berfasser ist nicht völlig blind gegen die Mängel. So tadelt er z. B. den traurigen Zustand der Hygiene, meint aber, das; viele Krankheiten durch den Krieg eingeschteppt oder verursacht sind. Er rügt ferner das Laster des allzu vielen Branntweintrinkens. Sehr interessant sind die Mitteilungen über eine jüdische Hochzeit in Jerusalem. Das Büchlein Null nichts Neues und nichts Erschöpfendes bieten, aber es bringt dem Nichtkenner erwünschte Belehrung und gewährt dem Kenner nicht. unangenehme Erinnerungen. ll. G. E h. B o r a k: E i u K r e u z z u g v v n I u d e n f ü r Inden? Herausgegeben vom Komitee der Aufrechterhaltimg jüdischer Neutralität. Nr. 4. 1018. Ein ganz wohlgeineintes Schristchen, das in den Worten gipfelt: „Die Judeuschast der Entente soll ihren Glaubensgenossen in den Mtttelmächteländern ihre Befreiung selbst überlassen!" Das ist der Standpunkt, den wir imm-er vertreten haben. Eine Gemeinschaft, die sich selbst nicht erhalten kann, ist verloren. lluterstützung von. -außen im- Falle der Rot ist gewiß geboten; Politische Nechte muß sich jeder allein erkämpfen. Man kann daher die kleine Schrift recht wohl empfehlen. ll. G. ffiüdjrrrinlauf. Besprechung der Bücher -Vorbehalten. Iurücksendung der Bücher findet in keim"" -3aUi' statt. Wchtvstlich? Dichter klön ge. Jüdisches Lesebuch. Her au sge geben von Dr. Leo Tentschländer. 1018. Prtedatsch's Verlagsbuchhandlung, Breslau 1, Ni-ng 58. Ein kurzes Kapitel über Berliner Tausch den. Bon Louis Lamm. Berlin 1918, Berlag von Louis Lamm. Preis 60 Pfennig. Die verborgene Schrift. Ein Roman ans dem Elsaß/von Anselma Heine. 1018. Berlag Ullstein u. Co., Berlin und Wien. Nene Jüdische Monatshefte. Zeitschrift für Politik, Wirtschaft und Literatur in Qst und West. Mitbegründet von Hermann Cohen. Sonderheft: Tie jüdische Frau. Inhalt: 12 Beiträge. II. Jahrgang, 25. Juli, 10./25. August 1018. Heft 20/22. 10. September 1018, Heft 23. Inhalt: 5 Beiträge. Berlag der 'Neuen Jüdischen Monatshefte, Berlin/Atünchen. Grundsätze jüdischer Erziehung. Einleitender Bortrag der Er- . ziehnngswoche zu Nürnberg am 20. April 1018 von Rabbiner Dr. Mar 'Freiidentljal. Souderabdruek aus der „Freien Jüdischen Lehrerstimme", Wien, VN. Jahrgang. 'Nr. 7 und 8. Nürnberg 1018, Berlag der Kornschm Buchhandlung. Preis 1 M. u i'W